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	<title>StudentenPACK. &#187; Lübeck</title>
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	<description>Das Magazin der Studenten an der Uni Lübeck</description>
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		<title>Das tägliche Klein-Klein</title>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 11:00:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Sannmann</dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_137410" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-137410" alt="Die Parteien buhlen wieder um Bürgerschaftssitze." src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/bild1-645x430.jpg" width="645" height="430" /><p class="wp-caption-text"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><span class="media-credit"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/author/ruge/">Lukas Ruge</a> | StudentenPACK.</span></div> Die Parteien buhlen wieder um Bürgerschaftssitze.</p></div>„Wir leben in einer Demokratie! Da dürfen wir nicht in eine Zuschauermentalität verfallen. Man ist aufgefordert zum Mitmachen. Das Mitmachen beinhaltet für die Bürger, sich zu informieren über die Wahlprogramme der Parteien“, drängt <a title="Interview mit Anette Röttger (CDU)" href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/2013/05/interview-mit-anette-rottger-cdu/">Anette Röttger</a>, bildungspolitische Sprecherin und Kreisvorsitzende der CDU in Lübeck, auf mehr Beteiligung am politischen Leben. Vor allem in Zeiten von Wahlen werden wir Bürger oft daran erinnert, wie wichtig es ist, dass wir unser Wahlrecht ausnutzen und demokratische Parteien wählen. So also auch jetzt. Am 26. Mai ist wieder Kommunalwahl. In Lübeck sind 175.000 Bürger dazu aufgerufen, ihre Vertreter in die Bürgerschaft zu wählen.</p>
<h3>Die Bürgerschaft, das unbekannte Wesen</h3>
<p>Die Bürgerschaft ist die Vertretung der Lübeckerinnen und Lübecker im Rathaus. Sie entscheidet über alle kommunalpolitischen Themen, wie zum Beispiel den Lübecker Haushalt, städtische Bauvorhaben und Kindergärten. „Man besucht um die acht Sitzungen im Jahr, diese müssen natürlich vor- und nachbereitet werden“, berichtet <a title="Interview mit Oliver Dedow (Piratenpartei)" href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/2013/05/interview-mit-oliver-dedow-piratenpartei/">Oliver Dedow</a> von den Piraten. Die Bürgerschaft besteht normalerweise aus 49 Mitgliedern. Aufgrund von Überhangmandaten und durch den Wegfall der Fünf-Prozent-Hürde waren es in der vergangenen Legislaturperiode 60 Mitglieder. Insgesamt zehn verschiedene Parteien, Wählerbündnisse und zusätzlich parteilose Mitglieder sind gewählt. „Hier kann man die Interessen der Bürgerinnen und Bürger hautnah vertreten. Man ist mit den Bürgerinnen und Bürgern hautnah in Kontakt“, freut sich <a title="Interview mit Antje Jansen (DIE LINKE)" href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/2013/05/interview-mit-antje-jansen-die-linke/">Antje Jansen</a> von der Partei LINKE. Die Bürgerschaft macht die Politik für das tägliche Geschehen in Lübeck.</p>
<p>Kommunalpolitische Ämter sind Ehrenämter. Insgesamt 15 bis 20 Stunden verbringe ein Kommunalpolitiker mit seinem Ehrenamt, meint Antje Jansen. Auch CDU-Frau Anette Röttger berichtet: „Die Kommunalpolitik fordert mich täglich ein.“ Die Mitglieder der Bürgerschaft bekommen zwar Aufwandsentschädigungen für ihre Tätigkeit, aber es gibt auf der kommunalpolitischen Ebene keine Berufspolitiker. „Da gehört ja auch einiges dazu, nicht nur die Teilnahme an Sitzungen. Da ist auch viel drum herum. Man geht mal zu Bürgerverbänden, setzt sich in andere Ausschüsse oder recherchiert“, berichtet Oliver Dedow. Insgesamt trifft sich die Bürgerschaft etwa einmal im Monat zu ihrer Sitzung, dort wird dann über Beschlüsse, die vorher in den diversen Ausschüssen gefasst wurden, beraten und abgestimmt.</p>
<p>In diesen 18 Ausschüssen beraten „Fachleute“ über den jeweiligen Fachbereich. Einige Themenbereiche sind Finanzen, Schule und der Kurbetrieb in Travemünde. Für die Vorbereitung der Bürgerschaftssitzungen gibt es zusätzlich den Hauptausschuss, der koordiniert, welche Themen in der nächsten Sitzung besprochen werden. Fasst einer der Ausschüsse einen Beschluss, wird dieser in der Bürgerschaft vorgestellt und dort wird endgültig darüber abgestimmt. Allerdings kann es vorkommen, dass die Mehrheit in der Bürgerschaft den Ausschüssen nicht zustimmt. „Die Ausschüsse müssten viel mehr Entscheidungskompetenz haben, in der Bürgerschaft sollten diese Beschlüsse nur noch durchgewunken werden. Es kann nicht sein, dass Fraktionen anders abstimmen als ihre Vertreter es vorher im Ausschuss getan haben“, beschwert sich Pirat Oliver Dedow über die aktuelle Situation in der Bürgerschaft. „Die Ausschusssitzungen sind wirklich uninteressant. Das muss man einfach so sagen“, beklagt sich <a title="Interview mit Timon Kolterjahn (FDP)" href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/2013/05/interview-mit-timon-kolterjahn-fdp/">Timon Kolterjahn</a> von der FDP, der sich sicherlich auch mehr Kompetenzen in den Ausschüssen wünschen würde. Kommunalpolitik kann somit auch frustrierend sein.</p>
<h3>Einstieg in die Politik</h3>
<p>Warum sind trotzdem einige Lübeckerinnen und Lübecker motiviert, sich in die Bürgerschaft wählen zu lassen? SPD-Mann <a title="Interview mit Jan Lindenau (SPD)" href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/2013/05/interview-mit-jan-lindenau-spd/">Jan Lindenau</a> kann da eine sehr konkrete Motivation angeben: „Mein damaliger Grund war der Anschlag auf die Lübecker Synagoge. Ich hatte das Gefühl, dass man sich mehr einbringen muss, um die Demokratie, die Freiheit und auch das Gemeinwohl weiter zu stärken, damit es keinen Nährboden gibt für rechtsradikale Tendenzen.“ Er engagierte sich zuerst überparteilich und später parteigebunden. Heute, 16 Jahre später, ist Lindenau Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses und auch Vorsitzender des Finanzausschusses. Im Jahre 2011 ist Lindenau als Nachrücker in die Bürgerschaft eingezogen.</p>
<p>Der &#8217;86 geborene Politikwissenschaftsstudent Timon Kolterjahn von der FDP fühlt sich zu Höherem berufen. „Kommunalpolitik ist der Einstieg in die Politik“, erklärt Kolterjahn. Außerdem glaubt er, auf der kommunalen Ebene eher etwas verändern zu können. Ähnlich sieht das auch die 63 Jahre alte Erzieherin Antje Jansen, die bis 2012 für die LINKE im Schleswig-Holsteinischen Landtag und gleichzeitig Bürgerschaftsabgeordnete in Lübeck war. „Ich finde Kommunalpolitik bringt mehr Spaß, weil man da näher am Bürger ist“, resümiert sie ihre Zeit in der Landespolitik. „Da kann man über Themen entscheiden, die die Bürgerinnen und Bürger bewegen. Es bringt Spaß, da man Erfolge hat“, freut sie sich.</p>
<p>Etwas politisch umzusetzen war auch der Gedanke, als Anette Röttger sich 2008 entschied, zum ersten Mal für die Bürgerschaft zu kandidieren. Die Mutter von drei Kindern engagierte sich bereits über Jahre hinweg im vorpolitischen Umfeld. Als aktives Mitglied im „Landfrauen“-Verein stieß sie immer wieder auf Themen, die sie ändern wollte. „Vor wenigen Jahren wurde ich dann aufgefordert, genau dies zu tun, unsere Wünsche politisch umzusetzen und mich für die Bürgerschaft aufstellen zu lassen.“ Seitdem sitzt sie in der Bürgerschaft und freut sich, dass sie sich im Bereich Bildungs- und Schulpolitik verwirklichen kann. „Mit drei schulpflichtigen Kindern bin ich gerade in diesem Thema sehr fit“, begründet die bildungspolitische Sprecherin der CDU Lübeck ihre Schwerpunktwahl. Gerade im Bildungsbereich sind Landes- und Kommunalpolitik sehr verzahnt. Die Stadt ist Schulträger und daher zuständig für die Schulgebäude sowie Hausmeister und Schulsekretärinnen, während die inhaltlichen Fragen im Landtag besprochen und geklärt werden. An dieser Stelle, aber auch bei anderen Themen, wird Kommunalpolitik häufig mit Landespolitik verwechselt. „Da ist es unsere Aufgabe, den Unterschied darzustellen, aber die Anliegen der Bürger auch in die Landes- und Bundesebene zu tragen“, verspricht <a title="Interview mit Silke Mählenhoff (Grüne)" href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/2013/05/interview-mit-silke-mahlenhoff-grune/">Silke Mählenhoff</a>.</p>
<p>Mählenhoff kandidiert in diesem Jahr zum ersten Mal für die Bürgerschaft in Lübeck. Obwohl sie seit dreizehn Jahren in Lübeck wohnt, war sie bisher im Grünen-Kreisverband Ostholstein engagiert, da sie auch dort in einem Jobcenter arbeitet. Ein kommunalpolitisches Amt konnte sie dort allerdings nicht bekleiden, da man das nur an seinem Wohnort kann. So kam die Hobby-Politikerin zu den Lübecker Grünen. „Da sich die Lübecker Grünen momentan personell umstrukturieren, passte es insofern ganz gut, dass ich mich jetzt hier engagiere“, freut sich die Umweltfreundin. Mählenhoff ist schon seit gut 25 Jahren für die Umwelt und den Umweltschutz aktiv. Ihr Engagement möchte sie auch in der Lübecker Bürgerschaft weiterführen. „Zu meinen Themen wird der Ausbau des Radwegnetzes in Lübeck gehören, dazu kommen Themen wie die Kläranlage und die Deponie in Ihlendorf. Da müssen wir für den Umweltschutz eintreten.“ Doch nicht nur auf kommunale Themen werden Kommunalpolitiker des Öfteren angesprochen, häufig ist der Unterschied zur Landespolitik den Bürgerinnen und Bürgern nicht direkt geläufig. „Das passiert häufig wenn man in der Breiten Straße steht“, empfindet Anette Röttger (CDU). Neben dem Thema Bildung ist die Steuergesetzgebung einer der Schwerpunkte, bei denen Kommunalpolitiker wenig Macht haben. Der Haushalt sei, so Oliver Dedow (Piraten), zu 90 Prozent vorgegeben, mit den restlichen zehn Prozent könne man arbeiten.</p>
<p>Die Themen, die eigentlich nicht in die Kommunalpolitik gehören, werden trotzdem auch in der Bürgerschaft diskutiert. „Da wird über viele Sachen gesprochen, die in Lübeck gar nicht umsetzbar sind. Vieles ist für eine Bürgerschaft auch eigentlich gar nicht relevant. Da müsste man viel mehr differenzieren“, behauptet Timon Kolterjahn und erinnert sich an eine Resolution der Lübecker Bürgerschaft gegen die Todesstrafe vor zwei Jahren. Wie Resolutionen funktionieren erklärt Antje Jansen (LINKE): „Mit einer Resolution beauftragen wir dann den Bürgermeister, sich im Landtag oder im Bundestag für die und die Fragen einzusetzen. Der Bürgermeister schickt das an den Bundestag, dann wird gesagt, dass sie es bekommen haben, aber nichts daran ändern. Die entscheidenden Fragen werden auf der Bundes- und Landesebene behandelt.“ Timon Kolterjahn resigniert: „Das kann in Lübeck ausgesprochen werden, landet dann aber im Ministerium in Kiel in irgendeiner Schublade.“</p>
<h3>Streiten und Entscheiden</h3>
<p>Über die verbleibenden kommunalen Themen kann man sich trotzdem vorzüglich streiten. „Am meisten gestritten wurde über die Finanzen. Ob man jetzt dem Konsolidierungskurs zustimmt, wo man kürzt, wo man spart, wo es Mehreinnahmen geben kann“, berichtet Antje Jansen aus den letzten fünf Jahren in der Bürgerschaft. „Die weitere Rekordverschuldung der Stadt ist eine ganz fatale und traurige Entwicklung“, findet Anette Röttger (CDU). Darin sind sich die Bürgerschaftler parteiübergreifend einig. „Juristisch ist es nämlich so, dass Gesellschaften und Privatpersonen eine Insolvenz eingehen können, Lübeck kann das nicht. Das ist eine rechtliche Vorgabe, vielleicht kann man da auf Bundesebene etwas ändern“, erklärt Oliver Dedow von der Piratenpartei die Rechtslage. Dedow arbeitet eigentlich in einer Kanzlei als Rechtsanwalt und hat sich auf Straf- und Verkehrsrecht spezialisiert. „Wir wollen den Bürgerhaushalt, damit sich die Bürger einbringen können. Es ärgert mich ungemein, dass die Bevölkerung so viele Ideen hat, die zu Hause oder am Stammtisch formuliert werden, die aber nicht ins Rathaus gelangen, weil es dafür keine Plattform gibt.“ Vielleicht braucht es einen neuen Ansatz. Die Stadt hat aktuell 1,3 Milliarden Euro Schulden mit einer jährlichen Neuverschuldung von rund 80 Millionen Euro. Das Konzept eines Bürgerhaushalts beinhaltet, dass sich die Bürger aktiv an Finanzentscheidungen beteiligen können. Dieses Projekt wird in Schleswig-Holstein bereits in einigen Kommunen ausgetestet. Für Lübeck wurde allerdings noch kein funktionierendes Konzept entwickelt. Mit dieser Idee können sich auch die Parteien SPD, LINKE und Grüne anfreunden. „Finanzpolitische Entscheidungen […] werden wir im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern treffen“, verspricht Jan Lindenau (SPD). Er arbeitet hauptberuflich in einer Bank und verbringt so sehr viel Zeit mit Zahlen. „Der Haushalt wird immer ein Thema bleiben.“</p>
<h3>Zersplitterung und Fluktuation</h3>
<p>Entscheidungsfindung ist in der aktuellen Bürgerschaft schwierig. Das Bundesverfassungsgericht hat die Fünf-Prozent-Klausel für Kommunalwahlen abgeschafft. Deshalb kam es zu einer Splitterung der Lübecker Bürgerschaft. In der letzten Legislaturperiode waren zehn verschiedene Parteien vertreten. Jetzt kandidieren elf Listen. Eine Partei braucht bei 49 vorgesehenen Sitzen für einen Sitz in etwa zwei Prozentpunkte. CDU-Frau Röttger mahnt an: „Wir brauchen keine Splitterungen oder kurzfristigen Aktionismus. Wir brauchen den weiten Blick und im Grunde genommen die längerfristigen Perspektiven.“ Die Zersplitterung frustriert auch Jan Lindenau: „Es können keine verlässlichen Mehrheiten gebildet werden, die für verantwortungsvolle Politik zwingend erforderlich sind. Ständig gibt es wechselnde Positionen bei den kleineren Wählergemeinschaften. Setzt sich ein Mitglied einer Wählervereinigung mit seiner Ansicht nicht durch, gründen sich neue Fraktionen und Wählervereinigungen.“ Ganz anders sieht dies naturgemäß Pirat Dedow. „Als kleine Fraktion, oder auch als Parteiloser habe ich die Möglichkeit, auf […] Missstände aufmerksam zu machen, und kann Ideen einbringen.“ Dedow entschloss sich vor einigen Jahren, einen neuen Bürgerverband mit einigen Mitstreitern zu gründen, die „Bürger für Lübeck“ (BfL). Für diese Fraktion ist er 2009, nachdem eins der gewählten Fraktionsmitglieder aus Lübeck wegzog, in die Bürgerschaft eingezogen. Mittlerweile hat Dedow die BfL verlassen und ist bisher als Parteiloser in der Bürgerschaft. „Ich bin da momentan noch als Einzelkämpfer unterwegs, hoffe aber, dass wir nach der Wahl eine richtige Fraktion werden.“ Die Mitglieder einer Partei, die in die Bürgerschaft gewählt wurden, werden zur Fraktion, sobald sie mit mehr als drei Personen gewählt wurden.</p>
<p><div id="attachment_137415" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-137415" alt="Hier finden die Bürgerschaftssitzungen statt." src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/DSC_4094-von-Philipp-645x429.jpg" width="645" height="429" /><p class="wp-caption-text"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><span class="media-credit"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/author/bohnenstengel/">Philipp Bohnenstengel</a> | StudentenPACK.</span></div> Hier finden die Bürgerschaftssitzungen statt.</p></div>Zusätzlich zur Splitterung der Parteienlandschaft ist auch die große Fluktuation an Abgeordneten ein Problem, in den letzten fünf Jahren wurden mehr als ein Drittel der Mitglieder ausgetauscht. Scheidet eine Person aus der Bürgerschaft aus, rückt der nächste auf der Liste nach, so auch Jan Lindenau und Oliver Dedow. Die Fraktionen bekommen dann von der Stadt einen gewissen Etat und Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Insgesamt bekommen die Fraktionen zusammengerechnet 770.000 Euro von der Stadt. Dieses Geld wird zwischen den Fraktionen anhand der Mehrheitsverteilungen in der Bürgerschaft aufgeteilt. Die Fraktionen bezahlen von diesem Geld beispielsweise ihre Fraktionsgeschäftsführer. Dedow ist der Meinung, dass das zu viel Geld sei und möchte auf Missstände hinweisen: „Die Fraktion der Piratenpartei im Landtag hat das Geld, das übrigblieb von dem erhaltenen Fraktionsgeld, an das Land zurückgegeben. Das kommt bei anderen Parteien nicht so häufig vor. Da wird lieber noch eine Ausfahrt geplant.“</p>
<p>Doch was geht das ganze Diskutieren, Streiten und Beschließen nun Studenten an? Die meisten Studenten wohnen in Lübeck und sind hier wahlberechtigt. Aber ist Kommunalpolitik wirklich so wichtig für uns? Was wird da entschieden, das uns tatsächlich angeht? „Wo finde ich eine günstige Wohnung? Ist wohl eine der wichtigsten Fragen, die Sie sich stellen müssen, oder?“, beantwortet Silke Mählenhoff von den Grünen diese Frage. In den letzten Jahren hat die Stadt größtenteils Eigentumswohnungen bauen lassen. In den nächsten fünf Jahren werden sich die Fraktionen dafür einsetzen, dass auch der soziale Wohnungsbau weitergeführt wird. Auch die Linken-Politikerin Jansen sieht dies genauso. Sie wirbt dafür, dass sich auch Studenten in der Kommunalpolitik einsetzen sollten. „In den einzelnen Parteien der Bürgerschaft gibt es zu wenig junge Leute, die vielleicht auch das ganze Geschehen in der Bürgerschaft umkrempeln könnten. Im Durchschnitt sitzen dort ja immer noch die Älteren.“ Jansen hält es auch für wichtig für Lübeck, dass es viele Studenten gibt. Sie ist noch immer beeindruckt von der „Lübeck kämpft“-Aktion im Sommer 2010. Auch die Frage nach Arbeitsplätzen ist für Studenten interessant. Einmal während des Studiums, aber auch danach. „Wir als CDU sind in dieser Hinsicht auch sehr bestrebt, dass wir hier in Lübeck auch bezahlte Arbeitsplätze schaffen“, erklärt Anette Röttger die Pläne ihrer Partei für die nächsten fünf Jahre. Die Bürgerschaft möchte Lübeck als Wissenschaftsstandort weiterhin stärken. Auch „Lübeck kämpft“ ist immer noch ein Thema für die Kommunalpolitiker. Die Kreativität und der Ideenreichtum der Studenten haben die Bürgerschaft beeindruckt. „Ich hätte gerne mehr von der Uni hier in der Stadt und vielleicht auch mehr von der Stadt in der Uni“, wirbt Grünenpolitikerin Mählenhoff für die Vernetzung von Uni und Stadt. Auch die Lübecker Schulen sollen mehr mit der Universität vernetzt sein.</p>
<p>Weitere Themen, die für Studenten relevant sind, sind wohl der Busverkehr, der ausgeweitet werden soll. Vielleicht wird es weitere Bahnstationen zusätzlich zu dem Bahnhof in St. Jürgen geben. Für Studenten mit Kind ist es wichtig, dass die Bürgerschaft sich für eine bessere und flexiblere Kinderbetreuung einsetzen will.</p>
<h3>Mehr Transparenz für Lübeck</h3>
<p>Weiterhin wird es in Lübeck um Transparenz in der Politik gehen. Die Piraten fordern bekanntermaßen schon lange eine öffentlichere Politik. Das Konzept wird auch „gläsernes Rathaus“ genannt. „Es wäre vielleicht einfacher für den Bürger, die Kommunalpolitik zu verstehen, wenn er den Politikern auch mal über die Schulter schauen könnte&#8221;, motiviert Pirat Dedow. Ein Schritt in diese Richtung ist das neue Bürger- und Ratsinformationssystem „Allris“. Das ist ein Internetportal, auf dem Informationen wie Verwaltungsvorlagen und politische Beschlüsse zur Verfügung gestellt werden. „Das sollte noch viel mehr ausgeweitet werden“, findet FDP-Kandidat Timon Kolterjahn. Einige der Parteien möchten sich dafür einsetzen, dass die Bürgerschaftssitzungen per Livestream im Internet übertragen werden. Durch Bookmarks können dann die Diskussionen über bestimmte Themengebiete findbar gemacht werden. „Von Bürgerbeteiligung halte ich sehr viel“, bestätigt auch Silke Mählenhoff (Grüne), „das finde ich sehr kostbar.“ Im Zeitalter des Internets werde man da eine Lösung finden können.</p>
<p>Dies ist auch nötig, denn der Mehrheit der Kommunalpolitiker fällt es gerade zu Wahlkampfzeiten auf, dass die Bürger nicht ausreichend informiert sind über das, was im Rathaus vorgeht. „Es kommt ja immer viel Protest, wenn es um Kürzungsgeschichten geht, wie Privatisierung oder sowas, dann gibt es immer einen großen Protest vor dem Rathaus“ sagt Antje Jansen (LINKE). „Ich höre leider in der Bevölkerung eine Verbitterung gegenüber der Politik. Ich mag mich manchmal schon gar nicht outen als Politiker, es käme häufig besser an, wenn ich Sportler wäre. Ich bitte aber alle anderen, dort mitzumachen und ihre Ideen einzubringen“, ruft Oliver Dedow von der Piratenpartei auf.</p>
<p>Die Frage ist nun, wer zieht eigentlich die Fäden in der Kommunalpolitik und wie viel Macht haben die gewählten Vertreter? „Der Souverän ist das Volk. Wir Politiker geben den Auftrag an die Verwaltung, etwas auszuarbeiten oder umzusetzen“, glaubt Silke Mählenhoff. Doch die Kandidaten, die bereits Mitglieder in der Bürgerschaft waren, sehen dies etwas anders. „Bürgerschaftsbeschlüsse werden durch die Verwaltung, möglicherweise aufgrund von Bearbeitungsvorgängen, anders mit Priorität versehen, als die Bürgerschaft sich dies wünscht.“, berichtet Jan Lindenau aus seinen Erfahrungen. Anette Röttger von der CDU sieht dies nicht ganz so eng: „Die Hauptverwaltung ist die hauptamtlich arbeitende Ebene, während die kommunalpolitische Ebene immer ehrenamtlich bleiben wird. Es ist nicht vorgesehen, dass die Kommunalpolitiker die Verwaltungsvorlagen erstellen sollen. Das würde auch nicht funktionieren.“ Auch Timon Kolterjahn von der FDP sieht die Situation kritisch: „Eigentlich müssen die gewählten Vertreter das alles beeinflussen. Mittlerweile ist der Spielraum sehr stark eingeschränkt.“ Er beschwert sich weiterhin, dass es nicht sein könne, dass die Verwaltung selbstständig entscheide und daraufhin die Politik gezwungen sei, einen Nachtragshaushalt einzureichen. „Das sind Sachen, die müssen schleunigst unterbunden werden.“ „Es gibt schon mal ein Kräftemessen zwischen Verwaltung und Politik“, sagt Jan Lindenau (SPD). „Wenn wir beispielsweise in die Finanzen mal hineinschauen wollen, wird das immer gleich boykottiert“, so Antje Jansen, die parteiübergreifend dazu aufruft, die Initiative zu ergreifen: „Der Bürgermeister steht der Verwaltung vor und der muss geknackt werden!“</p>
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		<title>Gestoppt.</title>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 09:30:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Ruge</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was bisher ein vorhersehbares Ritual war – jedes Jahr gegen Ende März, um den Jahrestag des Bombardements von Lübeck durch [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_137457" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-137457" alt="Gegendemo des Bündnisses „Wir können sie stoppen“ am 31. März 2012 am Hostentor." src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/6970373202_bb28d3aa02_o-645x483.jpg" width="645" height="483" /><p class="wp-caption-text"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><span class="media-credit"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/author/piek/">Albert Piek</a> | StudentenPACK.</span></div> Gegendemo des Bündnisses „Wir können sie stoppen“ am 31. März 2012 am Hostentor.</p></div>Was bisher ein vorhersehbares Ritual war – jedes Jahr gegen Ende März, um den Jahrestag des Bombardements von Lübeck durch alliierte Truppen, versucht die NPD eine Demo durchzuführen und das Bündnis „Wir können sie stoppen“ organisiert eine Gegendemonstration und Blockade – fiel dieses Jahr einfach aus. Dieses Jahr wurde der Aufmarsch der Rechten unerwartet abgesagt und „Wir können sie stoppen“ konnte, anstelle den Tag in Sitzblockade zu verweilen, auf den Straßen Lübecks die Siegesfeier veranstalten.</p>
<p>Ist damit also das Problem mit Nazis in Lübeck erledigt? Gallus Bischof lacht. „Schön wäre das, aber dem ist natürlich nicht so.“ Schon seit der Gründung ist Bischof beim Bündnis „Wir können sie stoppen“ aktiv. „Ich würde auch die Prognose wagen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Nazis unter irgendeinem anderen Etikett wieder marschieren.“</p>
<p>Gallus Bischof, der seit 15 Jahren in Lübeck und schon länger antifaschistisch aktiv ist, ist Psychologe, das hört man vielleicht ein bisschen wenn er die Möglichkeiten jedes Einzelnen, sich gegen Rechts einzusetzen, so beschreibt: „Ich glaube, das Basale ist, immer dann, wenn man mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit konfrontiert wird, sich das nicht einfach still anzuhören, sondern dann die Stimme zu erheben.“ Natürlich sei es auch wichtig, Propagandamaterial zu entfernen und, wenn man denn möchte, sich kontinuierlich zu engagieren. Zum Beispiel bei „Wir können sie stoppen“. Besonders wichtig sei ihm aber, dass man das Problem nicht nur auf den organisierten Neonazismus begrenzt. Bei dem Stichwort „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ fallen ihm ja auch andere Gruppen ein, die sowas vertreten.</p>
<p>Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit mag ein sperriger Begriff sein, aber ein wichtiger. Er gibt einen Sammelbegriff für Feindseligkeit gegen jegliche Gruppe, sei sie aufgrund von Geschlecht, Religion, Herkunft oder sogar Lebensumständen.</p>
<p>Über die Situation in Lübeck, nachdem die als „Trauermarsch“ angemeldete Demo der NPD und rechter Kameradschaften nicht stattfand, meint er: „Natürlich haben die Nazis dadurch, dass sie nun nicht marschieren, eine politische Niederlage kassiert und sicher werden sie dadurch auch etwas weniger in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Aber zum einen haben wir natürlich auch hier vor Ort und insbesondere auch im Umland Nazi-Strukturen und zum anderen werden die Nazis sicherlich in Zukunft bei Wahlen wieder antreten, auch wenn Sie es jetzt bei der Kommunalwahl nicht tun. Es gibt auch in Lübeck Stadtviertel, in denen regelmäßig Propaganda-Aufkleber und Propagandamaterial der Nazis zu sehen ist, es gibt neben der NPD auch Kameradschaftsstrukturen. Es gibt auch in Lübeck immer wieder Übergriffe – laut einer von uns erstellten Dokumentation ungefähr alle zwei Monate.“ Es sei also nicht die Zeit, sich zurückzulehnen.</p>
<p>„Wir können sie stoppen“, die Gruppe, die sich 2006 gegründet hat, mag den Aufmarsch gestoppt haben, doch es gibt noch genug zu tun. „Es wäre schade, diese etablierte Zusammenarbeit in diesem Bündnis aus Kirchen, Parteien, Gewerkschaften, unabhängigen antifaschistischen Initiativen, Einzelpersonen und begrüßenswerterweise seit längerem auch dem AStA aufzugeben, bloß weil die Nazis nicht marschieren“, meint Gallus Bischof. Es gebe bereits Pläne, mit Vorträgen und mit Aufklärungsarbeit an Schulen das Aufgabenspektrum des Bündnisses zu erweitern. Grundsätzlich lasse sich mit dem breiten Bündnis viel mehr erreichen als es für klassische antifaschistische Gruppen möglich sei. Langfristig vielleicht sogar eine Arbeit über das gesamte demokratische Parteienspektrum, auch wenn dies immer schwierig ist. „Es gibt da jedes Mal die Debatte, insbesondere bei Parteien aus dem bürgerlichen Spektrum, wie weit die mit politisch links stehenden Initiativen überhaupt zusammenarbeiten wollen. Da gibt es sicherlich von beiden Spektren her gewisse Animositäten. Dazu kommt das Thema ‚ziviler Ungehorsam‘.“</p>
<p>Natürlich werden auch die Nazis nicht jegliche Aktivität einstellen. Kleinere, oft unangekündigte Aktionen wird es weiterhin geben. „Unangekündigte Kleinaktionen sind sicherlich etwas, das die Nazis machen können, ohne dass man dagegen mobilisieren kann. Dazu stellt sich die Frage, ob man nicht die Nazis aufwertet, wenn man gegen solche kleinen Aktionen Widerstand organisiert“, überlegt Gallus Bischof. Nicht immer sei lauter Widerstand die richtige Strategie, aber wegignorieren lasse sich das Problem sicher nicht: „Denjenigen Leuten, die immer sagen, man solle sie einfach ignorieren, dann würde das Thema von der Bildfläche verschwinden, kann man nur raten, sich bestimmte Regionen insbesondere im östlichen Teil Deutschlands anzuschauen, in denen die Nazis als normaler Teil des Willensbildungsprozesses wahrgenommen werden. Das gibt es aber natürlich auch im Westen. Fakt ist: Wenn man sie gewähren lässt, werden sie irgendwann dreister, daher kann das nicht die Lösung sein.“</p>
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		<title>Interview mit Silke Mählenhoff (Grüne)</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 22:00:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Sannmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[StudentenPACK: Hallo Frau Mählenhoff, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen. Wie lange sind Sie denn schon in der [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-139634" alt="Silke Mählenhoff" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/Silke-Ma%CC%88hlenhoff-400x600.jpg" width="400" height="600" /><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 410px"><span class="media-credit">Silke Mählenhoff</span></div></p>
<p><b>StudentenPACK:</b> Hallo Frau Mählenhoff, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen. Wie lange sind Sie denn schon in der Politik?</p>
<p><b>Silke Mählenhoff:</b> Ich bin seit 13 Jahren, seitdem ich in Lübeck wohne, politisch aktiv. Ich arbeite im Kreis Ostholstein und bin dort noch Kreissprecherin für den Kreisverband der Grünen in Ostholstein. Da habe ich auch angefangen, aktiv Politik bei den Grünen zu machen.</p>
<p><b>PACK:</b> Waren sie bereits in der Lübecker Bürgerschaft Mitglied?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Nein, bisher war ich im Kreisverband Ostholstein organisiert. Aber weil ich in Lübeck wohne, kann ich im Kreis Ostholstein kein politisches Amt bekleiden. Das geht nur am eigenen Wohnort. Weil ich dort schon recht lange aktiv bin, habe ich mich entschlossen, jetzt auch etwas anderes zu machen. Das traf sich sehr gut mit den Lübecker Grünen, die mich fragten, ob ich für die Bürgerschaft kandidieren möchte. Das habe ich mit den Grünen in Ostholstein, zu denen ich ein sehr persönliches Verhältnis entwickelt habe, abgesprochen. Nach der Wahl werde ich in den Kreisverband Lübeck wechseln. Es war nicht mein Ziel, den ersten Listenplatz zu bekommen. Ich wollte einen sicheren Listenplatz haben, denn wenn ich schon mein Engagement in Ostholstein aufgebe, möchte ich mich hier in Lübeck auf jeden Fall weiter einbringen können. Ich möchte hier aktiv etwas machen. Der erste Listenplatz hat sich dann einfach so ergeben.</p>
<p><b>PACK:</b> Was machen sie beruflich?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Ich bin Angestellte im Kreis Ostholstein und arbeite dort in der Arbeitsvermittlung. Studiert habe ich Landschaftsgestaltung, komme also aus dem grünen Bereich, und habe schon an mehreren Orten in Deutschland gearbeitet.</p>
<p><b>PACK:</b> Ist Kommunalpolitik also ihr Hobby? Haben Sie noch Zeit für andere Aktivitäten?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Ja, ich habe noch andere Hobbys. Beispielsweise bin ich seit ungefähr zehn Jahren im „Weltladen“ ehrenamtlich im Verkauf und auch im Vorstand aktiv. Dazu kommt, dass ich zu Hause einen Garten habe. Da ich aus dem gärtnerischen Bereich komme, macht es mir sehr viel Spaß. Ich empfinde es als sehr entspannend, zwischendurch mal in der Erde herumzuwühlen.</p>
<p><b>PACK:</b> Was war ihre Motivation, in die Politik zu gehen?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Mein Engagement begann in der Bürgerinitiativbewegung und der Umweltbewegung, daran habe ich schon während meines Studiums im Umweltschutzzentrum in Hannover mit gearbeitet. Damals gründeten sich gerade die Grünen. Daraus können Sie erkennen: Das ist so 25 bis 30 Jahre her. Das habe ich alles mitgenommen: die Umweltschutzbewegung, die Anti-Atombewegung, dann die Gründung der Grünen, bei denen ich damals nicht Mitglied wurde, da ich zu der Zeit den Wohnort häufig gewechselt habe. Dazu kam auch die Bewegung „Fairer Handel – Eine Welt“, das ist meine Welt, das ist mein Hintergrund. Ich habe dann, ein bisschen als Spätzünder, hier, als ich nach Ostholstein kam, aktiv begonnen, mich in die Politik einzubringen. Zuerst auf der Parteibasis der Grünen, als Kreisschatzmeisterin und danach als Sprecherin des Kreisverbandes. Jetzt kommt dann der Wechsel nach Lübeck und in die Bürgerschaft, weil ich denke, dass ich da mitreden und auch etwas bewegen kann. Das werden keine umwerfenden und großen Dinge sein, aber es muss auch Leute geben, die sich engagieren. Nur dann haben wir ein lebendiges Gemeinwesen. Wenn es Leute gibt, die da tätig werden und sagen „Meine Zeit ist mir nicht zu schade!“</p>
<p><b>PACK:</b> Was sind Ihre Themen, wofür wollen Sie sich auf kommunaler Ebene einsetzen?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Das erklärt sich schon so ein bisschen aus meiner Geschichte. Ich werde mich für die Umwelt einsetzen und den Radverkehr. Ich habe bereits seit einigen Jahren kein Auto mehr und fahre dementsprechend mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Insofern möchte ich mich hier für Verbesserungen einsetzen. Dazu kommt auch noch der Bereich Denkmalpflege. Das ist ein sehr wichtiges Thema für Lübeck. Natürlich befasse ich mich auch mit Umweltschutz. Von der Kläranlage über die Deponie Ihlenberg bis hin zur Grünflächenpflege hier in Lübeck. Ein weiterer Aspekt ist der faire Handel. Lübeck ist „fair trade“ Stadt, da hat sich die Stadt verpflichtet, für weitere Entwicklung zu sorgen, zum Beispiel in der Beschaffung solcher Produkte. Für Sie interessant ist sicherlich das Thema Bildung.</p>
<p><b>PACK:</b> Welche Themen werden in den nächsten fünf Jahren in der Bürgerschaft diskutiert? Was sind potentielle Streitthemen?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Ein großes Thema wird immer wieder der Haushalt sein. Lübeck ist chronisch pleite. Wir werden uns stets fragen müssen, was Vorrang hat. Soll man lieber Straßen ausbauen oder Gewerbegebiete, der Hafenausbau ist auch ein Thema. Die Lübecker Schulen müssen saniert werden. Ich bin sehr dafür, dass Schüler einen vernünftigen Arbeitsplatz haben. Die Schule ist der Arbeitsplatz der Schüler, kein Arbeitnehmer würde dauerhaft an einem Arbeitsplatz arbeiten, wo die Toiletten nicht funktionieren. Insgesamt wird die Frage sein: Wo geben wir das Geld aus, wo sind Projekte geplant, wie beispielsweise in Travemünde die Waterfront.</p>
<p><b>PACK:</b> Wie stehen die Grünen zur Waterfront?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Sehr skeptisch. Es kann nicht sein, dass erst mal eine Grünfläche geopfert wird. Ich halte es für Travemünde, speziell den Priwall nicht zielführend. Der Priwall hat andere Qualitäten.</p>
<p><b>PACK:</b> Haben Sie das Gefühl, dass die Lübecker Bürger wissen, was im Rathaus passiert?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Ich glaube nicht. Vielleicht ist das aber auch manchmal besser, dass das nicht so ist. Ich war zufällig in der Bürgerschaftssitzung anwesend, in der auch die Bürger von Reecke anwesend waren, als dort die Brücke gesperrt wurde. Die Kommentare der Bürger, die oben auf der Tribüne saßen und sahen, was unten in der Bürgerschaft passierte, waren sehr ernüchternd. Ich finde es wichtig, dass die Bürgerschaft für sich ein anderes Selbstverständnis und einen anderen Umgang miteinander findet.</p>
<p><b>PACK:</b> Finden Sie, dass die Kommunalpolitik transparenter werden sollte? Sollten mehr Informationen aus dem Rathaus an den Bürger herausgegeben werden, oder sollte sich der Bürger mehr selbst informieren?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Wir brauchen ganz viel Transparenz, gerade in der Kommunalpolitik, denn die wird immer komplizierter. Wenn die Bürger da noch mitreden können, wollen und sollen, dann müssen sie gut informiert werden. Das ist eine Bringschuld der Kommune und der Politiker. Sie werden dahinein gewählt und müssen dann auch deutlich machen, was sie dort tun und warum sie das tun oder eben auch mal nicht.</p>
<p><b>PACK:</b> Wenn Sie auf der Straße mit Bürgern ins Gespräch kommen, werden Sie häufig auf Themen angesprochen, die in die Landes- oder Bundespolitik fallen?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Das kommt vor. Gerade an Wahlkampfständen sprechen einen viele Leute auf nicht kommunale Themen an. Der eine Punkt für uns ist dann, deutlich zu machen, wo dieses Thema gerade hingehört, ob das Landes- oder Bundespolitik ist. Zweitens ist es wichtig, zu sagen, dass wir uns trotzdem darum kümmern werden und dass die Grünen in Lübeck auch zu Bundes- und Landesthemen eine Meinung haben. Manchmal ist es auch sinnvoll, Kontakte zu vermitteln, damit das Anliegen weitergegeben wird und der Bürger nicht auf der Strecke bleibt.</p>
<p><b>PACK:</b> Welche kommunalen Themen sind für Studenten relevant?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Wo finde ich eine günstige Wohnung, oder?</p>
<p><b>PACK:</b> Joa.</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Hier in Lübeck haben wir einen chronischen Mangel an kleinen Wohnungen, oder größere Wohnungen, die vielleicht WG-geeignet wären, sind zu teuer. Ein weiteres Thema ist Mobilität. Wie komme ich zur Uni? Wie fahren die Busse? Wie sind die Radwege? All das sind Themen, die für Studenten relevant sind und sein werden. Oder liege ich da falsch?</p>
<p><b>PACK:</b> Nee, ich denke nicht. Was sind Ihre Ziele und die Ziele der Grünen für die nächste Legislaturperiode?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Unser erstes Ziel ist ein gutes Wahlergebnis zu bekommen, damit wir die grünen Ziele auch möglichst stark vertreten können. Die weiteren Ziele sind vor allem im Verkehrsbereich, der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Wir möchten die S-Bahn hier einführen, oder zumindest mehr Bahnhalte einrichten. Wir möchten die Radwege verbessern. Es gibt da ein umfangreiches Radwegekonzept für Lübeck, das auf keinen Fall in irgendeiner Schublade verschwinden sollte. Da sind viele gute Ideen drin, die kann man, denke ich, nach und nach umsetzen.</p>
<p>Ein ganz großer Schwerpunkt ist weiterhin die Bildung und die Schulsanierung. Da brauchen wir sowohl ein langfristiges Konzept als auch Sofortmaßnahmen, um die Schule als Arbeitsplatz für die Schüler vernünftig auszustatten. Das wird uns beschäftigen. Weiterhin wird es immer wieder Umweltthemen geben. Die Deponie Ihlenberg: Da müssen die Lübecker mitreden, wir müssen wissen, was dort passiert. Die Deponie ist kurz vor der Stadtgrenze, der Grundwasserstrom geht in Richtung Trave. Bei diesen alten Deponien, egal ob Ost oder West, da weiß man nie was da drin passiert und was dort abgeladen wurde. Das ist ein Thema für die nächsten Jahrzehnte. Wir müssen jetzt anfangen, damit die Überwachungsmaßnahmen stimmen und Lübeck muss da eine Mitsprache haben.</p>
<p>Weiterhin würde ich persönlich gerne für den Stadtteil St. Lorenz-Nord, in dem ich auch wohne, mehr erreichen. Dieser Stadtteil fristet ein wenig ein Aschenputtel-Dasein, finde ich. Man fährt dadurch zur Autobahn und der Bahnhof ist dort. Mehr weiß man da aber nicht. Ich würde gerne den Brolingplatz als Marktplatz wieder beleben. Da gibt es eine Bürgerinitiative, die versuchen da schon seit Jahren etwas zu machen.</p>
<p><b>PACK:</b> In der letzten Legislaturperiode waren viele verschiedene Fraktionen und auch parteilose Mitglieder in der Bürgerschaft vertreten. Halten Sie diese Entwicklung für kontraproduktiv der Entscheidungsfindung gegenüber, oder finde Sie, dass das eine gute Entwicklung ist?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Wir brauchen eine Vielfalt an Meinungen, damit nicht nur der Mainstream durchkommt. Allerdings habe ich so meine Zweifel, ob viele kleine Gruppen das, was in einer Stadt von der Größe wie Lübeck gefordert ist, wirklich leisten können.</p>
<p><b>PACK:</b> Wie viel Zeit verbringen Sie mit der Politik? Wie viel Zeit glauben Sie wird die Bürgerschaft in Anspruch nehmen?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Im Augenblick verbringe ich jeden Tag mit Politik. Es gibt keinen Tag, an dem nicht eine Veranstaltung ist, sowohl extern, als auch intern. Ich hoffe, dass das nach der Wahl ein bisschen besser wird. Je nachdem wie groß unsere Fraktion nach der Wahl ist, werden wir die Arbeit für die einzelnen Ausschüsse aufteilen. Ich denke, mit einem guten Zeitmanagement wird das zu schaffen sein.</p>
<p><b>PACK:</b> Es stellt sich bei Kommunalpolitik immer die Frage: Wer zieht die Fäden? Ist das die Verwaltung, die im Hintergrund die Fäden ziehen, oder sind das tatsächlich die gewählten Vertreter? Wie haben Sie das bis jetzt mitbekommen?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Der Souverän ist das Volk. Wir Politiker geben den Auftrag an die Verwaltung, etwas auszuarbeiten oder umzusetzen.</p>
<p><b>PACK:</b> Sie sind aber noch Vollzeit berufstätig neben der Kommunalpolitik?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Ja, klar! Das Bürgerschaftsmandat ist ehrenamtlich, da bekomme ich lediglich eine Aufwandsentschädigung.</p>
<p><b>PACK:</b> Wie schätzen Sie die Chancen der Grünen ein?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Wir erwarten um 15 Prozent. Wir stehen auch ganz gut da, der Wahlkampf fängt jetzt an, wir haben da einige Veranstaltungen, bei denen wir unsere Positionen darstellen können. Ich war auf dem Maifest, da hatten wir einen Stand und die Resonanz war sehr gut. Ich denke da können wir zuversichtlich sein.</p>
<p><b>PACK:</b> Wie stehen Sie zur Bürgerbeteiligung? Und vom Bürgerhaushalt?</p>
<p><b>Mählenhoff:</b> Von Bürgerbeteiligung halte ich sehr viel. Wir haben das in der Vergangenheit bereits durchexerziert. Beispielsweise als es um den Grünstrand in Travemünde ging. Da haben die Bürger ihr Votum abgeben können, ob der Grünstrand bebaut werden soll, oder nicht. Diese Entscheidung wird nun auch in die Bürgerschaft weiter getragen. Auch bei Projekten wie „Soziale Stadt“ in Buntekuh und Moisling werden die Bürger stark mit einbezogen. Ebenso bei dem neuen Projekt „Lübeck, die lernende Stadt“. Da war ich bei der Vorstellung des Zwischenberichtes. Was da alles an Bürgerbeteiligung und an Ideen kam! Das finde ich sehr kostbar, das sollten wir ausbauen. Ich kann mir auch sehr gut einen Bürgerhaushalt vorstellen. Aus anderen Kommunen habe ich da Gutes gehört. Ich denke, wir sollten das in Lübeck versuchen. Aber im Zeitalter des Internets wird man da eine Lösung finden können. Wir haben 200.000 Bürger, die haben alle Ideen, die sollte man auch nutzen.</p>
<p><b>PACK:</b> Ich bedanke mich sehr für das Gespräch!</p>
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		<title>Interview mit Jan Lindenau (SPD)</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 22:00:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Sannmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Jan Lindenau]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalwahl]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>

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		<description><![CDATA[StudentenPACK: Herr Lindenau, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, mit uns zu sprechen. Sie sind jetzt seit 2011 [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-139622" alt="Lindenau" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/Lindenau-399x600.jpg" width="399" height="600" /><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 409px"><span class="media-credit">Jan Lindenau</span></div></p>
<p><b>StudentenPACK:</b> Herr Lindenau, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, mit uns zu sprechen. Sie sind jetzt seit 2011 in der Bürgerschaft. Sie sind damals als Nachrücker in die Bürgerschaft eingetreten. Hat es Ihnen so gut gefallen, dass Sie nun nochmal angetreten sind?</p>
<p><b>Jan Lindenau:</b> Ich bin damals schon bei der Wahl angetreten, habe aber den Wahlkreis nicht direkt gewonnen. Die vergangenen Jahre war ich bereits Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses und seit 2010 Vorsitzender des Finanzausschusses, sodass ich automatisch immer am Thema Kommunalpolitik dran war. Das Ausscheiden einiger Personen aus der Fraktion aus privaten Gründen hat es dann erforderlich gemacht, dass ich in die Bürgerschaft nachrücke. Ja, Kommunalpolitik mitzugestalten macht mir Spaß und deshalb kandidiere ich erneut.</p>
<p><b>PACK:</b> Beruflich sind Sie bei einer Bank angestellt.</p>
<p><b>Lindenau:</b> Ja, das ist so richtig.</p>
<p><b>PACK:</b> Was waren für Sie die wichtigsten Themen der vergangenen fünf Jahre? Oder vielleicht auch der vergangenen zwei Jahre, in denen Sie nun auch dabei sind?</p>
<p><b>Lindenau:</b> Dominierend in den vergangenen Jahren war immer wieder das Thema Finanzen, sprich der städtische Haushalt. Dies war insbesondere in den letzten anderthalb Jahren ein großes Thema. Vor dem Hintergrund, dass wir einen Konsolidierungsvertrag mit dem Land Schleswig-Holstein beschlossen haben. Darüber hinaus war der Ausbau der Kinderbetreuung immer ein wichtiges Thema, auch dabei ging es darum, den Gesetzesanspruch ab diesem Sommer zu erfüllen. Da haben wir viel organisieren und beschließen müssen, um die Anzahl der Betreuungsplätze mehr als zu verdoppeln. Es soll an dieser Stelle auch noch weitergehen, somit bleibt es ein wichtiges Thema.</p>
<p>Wir haben das große Thema Busverkehr und Mobilität gehabt und die Liniennetzoptimierung, die nicht in allen Fällen optimal gelaufen ist, sodass da auch viel Nacharbeit notwendig war. Auch hier bedarf es weiterer Verbesserungen.</p>
<p>Dann hatten wir noch die beiden großen Themen in Bezug auf die städtischen Gesellschaften. Einmal der Lübecker Hafen, bei welchem der private Partner eine Kaufpreisnachzahlung tätigen sollte, und parallel ging es darum, die Arbeitnehmerrechte abzusichern. Außerdem die aktuelle Diskussion um die Stadtwerke, dabei ging es darum, ob wir die privaten Anteile zurückkaufen und damit die Stadtwerke Re-Kommunalisieren oder nicht.</p>
<p>Darüber hinaus haben wir uns viel mit der Wohnsituation beschäftigt. Unter anderem eben auch mit studentischem Wohnen. Dies waren so im Wesentlichen die Schwerpunkte in den vergangenen Jahren, die wir aus unserer Sicht zu konkreten Lösungen geführt haben. Optimierungsbedarf gibt es sicher immer noch, aber wir haben mit vielen wichtigen Weichenstellungen begonnen, die wir nun weiter fortführen wollen.</p>
<p><b>PACK:</b> Wieviel glauben Sie, wissen die Bürger über das Vorgehen im Rathaus? Glauben Sie, dass es ziemlich klar ist oder meinen Sie, dass viele gar nicht so genau Bescheid wissen, was im Rathaus passiert?</p>
<p><b>Lindenau:</b> Also ich glaube, dass es schwer zu vermitteln ist, was im Rathaus passiert, dadurch, dass nun mal nicht alles, was im Rathaus entschieden wird, jeden Abend in der Tagesschau oder den Nachrichten kommt und die Informationsmöglichkeiten doch eher begrenzt sind. Dies ist sicherlich ein Problem. Das ist auch ein Punkt, warum wir gesagt haben: Wir wollen Entscheidungen in der Bürgerschaft deutlich transparenter gestalten, unter anderem mit der Einführung des Rathausinformationssystems im Internet. Ich glaube aber, da ist weiterhin viel zu tun, beispielsweise gab es das Interesse, Einwohnerversammlungen durchzuführen. Da muss weiter nachgelegt werden. Andererseits nehme ich auch häufig wahr, dass es nicht wirklich transparent ist, wie weitreichend einige kommunale Entscheidungen aus dem Rathaus sein können. Ich glaube, da sind alle aufgefordert, für mehr Transparenz zu sorgen.</p>
<p><b>PACK:</b> Manchmal fragt man sich doch, welches Thema nun Kommunalpolitik, Landespolitik oder sogar Bundespolitik ist. Werden Sie häufig auf Themen angesprochen, bei denen Sie eigentlich gar nichts machen können?</p>
<p><b>Lindenau:</b> Ja, das kommt schon häufiger vor. Das liegt daran, dass vieles, was auf kommunaler Ebene geregelt wird, eben auch auf Landesebene gesetzlich verankert ist. Gerade wenn man das Thema Bildung und Schule betrachtet, kommen da sehr viele Anfragen, die wir faktisch nur sehr begrenzt lösen können. In der Form, dass wir als Stadt nur die Infrastruktur, also die Gebäude und Ausstattung zur Verfügung stellen, dafür aber inhaltlich nur wenig machen können, da dies Landesthemen sind. Dies ist ein Themenfeld, bei dem viele Anfragen an uns herangetragen werden, wir aber wenig mitentscheiden können.</p>
<p>Das gleiche ist die Frage der Steuergesetzgebung. Die Kommune selber kann nur an zwei Ecken etwas tun. Das ist zum einen das Thema Gewerbesteuer und zum anderen das Thema Fremdenverkehrsabgabe. Alle anderen Steuerarten sind durch die Kommunen in keiner Weise zu beeinflussen und auch das ist ein riesiges Problem, weil wir unter diesen Gesichtspunkten von der Finanzmittelzuweisung des Landes und des Bundes in vielen Fragen abhängig sind und dann schauen müssen, wie wir damit klarkommen. Auch das sind Themen, die wir wenig oder fast gar nicht steuern können.</p>
<p>Hier kommen schon viele Fragen zu uns, die wir dann aber auch weiterreichen. Dafür haben wir unsere Land- und Bundestagsabgeordneten, um bei solchen Fragen natürlich trotzdem Antworten geben können.</p>
<p><b>PACK:</b> Wieso sind Sie Kommunalpolitiker geworden? Einfach weil Sie sich dafür interessieren oder gab es einen konkreten Grund?</p>
<p><b>Lindenau:</b> Ja, es gab einen konkreten Grund. Ich mach das nun ja schon seit 16 Jahren und mein damaliger Grund zu Schulzeiten war der Anschlag auf die Lübecker Synagoge. Ich hatte das Gefühl gehabt, dass man sich mehr einbringen muss, um die Demokratie, die Freiheit und auch das Gemeinwohl weiter zu stärken, damit es keinen Nährboden gibt für rechtsradikale Tendenzen. Dies war damals der Anlass, warum ich mich erst überparteilich und später dann parteigebunden politisch engagiert habe.</p>
<p><b>PACK:</b> Als letzte Frage würde ich gerne von Ihnen wissen, wer die Fäden in der Kommunalpolitik zieht? Sind Sie als Bürgerschaft oder die Verwaltung die treibende Kraft in der Kommunalpolitik?</p>
<p><b>Lindenau:</b> Ich glaube, dies ist themenabhängig. Aber in der Tat: Das, was Sie damit beschreiben, sehe ich genauso. Es gibt durchaus Situationen, in denen man sagen muss, Bürgerschaftsbeschlüsse werden durch die Verwaltung, möglicherweise aufgrund von Bearbeitungsvorgängen, anders mit Priorität versehen, als die Bürgerschaft sich dies wünscht. Es geht aber auch umgekehrt: Wenn die Bürgerschaft ganz klare Konsequenzen für das Verwaltungshandeln beschließt, bleibt der Verwaltung dann manchmal kein Interpretationsspielraum mehr und es entsteht Handlungsdruck. Ich glaube, dass dieses Hin und Her nicht unbedingt zielführend ist. Aber es gibt schon mal ein Kräftemessen zwischen Verwaltung und Politik. Es ist, wie schon gesagt, nicht immer zielführend, aber manchmal durchaus erhellend, wenn es darum geht, die beste Lösung zu finden. Ich glaube schon, dass in dieser Frage ein Geben und Nehmen existiert.</p>
<p><b>PACK:</b> Wie viel Zeit verbringen Sie mit Kommunalpolitik? Wie viele Tage die Woche?</p>
<p><b>Lindenau:</b> Sieben Tage die Woche. Täglich vier bis fünf Stunden.</p>
<p><b> PACK:</b> Haben sie noch andere Hobbies?</p>
<p><b>Lindenau:</b> Nein, keine wirklich zeitaufwändigen.<br />
<b>PACK:</b> Wie stehen Sie zu den vielen kleinen Wählergemeinschaften, die in der letzten Legislaturperiode in der Bürgerschaft vertreten waren? Eher kontraproduktiv oder hilfreich?</p>
<p><b>Lindenau:</b> Eher kontraproduktiv. Es konnten keine verlässlichen Mehrheiten gebildet werden, die für verantwortungsvolle Politik zwingend erforderlich sind. Ständig gibt es wechselnde Positionen bei den kleineren Wählergemeinschaften. Setzt sich ein Mitglied einer Wählervereinigung mit seiner Ansicht nicht durch, gründen sich neue Fraktionen und Wählervereinigungen. Inhaltliche Arbeit ist da schwierig. Wir brauchen mehr Verlässlichkeit.</p>
<p><b>PACK:</b> Was sind die relevanten Themen der nächsten fünf Jahre, speziell für Studenten?</p>
<p><b>Lindenau:</b> Aus unserer Sicht sind dies bezahlbarer, guter Wohnraum für Studierende, eine Verbesserung der Mobilität mit Bus und Fahrrad, eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung und attraktive Arbeitsbedingungen nach dem Studium. Hierfür setzen wir uns ein.</p>
<p><b>PACK:</b> Wie stehen Sie zum Bürgerhaushalt?</p>
<p><b>Lindenau:</b> Finanzpolitische Entscheidungen der Vergangenheit wie der Zukunft werden wir im Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern treffen. Wir wollen die Menschen stärker an den Entscheidungen mit weitreichenden Auswirkungen für die Stadt zum Beispiel durch regionale Einwohnerversammlungen beteiligen. Auch Haushaltsdiskussionen im Rahmen von Konsolidierungen wollen wir unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger diskutieren, wie zuletzt beim Bürger-Forum „Sparen für die Zukunft“ &#8211; <a href="http://foren.luebeck.de" rel="nofollow">http://foren.luebeck.de</a>. Eine direkte Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger über den gesamten städtischen Haushalt halten wir für nicht zielführend.</p>
<p><b>PACK:</b> Haben Sie vielen Dank für das Interview.</p>
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		<title>Interview mit Timon Kolterjahn (FDP)</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 22:00:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Sannmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalwahl]]></category>
		<category><![CDATA[Timon Kolterjahn]]></category>

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		<description><![CDATA[StudentenPACK: Hallo Timon, schön, dass das geklappt hat. Du bist ja noch nicht so alt und studierst noch. Welche Motivation [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-139627" alt="FDP-6490" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/FDP-6490-457x600.jpg" width="457" height="600" /><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 467px"><span class="media-credit">Timon Kolterjahn</span></div></p>
<p><strong>StudentenPACK:</strong> Hallo Timon, schön, dass das geklappt hat. Du bist ja noch nicht so alt und studierst noch. Welche Motivation steckt dahinter, dich für die Kommunalpolitik zu engagieren?</p>
<p><strong>Timon Kolterjahn:</strong> Zum einen ist Kommunalpolitik der Einstieg in die Politik, zum anderen kann man in der Kommunalpolitik am schnellsten etwas verändern und bewegen. Über den Jugendverband der FDP kann man, gerade bei der Kommunalpolitik, einen Einblick gewinnen. Wie man sieht, stehe ich schon jetzt zur Wahl, obwohl ich erst vor ein paar Jahren beigetreten bin. Gerade bei der Bürgerschaft kann man auch mal direkter sagen: &#8220;Ich möchte den Finanzplan dahingehend ändern.&#8221; oder &#8220;Ich möchte folgende Projekte mit unterstützen.&#8221; Das ist dann auch der typische Einstieg.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Möchtest du auch irgendwann mal in die Landespolitik?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Am liebsten natürlich ja, allerdings ist es erstmal Utopie, dass ich soweit komme. Es gibt viele, die das gerne möchten und wie wenige schaffen es? Außerdem studiere ich zurzeit noch und bereite mich darauf vor, Lehrer zu werden.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Seit wann bist du in der FDP engagiert?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Mitglied bei der FDP bin ich seit 2007. Wirklich engagieren tue ich mich seit zwei Jahren, da ich es vorher zeitlich nicht geschafft habe.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Was gehört für dich zu den kommunalpolitischen Themen?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Ich studiere gleichzeitig Politikwissenschaften, dementsprechend kann man es dahingehend eingrenzen, dass man klärt, was Kommunalpolitik ist. Also was in der Kommunalpolitik möglich ist. Viele möchten große Sachen verändern, wenn sie in der Kommunalpolitik tätig werden. Sie lassen dann Beschlüsse zu, die die Kommunalpolitik nicht verändern können und nichts bewirken können. Wir hatten vor zwei Jahren einen Antrag gegen die Todesstrafe. Das kann in Lübeck ausgesprochen werden, landet dann aber im Ministerium in Kiel in irgendeiner Schublade. Ich denke es ist wichtig, die Situation in Lübeck vor Ort zu ändern. Das sind zum größten Teil die Rahmenbedingungen. Bildungspolitik kann in Lübeck nicht gestaltet werden. Das wird in Kiel gemacht und ist auch so in der Verfassung festgeschrieben. Wir selber können die Rahmenbedingungen stellen, dass man sagt, die Schulen, die Wege zur Schule und alles, was den Schüler tangiert, kann beeinflusst werden. Das ist in der Wirtschaftspolitik genau so. Man kann vor Ort keine Wirtschaftspolitik betreiben. Man kann allerdings Gespräche führen und versuchen, Firmen nach Lübeck zu bekommen. Allerdings sind auch dies wieder nur Rahmenbedingungen, die man schaffen kann. So ist es mit fast allen Bereichen. Man hat nur ein relativ kleines Budget und man muss gucken, dass man damit die Rahmenbedingungen herstellt, sodass das jeweilige Politikfeld vernünftig agieren kann. Das ist in der Sozialpolitik genau so. Man kann die Familien nicht dazu zwingen, zu einem zu kommen und Hilfen an zu nehmen. Heute Vormittag war ich in Moisling und man kann die Familien dort nur ansprechen und ihnen sagen: &#8220;Wir machen etwas Vernünftiges für euch.&#8221; Oder aber man kann dort eine Einrichtung hinstellen mit qualifiziertem Personal, die die Leute ansprechen, aber auch dies sind wieder nur Rahmenbedingungen.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Bisher warst du ja noch nicht in der Bürgerschaft. Inwieweit hast du schon politische Erfahrungen gemacht?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Ich war bisher noch nicht Mitglied der Bürgerschaft, das ist richtig. Bislang bin ich stellvertretendes Mitglied im Sozialausschuss und im Schul- und Sportausschuss. Vor acht Jahren war ich Landesschülersprecher. Da habe ich versucht gegen G8, also gegen das verkürzte Abitur in Schleswig-Holstein, zu arbeiten. Allerdings haben wir das nicht so geschafft, wie wir uns das gewünscht haben. Weitere politische Erfahrungen habe ich bisher noch nicht.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Aus meiner Erfahrung und denen meiner Kommilitonen kann ich sagen, dass Zeit für außeruniversitäre Aktivitäten sehr knapp ist. Hast du neben dem Studium noch Zeit für Kommunalpolitik?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Es ist natürlich eng. Ein Vorteil als Student ist aber, dass man zu den komischsten Zeiten Zeit hat. Es ist nicht wie beim Arbeitgeber, dass man feste Zeiten hat. Und wenn dann mitten in der Woche um 14:00 Uhr Ausschusssitzung ist, dann schaue ich halt, dass ich einen anderen Kurs in der Woche belege. Aber sonst ist Kommunalpolitik wirklich ein Full-Time-Hobby. Wenn man Kommunalpolitik richtig betreibt ist es ein Halbtagsjob. Also muss ich gucken, dass ich in den Semesterferien Geld verdiene, sodass ich dann ein halbes Jahr Kommunalpolitik machen kann, weil ich es nebenbei nicht auch noch schaffe arbeiten zu gehen.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Du studierst in Lüneburg und machst Kommunalpolitik in Lübeck. Ist es nicht recht kompliziert, wenn man immer Pendeln muss? Wie schafft man das?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Ja also einfach ist es nicht, aber das meiste findet mittlerweile über Daten statt. Der Laptop ist quasi der ständige Begleiter. Die ganzen Papiere für die Ausschusssitzungen bekommt man zugeschickt. Aber das meiste ist im Internet eingestellt, wo allerdings zum Teil nur die Fraktionsmitglieder Zugriff haben. Sodass man auch die nicht-öffentlichen Bereiche der Stadtverwaltung, die es ja immer wieder gibt, einsehen kann Und man muss nur zu bestimmten Zeiten, wenn man Präsenz-Zeit hat, wirklich in Lübeck vor Ort sein. Das geht dann noch. Allerdings ist mein Herz immer in Lübeck geblieben und daher habe ich nie gesagt, ich bin dauerhaft weg.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Glaubst du, dass die Lübecker Bürger darüber Bescheid wissen, was im Lübecker Rathaus passiert?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Zu wenig glaube ich. Ich glaube die meisten sehen eher die große Politik selbst. Im letzen Jahr war ich an der Hanse-Schule und habe dort ein Praktikum gemacht und dort auch selbst in einer Politik-Klasse unterrichtet. Letztes Jahr zu den Landtagswahlen wurde ich von einer über Dreißigjährigen, die sich das erste Mal richtig mit der Wahl beschäftigt hat, angesprochen. Diese Dame wusste nicht, dass sie zwei Stimmen hat, und sie wusste nicht, dass sie bei einer Landesentscheidung nicht über Angela Merkel entscheidet. Das sind natürlich Einzelfälle, Extrema, das ist klar, aber es zeigt doch, dass sich vermehrt auf die Bundespolitik konzentriert wird. Was auch klar ist, da es jeden Abend in der Tagesschau gezeigt wird. Aber je mehr es in das kleinere geht, desto weniger wird sich damit beschäftigt. Deshalb befürchte ich, dass sich die wenigsten ausreichend mit der Kommunalpolitik beschäftigen. Das sieht man auch daran, dass viele bei ihren Wahlkampfthemen weit weg von kommunalpolitischen Themen sind. Das kann zum Teil eine Bürgerschaft gar nicht beeinflussen.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Wird man auf Wahlkampfveranstaltungen auf nicht-kommunalpolitische Themen angesprochen, an denen, wenn man in die Bürgerschaft gewählt wird, gar nichts ändern kann?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Ja. Das ist in der Regel so. Derzeit, als FDPler, wird man andauernd auf die Bundespartei angesprochen. Da kann man auch gerne drüber reden, nur müssen die Bürger auch wissen, dass das mit der Situation in Lübeck nichts zu tun hat. Im Bund herrscht vor allem eine ganz andere Situation, ob es jetzt finanziell ist oder die Basis der Entscheidungsfindung, das ist ganz anders als hier in Lübeck. Hier hat man zum Beispiel eine Vielzahl von kleineren Parteien und Wählergruppierungen, die berücksichtigt werden müssen. Außerdem ist Lübeck nicht annähernd finanziell so potent wie der Bund.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Was hältst du von den ganzen Splitterparteien? Ich habe bisher verschiedene Meinungen gehört. Die einen sagen, dass es total gut ist, da sich die Bürger einbringen können ohne, dass sie in großen Parteien sind. Die anderen halten es für kontraproduktiv, weil es die Entscheidungsfindung erschwert. Was sagst du dazu?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Von der Idee ist es natürlich nett, dass man sich dadurch an der Politik beteiligen kann. Allerdings sind die zum großen Teil vom Gerüst her aufgebaut wie eine herkömmliche Partei, wie zum Beispiel die FDP. Sie müssen sich genauso zusammen setzten und haben mittlerweile Größen erreicht, wo sie sich in größeren Gruppen zusammen setzten müssen und wo nur noch wenige es hinterher in der Bürgerschaft umsetzen. Also ist die Idee, dass man dort hin geht und durch seine Meinung direkten Einfluss hat, nicht mehr gegeben. Wobei der Witz ist, dass der Bürgermeister nicht mehr direkt gewählt wird. Da die 5%-Hürde vom Bundes-Verfassungsgericht gekippt worden ist, wird die nächste Bürgerschaft sehr kleinteilig sein. Und dabei eine Regierungsmehrheit zu finden ist schwierig. Wenn wir wirklich unsere acht oder neun Parteien in der Bürgerschaft zusammen bekommen würden, dann hätten wir hinterher so viele verschiedenen Meinungsträger, dass man sie nicht unter einen Hut bringen kann. Man sieht das schon, wie schwer es ist, bei einer Drei-Parteien-Koalition eine Entscheidung zu treffen. Noch mehr Parteien unter einen Hut zu bekommen macht Lübeck unregierbar. Eventuell wird Lübeck dann dauerhaft von einer großen Koalition regiert werden.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Welches sind die Themen, die deiner Meinung nach in den nächsten fünf Jahren wichtig werden?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Das Wichtigste ist für uns zum einen die Finanzsituation: Wir haben 1,3 Mrd. € Schulden mit einer jährlichen Neuverschuldung von rund 80 Mio. €. Einige sprechen von Spardiktaten und Sparzwängen, aber es ist nun mal so, dass eine Stadt sich die Kredite holen muss. Der Stadtkämmerer verhandelt täglich mit den Banken über die Dispo-Kredite. Es ist so, dass sich die Stadt Lübeck zurzeit zum größten Teil nur über Dispo-Kredite finanziert. Das ist so, als würde man bei seiner Bank das Girokonto dauerhaft überziehen. So agiert derzeit Lübeck. Im Dezember habe ich mit dem Kämmerer telefoniert und er meinte, dass er aus seiner langjährigen Berufserfahrung durchschnittliche Zinsen von 3-4% kennt. Lübeck hingegen zahlt derzeit Zinsen von unter 1%. Sobald der Zinssatz steigt, muss Lübeck viel mehr Geld aufnehmen, um überhaupt die Zinsen abzahlen zu können. Und das ist eine Situation, die wir aus Griechenland kennen. Sollte es so weit kommen, dann wird es auch schwer werden, jemanden zu finden, der Lübeck leiht. Sollten die Banken in eine Krise kommen, ist dieser niedrige Zinssatz nicht mehr gesichert. Dann hat Lübeck von einem auf den anderen Tag kein Geld mehr. Die nächstgrößeren Probleme sind die offensichtlichen. Die Lübecker Brücken sind marode und quasi zu Tode gespart worden. Dort muss man sehen, wie sinnvoll eine Investition ist. Wenn man einmal investiert, dann hält die Brücke relativ lang. Wenn man hingegen immer nur ein bisschen investiert, dann halten die Brücken nur kürzer und man hat mehr Geld rein gesteckt. Man sieht dies auch bei der Flickerei bei den Straßen. Wenn man immer wieder den Kaltasphalt auf die Straßen gibt, macht das zunächst die Schlaglöcher dicht, aber irgendwann besteht die Straße nur noch aus diesem Kaltasphalt. Außerdem hält der Kaltasphalt nicht lange. Dort muss man Investitionspläne aufstellen, so dass man sagt, dass man große Arbeiten machen und nicht immer nur kleinteilig die Arbeiten erledigen will, weil das nach hinten raus Geld spart. Gleiches gilt für die Bildungseinrichtungen. Zurzeit sind oft die Schultoiletten in der Diskussion. Auch hier werden oft nur kleine Maßnahmen vorgenommen, die die Situation akut verbessern, jedoch gibt es mittlerweile technisch bessere Maßnahmen, die die Lebensdauer von Toiletten stark verlängern. Ein weiterer Punkt wären die Dächer, von denen in Lübeck einige Einsturzgefährdet sind.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Welche Themen werden direkt im Rathaus besprochen, die die Studenten betreffen?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Das sind natürlich Themen um die Stiftungsuniversität. Dass Lübeck eine Universitätsstadt bleibt, davon gehen derzeit parteiübergreifend alle aus. Da besteht gar kein Zweifel mehr. Aber man will die Umsetzung der Stiftungsuniversität weiter begleiten und verfolgen, sodass die Realisierung einer Stiftungsuniversität tatsächlich umgesetzt wird. Der Vorteil daran ist, dass die Uni sich hierdurch Geld wieder requirieren kann. Und man muss hierfür natürlich die Rahmenbedingungen verbessern. Natürlich möchte jeder Student eine Studentenbude haben. Möglichst passend, möglichst vor Ort. Und Lübeck hat Bedarf daran, dass man passende Wohnräume schafft. Es sollen nicht nur Groß-WG’s sein, sondern vor allem Kleinwohnungen, die zu normalen Preisen angeboten werden. Die Verkehrsanbindung in Lübeck, vor allem die Radwege, sollen fahrradfreundlich gestaltet werden, sodass Radwege, wie der am Kanal, nicht ausschließlich als Parkstreifen benutzt werden, sondern den Fahrradfahrern zur Verfügung stehen. Auch die Innenstadt und die Zuwege müssen fahrradfreundlich gestaltet werden. Gerade bei den nächsten Umplanungen, wie zum Beispiel in Moisling, müssen Fahrradwege mit eingeplant werden. Was sich bei den breiten Straßen in Moisling ja geradezu anbietet. Die wenigsten Studenten können sich ein Auto leisten und sind daher, so wie ich auch, auf das Fahrrad angewiesen. Ich fahre auch lieber Fahrrad als Bus.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Glaubst du, das Rathaus sollte mehr Informationen über die Ausschüsse und über Entscheidungen veröffentlichen?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Über das neue Informationssystem, Allris, ist dies schon jetzt möglich. Bis auf einen kleinen Teil, der auch bei Veranstaltungen als nicht öffentlich gekennzeichnet wird, sind die Informationen verfügbar. In Lübeck ist der nicht öffentliche Teil aber sehr klein. Allerdings sind viele Informationen nicht so interessant, weil sie erst im größeren Zusammenhang etwas interessantes bewirken. Das ist dann allerdings oftmals hinter anderen Informationen versteckt. Solche Veränderungen könnte man durchaus besser kommunizieren, indem man bessere Schlagworte findet. Auf der anderen Seite bringt jeder seine Pressemitteilungen raus und durch die Stadtzeitung sind Informationen auch eigentlich gut präsent. Die LN sind natürlich auch auf ihre Auflage angewiesen und präsentieren Berichte, die sich gut verkaufen lassen, offensichtlicher. Ich würde mir aber auch wünschen, dass die Sitzungen der Bürgerschaft via Livestream gesendet werden und von den Bürgerinnen und Bürgern so verfolgt werden können.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Glaubst du, dass das von den Bürgern angenommen wird? Man kann ja jetzt auch zu den öffentlichen Teilen der Sitzungen gehen.</p>
<p><strong>Timon:</strong> Die Ausschusssitzungen sind wirklich uninteressant. Das muss man einfach so sagen. Da sind ab und zu ein paar Highlights dazwischen, wenn es gerade um ein Projekt oder eine Baumaßnahme geht. Im Bauaussschuss ist das auch häufiger. Ansonsten sind die Ausschüsse wirklich uninteressant. Die Bürgerschaftssitzungen sind dagegen sehr langatmig, da kann ich mir vorstellen, dass viele da wegschalten würden. Da wird über viele Sachen gesprochen, die in Lübeck gar nicht umsetzbar sind. Vieles ist für eine Bürgerschaft auch eigentlich gar nicht relevant. Da müsste man viel mehr differenzieren. Ich hoffe, dass da dann einige doch hängenbleiben und doch mal drauf klicken würden. Die Ränge des Bürgerschaftssaals sind ja leider begrenzt, aber gerade zu Wahlen sehr gut gefüllt. Von daher besteht schon ein gewisses Interesse. Mir fällt sonst kein direkterer Weg ein, die Politik an die Leute heranzubringen, als sie live zuschauen zu lassen. Da kann man ja schon nichts Besseres mehr bringen, außer, dass sich die Leute selbst beteiligen. Zu diesem Glück kann und will ich auch keinen zwingen. Die meisten Fraktionen machen ihre Sitzungen öffentlich. Da kann man gut mal hineinhören und mitmachen.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Ist es für die nächsten 5 Jahre euer Ziel, das zu erweitern?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Ja, das läuft ja auch gerade. Es gibt ja das Allris, das möchten wir gerne auf alle öffentlichen Dokumente erweitert haben . Es ist unser Ziel, dass das Allris wirklich ein großer Datenpool wird, in dem alle Dokumente drin sind. Das geht auch über Bauakten, für die man natürlich einen personalisierten Zugang braucht, aber gerade über das Internet gibt es da viele Möglichkeiten, das Ganze transparenter zu gestalten. Gerade jetzt durch die Wahl wird sich auch die Bürgerschaft verjüngen, durch den fünf-Jahres Rhythmus hat man ja immer einen Personalwechsel. Das ist bei uns auch der Fall und bringt immer wieder neue Ideen.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Welche Ziele möchtet Ihr als FDP in den nächsten Jahren durchsetzen?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Unsere Hauptthemen haben wir schon besprochen. Dazu möchten wir die Investitionsfreundlichkeit in Lübeck stärken. Lübeck hat eine gewisse Arroganz entwickelt. Wenn man also einen Investor hat, wird der erst sehr kritisch beäugt. Das kann Lübeck sich gar nicht leisten. Die Stadt braucht Investoren. Wenn man sich deren Konzepte nicht mal richtig anguckt, sondern von vornherein sagt „Nein, das will ich nicht, das ist keine gute Idee“ ist das kein Weg aus der Krise. Da muss sich etwas ändern. Das liegt auch an den vielen Untergesellschaften, die hier gebildet wurden. Die machen sich gegenseitig Konkurrenz und werben alle um Investoren. Das ist in Lübeck ein großer Sport geworden. Einige sagen sogar, dass dadurch verdiente Parteikollegen einen Job bekommen sollten. Es wurden in allen Bereichen ganz viele Untergesellschaften gegründet. Diese kleinen Gesellschaften arbeiten gegeneinander. Gerade im Tourismus, da sind es drei verschiedene. Jeder hat einen Geschäftsführer, der gutes Geld verdient. Das müsste man zurück fahren. Das möchten wir auch erreichen. Wir wollen das ganze zurück fahren, sodass man am Ende für jeden Bereich einen Ansprechpartner hat. Das würde enorm Geld sparen.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Meine letzte Frage: Wer macht die Politik? Sind das wirklich die Politiker oder sitzen im Hintergrund die Verwaltungsbeamten und ziehen die Fäden?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Lübeck ist sehr verwaltungslastig. Das habe ich ja gerade schon beschrieben. Teilweise schichtet die Verwaltung auch selbstständig Finanzen um, dadurch dass der Bürgermeister separat gewählt wird, haben wir einen sehr eigenständigen Verwaltungsapparat. Das ist uns schon sehr aufgefallen. Eigentlich müssen die gewählten Vertreter das alles beeinflussen. Mittlerweile ist der Spielraum sehr stark eingeschränkt. Das merkt man gerade, wenn es um den Bereich des Personalwesens geht. Da will keiner einsparen. Wir können die auch nicht dazu zwingen, denn die Entscheidungshoheit liegt wieder beim Fachabteilungsleiter. Wir können nur die Mittel allgemein kürzen, dann wird aber niemals beim Personal gespart. Das geht eher zu Lasten von anderen Bereichen. Es kann auch nicht sein, dass die Verwaltung selbstständig entscheidet und daraufhin die Politik gezwungen ist, einen Nachtragshaushalt einzureichen. Das sind Sachen, die müssen schleunigst unterbunden werden. Da muss man gegen anwirken, sonst artet das komplett aus. Nur ist das in Lübeck schwierig. Da hat sich ein Lüb’scher Klüngel entwickelt. Wir brauchen da einen direkten Wechsel in den Machtpositionen. Solange die gleichen Köpfe in der Politik bleiben, wird sich da nichts ändern.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Wie schätzt du die Chancen der FDP für diese Wahl ein?</p>
<p><strong>Timon:</strong> Wir sind derzeit mit fünf Leuten in der Bürgerschaft, das gedenken wir auch zu verteidigen. Drüber hinaus wäre sehr sportlich ambitioniert, aber ich denke, die fünf Leute zu verteidigen ist machbar. Lübeck ist auch eine ganz andere Situation, als die Bundesebene. Da gibt es einen großen Unterschied zwischen uns Lübeckern und Figuren, wie Rösler. Wir gehören zwar alle zur selben Partei, aber wenn man die Lübecker Situation betrachtet, findet man uns in den letzten Jahren nicht in der Regierung. Ich erinnere mich noch daran, als Bürgermeister Saxe im Zuge der Euro-Umstellung sich freute, dass die Stadt die Milliarde an Schulden los ist. Schwups jetzt sind wir schon wieder weit drüber hinweg.</p>
<p><strong>PACK:</strong> Vielen Dank für das Gespräch!</p>
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		<title>Interview mit Oliver Dedow (Piratenpartei)</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 22:00:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Sannmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalwahl]]></category>
		<category><![CDATA[Oliver Dedow]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[StudentenPACK: Herr Dedow, schön dass sie sich die Zeit nehmen, mit uns zu sprechen. Sie sind seit 2009 Mitglied der [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-139612" alt="Dedow" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/Dedow-433x600.jpg" width="433" height="600" /><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 443px"><span class="media-credit">Oliver Dedow</span></div></p>
<p><b>StudentenPACK:</b> Herr Dedow, schön dass sie sich die Zeit nehmen, mit uns zu sprechen. Sie sind seit 2009 Mitglied der Lübecker Bürgerschaft, da war ja gar keine Wahl, wie kamen Sie denn dennoch in die Bürgerschaft?</p>
<p><b>Oliver Dedow:</b> Beginnen wir mal am Anfang: Ich bin hier in Lübeck sehr tief verwurzelt, bin hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ich habe dann sehr lange nach einer Partei gesucht, in der ich mich politisch engagieren konnte, habe aber nie die richtige gefunden. Mich haben überall die festen Strukturen abgeschreckt. Irgendwann hat sich dann ein Bürgerverband in Form einer Wählervereinigung gegründet, die BfL (Bürger für Lübeck), dort war ich Gründungsmitglied und habe mich für die Kommunalwahl aufstellen lassen. Ich hatte damals den achten Listenplatz. Eines der gewählten Mitglieder ist dann aufgrund eines Umzuges aus der Bürgerschaft ausgeschieden, woraufhin ich nachrücken konnte. Damals war ich in der BfL-Fraktion und nicht in der Piratenpartei. Ich konnte mich recht schnell mit der Politik vertraut machen, lernte die Gepflogenheiten kennen und wurde dann bald Fraktionsvorsitzender. Vor gut einem Jahr wechselte ich dann zu der Piratenpartei, weil ich hier noch die Hoffnung habe, meine Ideen verwirklichen zu können. Selbst in der BfL kamen bald diese starren Strukturen auf. „So wird Politik schon immer gemacht“ heißt es da. Genau das möchte ich ändern. An dieser Stelle hat die Piratenpartei eine sehr gute Ausgangsposition.</p>
<p><b>PACK:</b> Was macht man eigentlich so in den fünf Jahren, für die man gewählt ist? Wie sieht der Alltag aus?</p>
<p><b>Dedow:</b> Man besucht um die acht Sitzungen im Jahr, diese müssen natürlich vor- und nachbereitet werden. Was mich allerdings ärgert, ist, dass allein die derzeit 60 Mitglieder der Bürgerschaft eine viel zu große Entscheidungsmacht in allen Dingen haben. Ich möchte lieber, dass in den Fachausschüssen, wo die kompetenten Leute sitzen, die Entscheidungen gefällt werden. Dort sollten die Leute hingeschickt werden, die Ahnung haben, denen die Fraktionen vertrauen. Dort sollte viel mehr Entscheidungskompetenz liegen, da wird die Grundlagenarbeit gemacht. Nachher in der Bürgerschaft sollten diese Sachen einfach nur noch durchgewunken werden. Eine Fraktion sollte sich in der Bürgerschaft nicht anders entscheiden, als die eigenen Leute es vorher im Ausschuss getan haben. Ich habe ja als Mitglied der Bürgerschaft zum Glück die gleichen Rechte, die auch der Bürgermeister hat. Als Bürgerschaftsmitglied kann ich in die städtischen Betriebe hineinschauen, mir berichten lassen, um Missstände aufzudecken und dann den Finger in die Wunde legen, um einfach mal nachzuhaken. Dieses passiert aber von den anderen Fraktionenen erstaunlicher Weise viel zu wenig. Momentan bin ich Einzelkämpfer, aber auch die kleineren Fraktionen in Lübeck könnten sehr gut auf Probleme hinweisen und ihre Ideen einbringen.</p>
<p><b>PACK:</b> Das ist interessant, die CDU beispielsweise hält diese Splittergruppen für kontraproduktiv, das sehen Sie ja nicht so?</p>
<p><b>Dedow:</b> Nein als kleine Fraktion, oder auch als Parteiloser habe ich die Möglichkeit, auf eben Missstände aufmerksam zu machen, und kann Ideen einbringen. Die Piraten wollen ja viel viel mehr Bürgerbeteiligung. Wir wollen den Bürgerhaushalt einführen, damit sich die Bürger einbringen können. Es ärgert mich ungemein, dass die Bevölkerung so viele Ideen hat, die zwar zu Hause oder am Stammtisch formuliert werden, die aber nicht ins Rathaus gelangen, weil es dafür keine Plattform gibt. Genau diese Plattform wollen wir erstellen. Wir wollen, dass die Bürger den Haushalt mitbestimmen können, und ihre Ideen im Rathaus ankommen. Das beinhaltet auch die Einführung von Ortsbeiräten, da soll sich dann jeder engagieren, der meint, zu einem Thema eine Meinung, Fachkompetenz oder neue Ideen zu haben. Einen qualifizierten Antrag kann jede Fraktion stellen, dann erwarte ich aber auch von den anderen Fraktionen, dass sie sich mit der Sache grundsätzlich befassen und nicht aufgrund von Fraktionszwang abstimmen.</p>
<p><b>PACK:</b> Sie sind Rechtsanwalt, bringen Sie Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen auch in die Politik ein, geht das überhaupt?</p>
<p><b>Dedow:</b> Da gebe ich eine typische Politiker-Antwort: Ja und Nein! Das Gute ist, dass ich als Jurist weiß, wie die Strukturen der Verwaltung aussehen und auch wie man entsprechend Klagen tätigen kann im Verwaltungsbereich. Ich habe den Vorteil, dass ich einfach die rechtlichen Grundlagen sehr genau kenne. Als Rechtsanwalt habe ich mich allerdings auf Straf- und Verkehrsrecht konzentriert, sodass das Verwaltungsrecht nicht ganz mein Steckenpferd ist. Das Schöne ist aber, dass ich auf Datenbanken wie „Beck-Online“ oder „Juris“ zurückgreifen kann. Da habe ich meistens eine sehr gute Informationsquelle, da kann ich die eine oder andere Frage sehr gut klären.</p>
<p><b>PACK:</b> Welche Themen sind überhaupt kommunal? Gibt es viele Themen, auf die Sie von Bürgern angesprochen werden, die keine kommunalen Themen sind?</p>
<p><b>Dedow:</b> Das passiert sehr sehr häufig, das ist ein großer Unterschied zu dem, was wir in der Kommunalpolitik leider nur leisten können. Häufig machen wir bei Themen, die unseren Bereich überschreiten sogenannte Resolutionen. Wir sagen dann einfach, dass der Bürgermeister sich auf Landes- oder Bundesebene für diese spezielle Sache einsetzen soll. Das wiederum hält die Bürgerschaft allerdings von ihrer eigentlichen Arbeit ab. Eine Resolution beinhaltet eigentlich nur, dass wir eine Erklärung oder einen Appell abgeben, weil wir uns für etwas einsetzen. In jeder Bürgerschaftssitzung verfassen wir mehrere Resolutionen.</p>
<p>Wir haben aber hier auf kommunaler Ebene schon Möglichkeiten. Insbesondere, was den Haushalt betrifft. Dieser ist zwar zu 90 Prozent vorgegeben, aber mit den letzten 10 Prozent kann man arbeiten. Gerade das ist wichtig. Was fördere ich, wie fördere ich das? Gerade was Schulen angeht, da sind wir für die Gebäude zuständig. Oder der Personennahverkehr, der liegt auch auf kommunaler Ebene. Sehr wichtig sind allerdings auch die Bauangelegenheiten. Der Bauausschuss tagt fast zwei oder drei Mal im Monat. Ich werde sehr häufig auf Angelegenheiten angesprochen, die in den Bereich Bauwesen fallen. Dazu gehören die Fahrradwege und die kommunalen Straßen. Da fallen sehr viele Themen an, da hat die Stadt auch die Möglichkeit, viele Dinge zu steuern.</p>
<p><b>PACK:</b> Was war in den letzten fünf Jahren aus Ihrer Sicht wichtig in der Lübecker Bürgerschaft?</p>
<p><b>Dedow:</b> Natürlich der Haushalt, der ist hier an allererster Stelle zu nennen. Dazu kommen auch bauliche Angelegenheiten, wie der Priwall. Travemünde ist sehr sehr wichtig, denn die Trave ist ein Zubringer für den Skandinavienkai und andere Häfen. Hier ist die Zwei-Wege-Schifffahrt nun nicht mehr möglich. Das bedeutet, es können sich keine zwei Fährschiffe in der Trave begegnen. Dafür hätte man die Trave entsprechend erweitern müssen. Da gibt es viele Themen.</p>
<p>Ein weiteres Thema ist natürlich immer der Flughafen, wo wir jetzt eine sehr gute Lösung gefunden haben. Allerdings muss man hier sagen, dass sich die Bürgerschaft leider nicht so verdient gemacht hat, sondern der externe Investor sich der Sache angenommen hat. Momentan ist dieser auf einem sehr guten Weg.</p>
<p><b>PACK:</b> Was wird in den nächsten fünf Jahren wichtig? Was sind Ihre Themen, weshalb Sie erneut kandidieren?</p>
<p><b>Dedow:</b> Wichtig ist und bleibt der Schuldensumpf. An der hohen Verschuldung von Lübeck muss etwas geändert werden. Juristisch ist es nämlich so, dass Gesellschaften und Privatpersonen eine Insolvenz eingehen können, Lübeck kann das nicht. Das ist eine rechtliche Vorgabe, vielleicht kann man da auf Bundesebene etwas ändern. Mein Ziel und das von den Piraten ist, dass mehr Informationen weitergegeben werden. Wir schreiben das dritte Jahrtausend, es gibt Internetplattformen, aber keiner kann den Haushalt vorher sehen. Warum werden die Bürgerschaftssitzungen nicht ins Internet übertragen, warum werden keine Aufnahmen gespeichert und mit entsprechenden Bookmarks zugänglich gemacht? Information ist ein ganz wichtiger Punkt, aber auch die Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen. Öffentlicher Personennahverkehr ist auch ein wichtiges Thema, wir wollen das umstrukturieren. Man liest zwar immer, dass wir ein fahrscheinloses System wollen, aber wir wollen nur eine andere Art der Finanzierung finden.</p>
<p><b>PACK:</b> Wie würde eine solche Finanzierung aussehen?</p>
<p><b>Dedow:</b> Das würde in die Richtung gehen, dass man Steuergelder hierfür verwendet oder den Kraftfahrzeugverkehr verteuert durch eine entsprechende Maut oder Parkgebühren. Die Arbeitgeber sollten etwas dazu geben, so auch die Anlieger. Auch die Orte wo man hinfährt sollen etwas dazu bezahlen, also der Einzelhandel, beispielsweise IKEA. Wenn wir das Geld, das wir für den Erhalt der Straßen ausgeben, in eine solche Lösung investieren würden, wäre das schon eine Menge. Wir wollen den Stadtverkehr ausbauen, damit es attraktiver wird. Das wäre für Umwelt und Stadt sehr erstrebenswert. Sidney, Perth, Hawaii und ander Orte haben eine derartige Lösung gefunden.</p>
<p><b>PACK:</b> Was sind die für uns Studenten relevantesten Themen?</p>
<p><b>Dedow:</b> Einerseits der Ausbau der Uni, die Umgestaltung der Uni war ja auch eine Frage. Wir wollen die Uni weiter fördern und besser in Lübeck integrieren, womit wir wieder beim Stadtverkehr wären. Wir müssen auch den Studenten eine Möglichkeit zu arbeiten geben, während des Studiums und insbesondere hinterher. Im Bereich Medizintechnik sind wir da schon sehr gut aufgestellt, aber andere Bereiche sind da noch nicht soweit. Wir wollen die guten Leute hier behalten und ihnen auch etwas bieten nach der Uni für den Start in das Berufsleben.</p>
<p><b>PACK:</b> Haben Sie persönlich das Gefühl, dass die Bürger wissen, was im Rathaus passiert?</p>
<p><b>Dedow:</b> Nein, das Gefühl habe ich überhaupt nicht. Das ist etwas, das wesentlich besser ausgebaut werden müsste. Momentan haben wir zwar das OK-Radio, das ist aber ein externer Radiosender, der etwas aus dem Rathaus überträgt. Das Rathaus selbst engagiert sich da nicht. Es gibt jetzt zwar das „ALLRIS“, das Bürger- und Ratsinformationssystem. Ich halte das allerdings nur für einen Stolperschritt in die richtige Richtung. Das muss ausgebaut werden. Wir Piraten wollen das gläserne Rathaus, damit man den Politikern ein bisschen über die Schulter gucken kann.</p>
<p><b>PACK:</b> Sind Sie sich sicher, dass ein solches Angebot angenommen wird? Die Sitzungen sind ja bereits öffentlich und da gehen selten Besucher hin.</p>
<p><b>Dedow:</b> Ich höre leider in der Bevölkerung eine Verbitterung gegenüber der Politik. Ich mag mich manchmal schon gar nicht outen als Politiker, es käme häufig besser an, wenn ich Sportler wäre. Ich bitte aber alle anderen, dort mitzumachen und ihre Ideen einzubringen. Der Politiker ist in Beliebtheitsrankings immer auf den hintersten Plätzen. Dabei ist das, was ich im Rathaus tue ein Ehrenamt, ich bereichere mich damit nicht und habe da auch sonst keine Vorteile von. Ich möchte gerne das Bild des Politikers wieder aufwerten.</p>
<p><b>PACK:</b> Wird die Politik tatsächlich von der Bürgerschaft gemacht? Oder ziehen die Mitarbeiter der Verwaltung die Fäden?</p>
<p><b>Dedow:</b> Ja leider immer noch, die Verwaltung und auch andere Leute. Das sind die politischen Machenschaften, die ich jetzt seit vier Jahren kennenlerne. Das ist eben einer der Gründe, weshalb ich Transparenz und Bürgerbeteiligung herstellen möchte. Damit auch andere Bürger oder Ortsbeiräte mitwirken können. Das ist mir sehr wichtig. Es ärgert mich, dass die Politik nicht objektiv genug ist. Viele Posten werden nach den jeweiligen Stimmmehrheiten in der Bürgerschaft und Parteizugehörigkeit der Kandidaten vergeben, nicht nach Qualifikation.</p>
<p><b>PACK:</b> Wie viel Zeit verbringen Sie mit der Kommunalpolitik?</p>
<p><b>Dedow:</b> Ich arbeite zwei Nachmittage in der Woche daran. Da gehört ja auch einiges dazu, nicht nur die Teilnahme an Sitzungen. Da ist auch viel drum herum. Man geht mal zu Bürgerverbänden, setzt sich in andere Ausschüsse oder recherchiert im Internet oder in Stadtteilen, z.B. in Travemünde. Momentan im Wahlkampf bin ich natürlich viel häufiger unterwegs.</p>
<p><b>PACK:</b> Wie schätzen sie die Chancen der Piraten ein? Werden sie Fraktion?</p>
<p><b>Dedow:</b> Ich hoffe, dass ich nicht ein Einzelkämpfer bleibe. Es würde mich sehr freuen, wenn weitere Piraten in die Bürgerschaft gewählt werden, die mit viel Enthusiasmus und Elan bei der Sache sind. Wenn wir Fraktionsstatus bekommen würden, würde das auch für uns die Sache einfacher machen, uns zu strukturieren, da wir dann ein Fraktionsbüro zur Verfügung gestellt bekommen würden und von da aus mit einem Geschäftsführer einige Angelegenheiten einfacher klären könnten.</p>
<p>Ein weitere Missstand, auf den ich hinweisen möchte, ist das Geld, das für die Fraktionen ausgegeben wird. Insgesamt wurden 770.000 Euro an die Fraktionen ausgegeben im letzten Jahr. Das ist zu viel, das sollte gekürzt werden. Die Fraktion der Piratenpartei im Landtag hat das Geld, das übrigblieb von dem erhaltenen Fraktionsgeld, an das Land zurückgegeben. Das kommt bei anderen Parteien nicht so häufig vor. Da wird lieber noch eine Ausfahrt geplant. Da muss etwas passieren.</p>
<p><b>PACK:</b> Vielen Dank für das Gespräch.</p>
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		<title>Interview mit Antje Jansen (DIE LINKE)</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 22:00:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Sannmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Antje Jansen]]></category>
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		<description><![CDATA[StudentenPACK: Frau Jansen, Sie haben für die Landtagswahl kandidiert, sind aber nicht in den Landtag gekommen. Ist das richtig? Antje [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-9494" alt="„Ich komme aus der Frauenbewegung, aus der Anti-AKW-Bewegung und auch aus der Anti-Kriegsbewegung.“" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/MdL_Antje_Jansen__1_-645x429.jpg" width="645" height="429" /></p>
<div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><span class="media-credit">LINKE SH</span></div>
<p><b>StudentenPACK:</b> Frau Jansen, Sie haben für die Landtagswahl kandidiert, sind aber nicht in den Landtag gekommen. Ist das richtig?</p>
<p><b>Antje Jansen:</b> Ja, aber wir sind nicht reingekommen.</p>
<p><b>PACK:</b> Was haben Sie seitdem gemacht? Wir haben ja zur Landtagswahl mit Ihnen gesprochen. Was ist denn seitdem passiert?</p>
<p><b>Jansen:</b> Ich war ja immer schon, trotz meines Landtagsmandates, hier Bürgerschaftsabgeordnete. Gott sei Dank sag ich da jetzt mal, dass ich das nicht niedergelegt hatte. Wenn ich in den Landtag gekommen wäre, hätte ich mein Mandat hier niedergelegt und hätte auch nicht wieder kandidiert.</p>
<p>Was habe ich gemacht? Ich habe die Kommunalpolitik weitergemacht. War ja auch klar, ich bin ja hier Fraktionsvorsitzende. Die Politik hier in der Stadt geht weiter. Beruflich habe ich Übergangsgeld bekommen. Man kriegt noch 7 Monate oder 18 Monate glaube ich Übergangsgeld. Das bekomme ich noch.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Also waren Sie hauptberuflich Politikerin?</p>
<p><b>Jansen:</b> Im Landtag ist man hauptberuflich Politiker. Hier ist es ehrenamtlich, aber im Landtag ist man hauptberuflich.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Macht Ihnen die Kommunalpolitik Spaß? Ist das schön für Sie?</p>
<p><b>Jansen:</b> Ich habe jetzt auch die Erfahrung im Landtag gemacht. Ich finde Kommunalpolitik bringt mehr Spaß, weil man da näher am Bürger ist. Hier kann man die Interessen der Bürgerinnen und Bürger hautnah vertreten. Man ist mit den Bürgerinnen und Bürgern hautnah in Kontakt. Das ist man im Landtag nicht. Da geht es mehr um größere Projekte im Landtag, dann trifft man mal einen Verein oder einen Verband, aber im Grunde genommen ist Landtagspolitik viel anonymer.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Wie soll man sich das vorstellen, wenn man in der Bürgerschaft Mitglied ist, wenn man dort gewählt ist. Was bedeutet das? Was muss man da alles tun?</p>
<p><b>Jansen:</b> Erstmal ist einmal im Monat Bürgerschaftssitzung. Die müssen wir wahrnehmen. Darin gibt es Ausschüsse. Je nach dem, in welchem Ausschuss wir sind, müssen wir das wahrnehmen. Und dann geht es ja auch darum, dass wir die Bürgerinnen und Bürger vertreten. Wir werden häufig zu Vereinen, Verbänden und Initiativen eingeladen. Dann gibt es Gespräche. Es gibt Gespräche mit Personalräten. Dann gibt es Gespräche mit Vereinen, Verbänden, und dann repräsentative Sachen. Es ist schon, wenn man es ganz ernst nimmt, und alles wahrnimmt, ehrenamtlich neben der Arbeit, sind es in der Woche bestimmt 15-20 Stunden. In meiner Freizeit.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Was machen Sie beruflich?</p>
<p><b>Jansen:</b> Ich bin Erzieherin. Ich werde ja auch wieder arbeiten. Ich bin Erzieherin und arbeite in einem Naturkindergarten.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Auch hier in Lübeck?</p>
<p><b>Jansen:</b> Hier in Lübeck, in Kücknitz.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Was waren in den letzten fünf Jahren die großen Themen in der Bürgerschaft und worüber wurde sich am meisten gestritten?</p>
<p><b>Jansen:</b> Am meisten gestritten wurde sich über die Finanzen. Ob man jetzt dem Konsolidierungskurs zustimmt, wo man kürzt, wo man spart, wo es Mehreinnahmen geben kann. Das war eines der größten Streitthemen. Das nächste Streitthema war Bau. Also der Bau auf den Wallanlagen. War ein großes Streitthema. Ein großes Streitthema war, dass wir 60.000 Euro bekommen haben für kostenlose Verhütungsmittel. Das war auch hier ein großes Streitthema, jedenfalls für die Opposition. Der Bau und Straßenverkehr, das sind immer die großen Streitthemen. Und dass wir die Bettensteuer eingeführt haben für die Hoteliers, das war ein großes Streitthema.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Was wird jetzt in den nächsten fünf Jahren wichtig sein, also für die nächste Legislaturperiode?</p>
<p><b>Jansen:</b> Mit Sicherheit den Konsolidierungskurs zu bestimmen. Also sie müssen jetzt wieder weiter kürzen. Ich denke mir, dass Finanzen noch eine der wichtigsten Fragen bis 2015 sein werden, weil da die nächsten Kürzungsprojekte anstehen in den nächsten Haushalten. Das wird ein großes Thema werden. Ein großes Thema wird auch sein, dass wir Lübeck als soziale Stadt erhalten.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Wären Sie dafür, dass die Bürger den Haushalt mitbestimmen dürfen?</p>
<p><b>Jansen:</b> Also wir haben vor fünf Jahren einen Bürgerhaushalt gefordert. Wir fordern ihn immer noch. Wir haben auch einen Antrag hier in die Bürgerschaft reingetragen. Diesen Antrag in der Bürgerschaft, ein Konzept für einen Bürgerhaushalt zu erstellen, haben wir auch bekommen, aber aufgrund der ganzen Kosten hat die Mehrheit der Bürgerschaft dies abgelehnt. Wir sind immer noch für einen Bürgerhaushalt. Ich finde das immer noch sinnvoll. Man hat ja auch gesehen, dass Bürgerinnen und Bürger hier Vorschläge gemacht haben für den Haushalt, die dann hinterher im Finanzausschuss debattiert wurden, die aber gar nicht ernstgenommen wurden. Es gibt schon andere Kommunen, die bereits Bürgerhaushalte haben. Und dann müsste man hier Stadtteilkonferenzen machen, man müsste das ganz anders aufziehen, als zu sagen liebe Bürgerinnen und Bürger, über Internet dürft ihr jetzt ein paar Vorschläge machen und die Vorschläge werden dann hinterher von uns mal angeschaut oder abgestimmt. Das ist keine Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Ich hoffe, dass wir es in der nächsten Legislaturperiode schaffen, wenn auch die Piraten mit hineinkommen, dass wir dann eine größere, stärkere Macht sind und den Bürgerhaushalt durchsetzen können.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Haben Sie das Gefühl, dass die Bevölkerung weiß, was im Rathaus passiert?</p>
<p><b>Jansen:</b> Diejenigen, die Zeitung lesen, diejenigen, die das über Internet oder den offenen Kanal verfolgen. Aber ich glaube, der Rest der Bürgerinnen und Bürger bekommt es gar nicht mit, was im Rathaus los ist. Die Ausschüsse sind ja öffentlich, aber so viel Publikum kommt da gar nicht. Die Bürgerschaftssitzungen sind auch öffentlich, aber dann kann man da oben sitzen und zuhören und sich nicht beteiligen. Ich denke mir auch, es kommt ja immer sehr viel Protest, wenn es um Kürzungsgeschichten geht, wie Privatisierung oder sowas, dann gibt es immer einen großen Protest vor dem Rathaus. Oder als die Feuerwehrleute einen höheren Etat wollten. Dann kriegt man das ein bisschen mit. Wenn jetzt irgendwo was gebaut wird oder ein Baum gefällt wird, dann kriegen die Bürgerinnen und Bürger das mit, aber ansonsten nicht. Und deshalb fordern wir auch Ortsbeiräte. Wir fordern die schon von Anfang an, da hatten wir auch einen Antrag in der Bürgerschaft. Ich bin zum Beispiel Kielerin, ich weiß, wie das ist. Ich komm aus Kiel und da gibt es ja schon immer Ortsbeiräte und ich weiß, dass durch die Ortsbeiräte in den einzelnen Stadtteilen die Bürgerinnen und Bürger mit einbezogen werden. Ich denke mir, dann erst werden die Bürgerinnen und Bürger auch mitkriegen, was in der Bürgerschaft los ist.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Wie viel Entscheidungskompetenz würde so ein Ortsbeirat haben?</p>
<p><b>Jansen:</b> Die Bürgerschaft müsste das entscheiden. Ein Ortsbeirat kostet ja auch Geld, ca. 220.000 Euro im Jahr. Für alle Ortsbeiräte, nicht nur für Travemünde, aber für Demokratie muss man auch Geld ausgeben. Man merkt auch, der Schulgarten soll verkauft werden, privatisiert werden und schwupps kommen Bürgerinnen und Bürger und sammeln Unterschriften. Oder mit der Brücke Reecke: Es gibt Proteste. Wenn es Proteste gibt, dann reagiert die Politik erst und ich denke mir, wenn man die Bürgerinnen und Bürger mehr beteiligt, dass man dann auch mehr Transparenz und Bürgernähe hat.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> In der letzten Legislaturperiode waren glaube ich zehn verschiedene Fraktionen in der Bürgerschaft. Haben Sie das Gefühl, dass dies kontraproduktiv für die Entscheidungsfindung war oder dass dadurch mehr Meinungen auftreten konnten?</p>
<p><b>Jansen:</b> In der Öffentlichkeit wird dies ja immer als sehr negativ beurteilt. Wir haben aber keine Fünfprozenthürde mehr. Weil wir keine Fünfprozenthürde mehr haben, und das finde ich auch gut so, kommen natürlich auch mehr Bürgerinnen und Bürger, die sich politisch engagieren wollen. Man kann ja nur eine Partei oder Wählergemeinschaft gründen, um überhaupt hier hereinzukommen. Ich finde das eigentlich ganz gut, dass nicht die großen Volksparteien, die immer schon hier drin gewesen sind, dass die immer die Platzhirsche sind und wieder reingewählt werden und kein anderer hat eine Chance hereingewählt zu werden. Das hat auch ein Stück Demokratieverständnis, wenn eine Wählergemeinschaft sagt, mir gefällt die Politik der CDU nicht, das ist uns zu mittelständisch, zu rechtslastig oder zu bürgerlich. Wir würden den Mittelweg finden, sind aber bei den Linken oder Grünen oder der SPD auch nicht so richtig aufgehoben. Das finde ich eigentlich ganz gut. Eigentlich, muss ich jetzt mal sagen, hat das auch gar nicht gestört. Ich finde, dadurch ist das Parlament auch ein bisschen lebendiger geworden. Ich war ja auch schon einmal für die Grünen in der Bürgerschaft. Da saßen nur CDU, SPD und die Grünen in der Bürgerschaft, drei Parteien. Da war das natürlich alles wesentlich schneller abgehandelt. Da gab es nicht so einen großen Meinungsaustausch. Die Alteingesessenen meinen immer, dann müsste es immer die Mehrheiten geben und dann müsste man immer eine feste Kooperation machen, die haben wir hier auch zweieinhalb Jahre gemacht. Aber wir sind vor fünf Jahren auch einmal angetreten mit wechselnden Mehrheiten, wie wir es jetzt bei der Sporthalle in Travemünde gemacht haben. Da gab es Mehrheiten von CDU, FDP, Wählergemeinschaften, Linken und Grünen für den Bau einer Turnhalle in Travemünde. Das hat natürlich die SPD gestört. Die haben herumgewettert, weil sie nicht diejenigen waren, die entschieden haben, aber ich finde, wir müssen uns auch in unserem Politikverständnis ein bisschen verändern, dass auch andere, auch kleinere Wählergemeinschaften oder Einzelpersonen nachher in der Bürgerschaftssitzung ihre Meinung sagen können. Das finde ich ganz gut.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Was motiviert Sie, Politik zu machen?</p>
<p><b>Jansen:</b> Ich bin ja schon ein bisschen älter. Ich bin 63 Jahre alt. Ich habe schon seit meiner frühen Jugend Politik gemacht. Ich habe in der Friedensbewegung angefangen. Ich war in der Frauenbewegung, in der Anti-AKW-Bewegung. Da bin ich auch erst so richtig motiviert gegen Atomkraftwerke aufgetreten. Vor 30 Jahren habe ich das erste Mal richtig auf der Straße gestanden. Diese ehrenamtliche Initiativarbeit in Vereinen und Verbänden oder kleinen Vereinigungen hat mich dann auch motiviert zu sagen, man muss auch einen Schritt weitergehen. Man muss dann auch sagen, ich gehe jetzt mal in die Bürgerschaft oder in einen Ausschuss, um was mitentscheiden zu können, meine Meinung zu sagen, um auch die Gesellschaft ein bisschen zu verändern. Es bringt auch Spaß, weil man gerade in der Kommunalpolitik auch Erfolge erzielen kann. Nicht so wie im Landtag, wo ganz klar ist, die und die stimmen dafür, dann gibt es eine Regierung, das ist schon total klar, die kann man gar nicht mehr umstimmen. Höchstens in einigen Nuancen kann man da was verändern. Hier in der Kommunalpolitik kann man sich mit seinen Anträgen durchsetzen. Man kann die Richtung einer Stadt mitentscheiden. Politik beginnt vor der Haustür, da kann man entscheiden, was die Bürgerinnen und Bürger bewegt. Es bringt Spaß, da man Erfolge hat.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Also ist Politik Ihr Hobby oder haben Sie noch andere Freizeitbeschäftigungen?</p>
<p><b>Jansen:</b> Ich mache noch andere Sachen. Ich gehe gerne ins Kino. Ich habe einen großen Freundeskreis. Ich stricke und nähe gerne. Ich mache gerne Gartenarbeit. Aber die Politik, die ich ehrenamtlich in meiner Freizeit mache, frisst natürlich auch viel an eigener Freizeit. Das ist schon eine Überlegung. Man muss sich dann auch ein bisschen freischaufeln, um zu sagen, ich lass den Termin jetzt mal ausfallen und gehe ins Kino oder treffe mich mit Freunden oder ich fahre jetzt mal Fahrrad am Wochenende. Das muss man irgendwie auch hinkriegen.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre? Was würden Sie gerne erreichen?</p>
<p><b>Jansen:</b> Wir wollen erreichen, dass die Bereiche Soziales, Kultur und Bildung so erhalten bleiben wie jetzt. Dass dort keine Kürzungen stattfinden, dass es weiter entwickelt wird. Ganz wichtig ist, dass wir bezahlbaren Wohnraum bekommen. Grade auch Studentenwohnungen, also das auch für die Studierenden hier gebaut wird. Aber auch für die Menschen, die wenig Geld haben oder ein mittleres Einkommen haben, dass die sich hier auch die Mieten leisten können. Wir haben in den letzten fünf Jahren fast ausschließlich Eigentumsbau, also Luxuswohnungsbau auf den Weg gebracht und es muss unbedingt auch Wohnraum geben, der bezahlt werden kann von Menschen. Das wollen wir in den nächsten fünf Jahren erreichen. Dass Lübeck noch fahrradfreundlicher wird und weniger Autos durch die Altstadt fahren. Das alles wollen wir so grob machen.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Wenn man in die Kommunalpolitik reinschaut, dann stellt man sich immer die Frage, wer dieses Ganze leitet. Liegt das bei den Politikern oder ziehen am Ende doch die Menschen aus der Verwaltung die Fäden? Wie schätzen Sie das ein?</p>
<p><b>Jansen:</b> Ich kann jetzt auch nach den fünf Jahren sagen, dass es für uns ehrenamtliche Politiker schwer ist, die Verwaltung zu kontrollieren. Ich bin auch der Meinung, dass wir immer an unsere Grenzen stoßen, dann kommt die Verwaltung und die schlägt uns was vor und geht nicht offen mit uns um, sondern hat ihre vorgefertigten Geschichten und wir kriegen schwierig Informationen. Also grob gesagt, die Verwaltung hat hier ziemlich große Macht. Für uns ist das total schwer, das zu kontrollieren oder auch umzudrehen. Wenn wir beispielsweise in die Finanzen mal hineinschauen wollen, wird das immer gleich boykottiert. Ich finde, da muss parteiübergreifend für die nächsten fünf Jahre eine Initiative ergriffen werden, dass es einfacher wird. Gut, der Bürgermeister steht der Verwaltung vor und der muss geknackt werden. Das müsste man parteiübergreifend schaffen, dass alle Fraktionen, die in der nächsten Bürgerschaft sitzen, da an einem Strang ziehen und sagen, das wollen wir verändern. Anders geht das gar nicht. Der Bürgermeister ist jetzt von der SPD, da schützt ihn die SPD natürlich. Das ist ein großes Feld, das wir als Ehrenamtler noch beackern müssen.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Was sind die Themen, die für uns Studenten relevant sind? Weshalb wir uns vielleicht auch in der Kommunalpolitik engagieren könnten.?</p>
<p><b>Jansen:</b> Also junge Leute braucht die Kommunalpolitik. Es gibt auf jeden Fall zu wenig. In den einzelnen Parteien und auch in der Bürgerschaft gibt es zu wenig junge Leute, die vielleicht auch das ganze Geschehen in der Bürgerschaft umkrempeln könnten. Im Durchschnitt sitzen dort ja immer noch die Älteren. Speziell für die Studenten erst einmal bezahlbarer Wohnraum, aber auf der anderen Seite auch, um Lübeck nach außen zu repräsentieren, ist es wichtig, dass wir viele Studenten haben. Diese Unigeschichte, die Uni muss gerettet werden, das war ja schon etwas, was die Studenten hier auf den Weg gebracht haben und bravourös auf den Weg gebracht haben. Sie haben da ja schon gezeigt, Lübeck kämpft für seine Uni, dass die Studenten unglaublich gut selbst auch Politik machen können auf ihre Art und damit die ganze Stadt begeistern können und somit der Beschluss zurückgenommen wurde. Ich kann nur dafür plädieren, dass sich mehr Studenten in der Bürgerschaft engagieren und auch mehr in die Bürgerschaft einziehen und ein bisschen mehr die Stadt gestalten. Das können sie garantiert. Aus „Lübeck, rettet die Uni“ können wir nur lernen, wie das damals gemacht wurde. Tolle Ideen, tolle Sachen auf den Weg gebracht, kreativ gewesen und dem Minister und Ministerpräsidenten richtig die Kante gezeigt haben. Das war total klasse. Ich glaube, das brauchen wir mehr.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Wie würden Sie zu einem gläsernen Rathaus stehen? Wenn es wirklich in die Öffentlichkeit übertragen werden würde, was in den Sitzungen passiert?</p>
<p><b>Jansen:</b> Ich würde es gut finden. Das fordern ja auch die Piraten. Wir haben ja jetzt den Offenen Kanal. Die Ausschüsse müssen übertragen werden. Ich finde, es ist einen Versuch wert, dies zu machen. Man muss dann mal schauen, wie viele Menschen sich das anhören, wie viele Menschen hätten Interesse, das auf dem Computer alles nachzuvollziehen. Das wäre einen Versuch wert und wir würden es auf jeden Fall unterstützen. Ich glaube, wir müssen auch heute so werden, also transparent und offen nach außen. Wir sind zu abhängig auch von den Medien. Wenn die Lübecker Nachrichten schlecht über unsere Bürgerschaftssitzung schreibt, heißt das ja noch lange nicht, dass es schlecht gewesen ist, was wir da gemacht haben. Vielleicht können Bürgerinnen und Bürger das auch mehr mitverfolgen und sich auch mehr einmischen. Das würde ich gut finden. Es kommen ja auch Menschen zu uns die sagen, ich fühle mich durch die Verwaltung nicht richtig behandelt, könnt ihr uns unterstützen. Das machen wir ja auch. Aber es kommen so einzelne, noch wenige. Wir kriegen das dann immer nur nebenher mit. Ich würde es gut finden, wenn wir es auf den Weg bringen können, dass das gläsern wird. Die Frage ist nur, wie das machbar ist. Das kostet ja auch Geld. Aber das wäre machbar.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Werden Sie häufig auf der Straße oder bei Veranstaltungen auf Themen angesprochen, die eigentlich gar nicht in den Kommunalpolitiksektor reingehören, sondern in Richtung Landespolitik oder sogar Bundespolitik gehen?</p>
<p><b>Jansen:</b> Ja natürlich. Gerade in der Bildungspolitik ist es ganz extrem. Wir sind ja die Schulträger hier. Wir können entscheiden über das Bauwerk Schule. Wir können entscheiden, ob wir eine Gemeinschaftsschule haben wollen oder Realschulen, Regionalschulen oder Gymnasien, also die Schulart, oder wie viele Grundschulen wir haben wollen. Aber wir können nicht entscheiden, wie viele Lehrer es gibt, wie der Unterricht gestaltet wird, ob es G8 oder G9 gibt an den Gymnasien. Diese inhaltlichen Bildungsfragen können wir alle nicht entscheiden. Wir können nur über die äußere Hülle entscheiden. Da werden wir natürlich viel angesprochen. Wir können das dann in der Bürgerschaft anhand einer Resolution verabschieden, dass wir dann den Bürgermeister beauftragen, sich im Landtag oder im Bundestag für die und die Fragen einzusetzen. Aber dann schickt der Bürgermeister das an den Bundestag und dann kommt es dahin. Dann wird gesagt, sie haben es bekommen, aber sie können es nicht ändern. Das wird viel gefragt, aber die entscheidenden Fragen werden auf der Bundes- und Landesebene behandelt.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Können Sie aus Ihrer Erfahrung im Landtag sagen, ob solche Resolutionen dann wirklich beachtet werden?</p>
<p><b>Jansen:</b> Sie werden ein bisschen in den Ausschüssen diskutiert, aber im Landtag selbst eher nicht. Vielleicht macht das die jetzige Regierung. CDU und FDP haben das damals gar nicht so richtig wahrgenommen. Die haben dann gesagt, dass es den Städtetag gibt, wo die Städte und Kreistage alle organisiert sind. Und unsere Sachen besprechen wir im Städtetag, da sind die Kommunen vertreten und deshalb müssen wir nicht unbedingt, wenn Lübeck zum Beispiel sagt, wir wollen jetzt aber da und da mitreden, das finden wir nicht gut hier in Lübeck, müssen sie es nicht haben, da sie es ja vorher schon mit dem Bürgermeister besprochen haben, im Rahmen des Städtetages.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Also kann man sagen, dass die Resolutionen manchmal ins Leere gehen.</p>
<p><b>Jansen:</b> Ja. Die Kommune müsste eigentlich in ganz bestimmten Fragen auch viel bezahlen, z. B. Kindergartenaufbau, Krippenaufbau. Hier muss die Kommune die entscheidenden Sachen bezahlen, aber die Kommune kann überhaupt nicht entscheiden, was so passiert. Ich finde, die Kommune müsste in Fragen, auch von Naturschutz und Umweltschutz oder Finanzen mehr Mitspracherecht oder Macht haben. Bei Finanzen ist es ja auch so. Wenn wir den Haushalt verabschieden, dann muss die Kommunalaufsicht im Land das genehmigen. Der Haushalt wird immer nicht genehmigt, weil wir immer nicht genug gekürzt haben. Dann sagt das Land, ihr müsstet elf Millionen Euro an Investitionskosten einsparen. Das müssen wir auch machen. Da redet das Land rein, wie wir unsere Finanzen verteilen. Elf Millionen Investitionskosten heißt, dass Straßen hier nicht ausgebessert werden können, Schulen können nicht saniert werden, Schultoiletten können nicht saniert werden. Da finde ich muss die Kommune mehr Macht haben, ihre Finanzen selbst zu gestalten, selbstverantwortlich.</p>
<p><b><b>PACK</b>:</b> Würden Sie auch im Bundestag kandidieren wollen?</p>
<p><b>Jansen:</b> Ich habe kandidiert. Ich bin auf Platz fünf auf der Bundesliste. Die Linken kriegen ja höchstens ein, zwei Plätze. Wir haben jetzt zwei Bundestagskandidaten gehabt und die eine ist jetzt wiedergewählt worden. Ich bin jetzt auch schon 63 Jahre alt. Jetzt muss man auch mal ein bisschen gucken, dass Jüngere nachkommen und die Sache machen. Man kann bis 70 Politik machen, aber Lust hätte ich schon, wenn ich ein bisschen jünger wäre. Ich habe auf Platz fünf kandidiert, aber wir kriegen ja keine fünf Sitze. Wir kriegen höchstens einen, oder wenn es hochkommt, zwei rein.</p>
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		<title>Interview mit Anette Röttger (CDU)</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 22:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Sannmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Anette Röttger]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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		<description><![CDATA[StudentenPACK: Hallo Frau Röttger, es freut uns, dass dieser Termin so gut geklappt hat. Sie sind Kreisvorsitzende der CDU in [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-139601" alt="A_Röttger" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/A_Röttger-445x600.jpg" width="445" height="600" /><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 455px"><span class="media-credit">Anette Röttger</span></div></p>
<p><b>StudentenPACK:</b> Hallo Frau Röttger, es freut uns, dass dieser Termin so gut geklappt hat. Sie sind Kreisvorsitzende der CDU in Lübeck und bildungspolitische Sprecherin sowie Bürgerschaftsmitglied und in fünf Ausschüssen, verbringen Sie sehr viel Zeit mit Kommunalpolitik?</p>
<p><b>Anette Röttger:</b> Als Bürgerschaftsmitglied bin ich bildungspolitische Sprecherin der CDU und habe letzten Sommer das Amt der Kreisvorsitzenden übernommen. Dadurch verbringe ich mehr Zeit mit der Kommunalpolitik und arbeite sehr stark daran, dass die Lübecker CDU wieder ein junges und frisches Bild gewinnt. Dazu gehört auch, Menschen anzusprechen, zu aktivieren und zu begeistern für Politik, Kommunalpolitik in erster Linie. Das erfordert, wenn man diese Aufgabe ernst nimmt, auch Zeit.</p>
<p><b>PACK:</b> Was macht ein Kommunalpolitiker den ganzen Tag?</p>
<p><b>Röttger:</b> Als Mutter von drei Söhnen bewirtschafte ich hier einen landwirtschaftlichen Betrieb. Das ist meine vorrangige Aufgabe. Kommunalpolitik ist eine ehrenamtliche Aufgabe, die ich in meiner Freizeit ausübe. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für andere Freizeitaktivitäten. Man muss das also als mein Hobby bezeichnen.</p>
<p><b>PACK:</b> Wie viel Zeit nimmt die Politik in Anspruch?</p>
<p><b>Röttger:</b> Das habe ich nicht direkt aufgeschrieben, aber es fordert mich schon täglich ein. Nicht nur durch die Tätigkeiten in der Bürgerschaft, sondern auch gerade im Moment zur Vorbereitung der Kommunalwahl können Sie davon ausgehen, dass ich täglich Programmpunkte habe. Das sind dann Veranstaltungen, an denen ich teilnehme, oder einfach Arbeiten vom Schreibtisch aus. Das, was wirklich Zeit kostet, ist, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, an Veranstaltungen teilzunehmen, präsent zu sein und sich auszutauschen mit anderen.</p>
<p><b>PACK:</b> Wie kamen Sie dazu, sich für CDU und die kommunalen Themen in Lübeck zu engagieren?</p>
<p><b>Röttger:</b> Ich gehöre zu den Menschen, die sehr verwurzelt in dieser Region sind. Wir haben eine sehr große erweiterte Familie, wir sind alle hier und haben nicht das Bestreben, hier wegzuziehen. So ein landwirtschaftlicher Betrieb bindet einen sehr stark an die Region. Dann fängt man an, darüber nachzudenken und sagt sich „Ich will das hier nicht alles laufen lassen, ich will das alles etwas mit entwickeln in dieser Region.“ Ich schätze einfach diese Stadt, die mir so am Herzen liegt, und das Umfeld der Stadt, ich spreche da speziell auch vom Süden Lübecks und den Lüb’schen Dörfern. Diese zählen alle zur Stadt hinzu und brauchen auch ein Sprachrohr im Lübecker Rathaus. Ich komme aus einem langjährigen Engagement im vorpolitischen Raum. Seit vielen Jahren bin ich in den Landfrauen aktiv und habe mich dort mit Menschen getroffen und mich ausgetauscht. Dabei dachte ich immer wieder: „Das muss politisch umgesetzt werden.“ Vor wenigen Jahren wurde ich dann aufgefordert, genau dies zu tun, unsere Wünsche politisch umzusetzen und mich für die Bürgerschaft aufstellen zu lassen. Das habe ich zur letzten Kommunalwahl 2008 getan und wurde auch in die Bürgerschaft hineingewählt und habe schwerpunktmäßig das Thema „Schule und Bildung“ gewählt. Als Mutter von drei schulpflichtigen Kindern bin ich in dem ganzen Prozess auch fit bin. Ich habe sogar selbst mal an Schulen unterrichtet, da ich von Beruf Ökotrophologin bin. Das alles führte dazu, dass ich immer tiefer in diese Materie hineinwuchs und immer mehr Menschen kennenlernte und ein Engagement dafür entwickelte. Ich denke, an so etwas muss man dranbleiben und eine Kontinuität herstellen, denn das ist, was Kommunalpolitik braucht in dieser Zeit. Wir brauchen keine Splitterungen oder kurzfristigen Aktionismus. Wir brauchen den weiten Blick und im Grunde genommen die längerfristigen Perspektiven. Diese müssen auch von Personen vertreten werden, die längerfristig in dieser Region bleiben wollen.</p>
<p><b>PACK:</b> Was waren seit 2008 große Streitthemen, worüber wurde am heftigsten diskutiert?</p>
<p><b>Röttger:</b> Da gibt es definitiv einige. Wenn wir uns den Bildungsbereich nehmen, ist uns immer wieder die überraschende Schulschließung der sanierten Schule in Moisling. Das hätten wir uns so nicht gewünscht. Wir als CDU haben das auch verhindern wollen. Doch dazu ist es nicht gekommen, das haben die Mehrheitsentscheidungen anders befunden. Eine andere Geschichte ist der Flughafen. Das war ein ständiger Dauerbrenner, eine ständige In-Frage-Stellung. Heute bin ich heilfroh, dass sich ein Investor gefunden hat, der einfach an diese Region glaubt. Er ist genauso wie ich überzeugt davon, dass Lübeck eine tolle Stadt ist, dass hier Entwicklungspotential ist. Er hat eine Vision, hier etwas weiterzuentwickeln. Da können wir wirklich froh sein, dass wir das zusammen mit den Bürgern in einer Vernunftentscheidung gemeinsam mit der SPD entschieden haben. Das sind ganz markante Punkte, die auch immer wieder deutlich gemacht wurden. Eine weitere ganz fatale und traurige Entwicklung ist die immer weiter wachsende Rekordverschuldung der Stadt. Da können wir froh sein, dass es den Konsolidierungsfonds des Landes gibt, der unter Peter-Harry Carstensen eingeführt wurde, wo wir auch mit Stimmen der CDU dazu beitragen konnten, dass Lübeck an diesem Pakt teilnimmt. Weitere Punkte sind natürlich in der gesamten Schul- und Bildungsentwicklung die Schulreform auf den Weg gebracht worden. Gemeinschaftsschulen und Gymnasien entstanden sind, da es jetzt auf ein Zwei-Säulen-Programm hinauslaufen wird. Dazu muss man noch sagen, dass wir Mensen bauen konnten und Gebäude sanieren konnten aufgrund des Konjunkturpakets der Bundesregierung. Das ist wichtig, zu wissen, wo das Geld herkommt. Da ist eine ganze Menge passiert.</p>
<p><b>PACK:</b> Welche Themen sind kommunal, welche nicht? Wo liegt der entscheidende Unterschied?</p>
<p><b>Röttger:</b> Da muss man sich sicherlich ein bisschen hineindenken. Nehmen wir als Beispiel den Bildungsbereich, auf kommunaler Ebene haben wir eine reine Schulträgerpolitik zu verantworten. Wir sind zuständig für Schulgebäude, Schulsekretärinnen, bewegliche Ferientage und solche Dinge. Die Entwicklung des Bildungsganges als solches, oder Lehrer-Stellenzuweisung. Hier findet allerdings eine Durchmischung statt, weil vor Ort die Bedürfnisse formuliert werden. Da gibt es dann Ausschüsse, die die Entwicklungen begleiten. Die dritte Ebene ist die Bundesebene, die in den letzten Jahren durch Gelder die Möglichkeit gab, energetische Sanierungen durchzuführen.</p>
<p><b>PACK:</b> Werden Sie häufig von Bürgern auf gerade diese nicht-kommunalen Themen angesprochen?</p>
<p><b>Röttger:</b> Das passiert häufig, wenn man in der Breiten Straße steht. Hier vor Ort im eigenen Wahlkreis passiert das nicht so oft. Hier kommt es eher dazu, dass die Leute auf mich zukommen und mir ihre lokalen Probleme schildern. Natürlich kommt es auch häufig vor, dass ich zu dem einen oder anderen Thema nur sagen kann, dass ich das weiterleite. Damit kann ich dann aber auch helfen. Als Kreisvorsitzende der CDU bin ich auch landesweit vernetzt und im Landesvorstand. Dadurch kann ich Verbindungen herstellen.</p>
<p><b>PACK:</b> Glauben Sie, dass die Bevölkerung genau Bescheid weiß, was im Rathaus passiert?</p>
<p><b>Röttger:</b> Ja, darüber bin ich sehr traurig. Ich versuche immer, meinen Kindern zu vermitteln, dass wir in einer Demokratie leben, wir dürfen nicht in eine Zuschauermentalität, ein Geschimpfe über Politiker und Politikverdrossenheit verfallen. Man ist aufgefordert zum Mitmachen. Das Mitmachen beinhaltet für die Bürger, sich zu informieren über die Wahlprogramme der Parteien und dann auch zur Wahl zu gehen. In der letzten Wahlperiode hat die Bürgerschaft ein schlechtes Bild abgegeben, denn über ein Drittel der Bürgerschaftsmitglieder wurden ausgetauscht. Dazu haben sich die Fraktionen immer weiter zersplittert. Mittlerweile haben wir zehn verschiedene Fraktionen im Rathaus sitzen, was im Grunde zu einer Handlungsunfähigkeit geführt hat. Das war für mich ein Grund, mich definitiv einer der großen Parteien anzuschließen. Wir müssen als Fraktion eine gewisse Fraktionsstärke haben, damit Kommunalpolitik noch als Ehrenamt leistbar ist. Mit etwa zwanzig Personen kann man alle Fachbereiche abdecken, das funktioniert nicht in kleinen Gruppen von zwei bis drei Personen. Wir wollen konstruktiv nach Lösungen suchen und gemeinsam hier und da einen Kompromiss schließen. Studenten haben eine sehr gute Schulausbildung und streben einen Hochschulabschluss an, damit sind Sie Teil der qualifizierten Bevölkerung. Sie können sich nicht dieser Verantwortung entziehen und nicht wählen gehen.</p>
<p><b>PACK:</b> Welche Themen sind aus Ihrer Sicht relevant für Lübecker Studierende?</p>
<p><b>Röttger:</b> Für Sie wird es immer spannend sein: Wo und wie bekomme ich einen Arbeitsplatz? Die zweite Frage wird dann sein, ob Sie eine Familie gründen möchten. Dann drängt sich die dritte und letzte Frage auf, wo möchte ich wohnen. Kann ich den Wohnraum bezahlen und von dort aus alles erreichen? Auch die Bildungsangebote für Kinder sind da wichtig. Während des Studiums geht es eher um die Frage, wie der öffentliche Personennahverkehr läuft, wie ist die Uni ausgestattet und wie ist mein Umfeld gestaltet. Habe ich bezahlbare kulturelle Angebote, ist die Stadt attraktiv? Da hat Lübeck mit „Stadt der Wissenschaft“ und im Zuge der Absicherung der Uni einen erheblichen Schritt nach vorne getan. Dazu gehören auch Studenten, die den Kontakt zu den Schulen aufrecht erhalten. Das wird zukünftig nicht anders gehen, die Schulen müssen sich vernetzen mit den Hochschulen. Das hängt immer mit Personen und Persönlichkeiten zusammen und je besser wir das aufstellen, umso besser funktioniert das. Wir als CDU sind in dieser Hinsicht auch sehr bestrebt, dass wir hier in Lübeck auch bezahlte Arbeitsplätze schaffen. Der Standort bleibt ja immer davon abhängig, ob es Arbeitsplätze gibt. Das sind Themen, die man im Geldbeutel spürt. DA muss man Studenten auch drauf stoßen und sagen „Bringt euch ein.“</p>
<p><b>PACK:</b> Wer macht Politik? Sie oder die Verwaltung?</p>
<p><b>Röttger:</b>Die Hauptverwaltung ist die hauptamtlich arbeitende Ebene, während die kommunalpolitische Ebene immer die ehrenamtliche bleiben wird. Es ist nicht vorgesehen, dass die Kommunalpolitiker die Verwaltungsvorlagen erstellen sollen. Das würde auch nicht funktionieren. Die Verwaltung gibt die Dinge vor, aber die Politik ist durchaus durch Mehrheitsfindung in der Lage, diese Vorlagen zurückzuweisen und Änderungsanträge zu stellen, wir geben dem Ganzen die Handschrift. Deswegen sind Mehrheiten auch sehr wichtig, das verstehen die Bürger manchmal auch nicht so richtig, denn es ist ja ziemlich schwammig geworden zwischen den Parteien. Es kommt allerdings auf die Haltung an, in der CDU ist diese sehr von einem christlichen Menschenbild geprägt, da wird sparsam mit Geld umgegangen. Dies beeinflusst auch ein Verwaltungshandeln, die Verwaltung muss schon schauen, ob sie bei den von den Bürgern bestimmten Mehrheiten mit ihren Vorlagen durchkommt oder eben nicht.</p>
<p><b>PACK:</b> Wir bedanken uns für das Gespräch!</p>
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		<title>„Auf Mensur“</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Apr 2013 10:00:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Sannmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Denkt man an Burschenschaften, denkt man meistens an Schlagzeilen über nationalistisches Gedankengut oder Ausländerfeindlichkeit. Doch was hat es mit diesen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_122223" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-122223" alt="Berlin: T. Lenz und C. Hellmers (Landsmannschaft Preußen zu Berlin), W. Wawrzyniak und A. Kliesch (Landsmannschaft Brandenburg zu Berlin) nach erfolgreichem Abschluss einer Mensur" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/Mensur-645x483.jpg" width="645" height="483" /><p class="wp-caption-text"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><span class="media-credit">Landsmannschaft Preußen zu Berlin</span></div> Berlin: T. Lenz und C. Hellmers (Landsmannschaft Preußen zu Berlin), W. Wawrzyniak und A. Kliesch (Landsmannschaft Brandenburg zu Berlin) nach erfolgreichem Abschluss einer Mensur</p></div>Denkt man an Burschenschaften, denkt man meistens an Schlagzeilen über nationalistisches Gedankengut oder Ausländerfeindlichkeit. Doch was hat es mit diesen Studentenverbindungen tatsächlich auf sich? Was tun sie? Wofür stehen sie? Wie wird man aufgenommen? Was hat man davon? Diese Fragen stellte sich auch Patrick Schacht, als er auf seiner Erstsemester-Messe an der Fachhochschule den Stand der Burschenschaft Berolina-Mittweida zu Lübeck entdeckte. Er wurde eingeladen, die Burschenschaft mal zu besuchen und sich selbst ein Bild von ihr zu machen.</p>
<p>Doch was ist nun der Unterschied zwischen einer Studentenverbindung und einer Burschenschaft, was bedeutet es, wenn eine Verbindung schlagend oder fakultativ schlagend ist? „Studentenverbindung ist eigentlich ein Oberbegriff für alle Burschenschaften, Turnerschaften, Landsmannschaften, eben jede Studentenverbindung, die es gibt“, erklärt Marco Kinder. Der Elektrotechnikstudent entschied sich bereits bevor er sein Studium begann, dass er in der Burschenschaft Mitglied werden wollte. Bereits sein Vater war zu seinem Studium Mitglied in einer solchen Verbindung und pflegt noch immer die Kontakte dahin.</p>
<p>Die Burschenschaft Berolina-Mittweida zu Lübeck ist in erster Linie ein Männerverein, der unabhängig vom Studienfach Studenten aufnimmt. Zur Aufnahme braucht es kein gruseliges Ritual oder irgendwelche abstrusen Tests, es beginnt mit einer beiderseitigen Probezeit. In dieser Zeit kann der Neue sich die Burschenschaft angucken und zuschauen, was so gemacht wird, und daraus entscheiden, ob es ihm gefällt. Auch die Mitglieder der Burschenschaft können in dieser Zeit dem Neuen auf den Zahn fühlen und entscheiden, ob sie ihn in ihrer Mitte aufnehmen wollen, oder ob sie der Meinung sind, dass seine Gesinnungen nicht zu denen der Burschenschaft passen. Die Nachwuchssuche ist allerdings seit der Bologna-Reform ein Problem – durch die neuen Studiengänge und die Regelstudienzeit bleibt den meisten Studenten nicht ausreichend Zeit, sich neben der Uni, den Hobbys und dem Sport in einer Studentenverbindung zu engagieren. Diejenigen, die es doch tun, arbeiten eng mit der Fachschaft der Fachhochschule zusammen und sind auf Grillfesten und der Erstsemestermesse der Fachhochschule präsent und stellen sich vor.</p>
<p>Ist ein Student neu aufgenommen in die Burschenschaft, wird er als „Fuchs“ bezeichnet. Der Fuchs bekommt dann ein sogenanntes Fuchsenband, das er auf den offiziellen Veranstaltungen über seinem Hemd trägt. Das Fuchsenband hat bei der Berolina-Mittweida die Farben schwarz-silber-schwarz. Nach den ersten zwei Semestern ist die Fuchsenzeit vorbei und der Fuchs wird zum Burschen und bekommt das Burschenband. Dieses ist schwarz-silber-rot. Einer der Burschen hat das Amt des Fuchsmajor inne, er begleitet die Füchse in ihren ersten beiden Semestern in der Burschenschaft und hilft ihnen bei Fragen weiter. Er trägt beide Bänder, über der Brust gekreuzt.</p>
<h3>„Hoch bitte!“ – der Ablauf einer Mensur</h3>
<p>Früher waren viele Studentenverbindungen auch „Schlagende Verbindungen“. Dies liegt daran, dass in einigen Verbindungen die Mitglieder einen Fechtkampf mit einem Mitglied aus einer anderen Verbindung austragen. Dieser Kampf wird als Mensur bezeichnet. Der Ablauf einer Mensur ist in jeder Verbindung etwas anders. Wir haben bei der Landsmannschaft Preußen Berlin nachgefragt und ein paar Details zum Ablauf einer Mensur erfahren. Es fechten immer zwei so genannte Paukanten gegeneinander. Diese kommen aus verschiedenen Verbindungen und dürfen jeweils ihr eigenes Team mitbringen. Ein Team besteht aus einem Sekundanten, einem Mensurarzt, einem Testant, einem Schlepper und einem Schreiber. Zusätzlich sind noch drei weitere Bundesbrüder jeder Partei anwesend. Für den geregelten Ablauf der Mensur sorgt ein Unparteiischer, er beantwortet Fragen und trifft die Entscheidungen.</p>
<p>Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs ist es vorgeschrieben, dass die Paukanten eine Schutzausrüstung tragen. Diese besteht aus einer Schutzbrille mit Nasenblech, einer Halsbandage, einem Plaston, einem stichfesten Kettenhemd, einem Armstulp, einem Handschuh mit Ketteneinlage und einem Tiefschutz. Beim Anlegen dieser Ausrüstung wird der Paukant von seinem Team unterstützt.</p>
<p>Während der Mensur ist der Paukant ausschließlich fürs Fechten zuständig. Der Sekundant stellt unsaubere Hiebe bei der Gegenseite fest und fragt diese beim Unparteiischen an. Hierzu gibt es ein Straf-System, das dem der roten und gelben Karten im Fußball ähnelt. Wird einer der Paukanten von einem Hieb getroffen und blutet, wird der Mensurarzt gerufen. Falls die Verletzung zu schlimm ist, wird abgeführt, das bedeutet, die Partie ist an dieser Stelle zu Ende.</p>
<p>Der eigentliche Fechtkampf folgt einem geregelten Muster. Die Paukanten stehen sich im festen Abstand, das ist die eigentliche „Mensur“, gegenüber und dürfen sich von ihrer Position nicht wegbewegen. Der Schlepper hält den Fechtarm des Paukanten etwa im rechten Winkel vom Körper weg, so muss der Paukant nicht die gesamte Zeit die Klinge halten, was einerseits anstrengend für ihn wäre, andererseits ist die Sicht der Paukanten durch die Schutzbrille eingeschränkt, was eine gewisse Verletzungsgefahr birgt. Das Fechten beginnt, mit dem Komando „Hoch bitte“, das einer der Sekundanten gibt. Daraufhin wirft der Schlepper den Arm nach oben. Dann kommt vom selben Sekundanten das Komando „Auf Mensur“, der zweite Sekundant antwortet mit „Fertig“, dann gibt der erste Sekundant das Kommando „Los“ und die Paukanten beginnen zu fechten. Hat eine Seite fünf Hiebe ausgeteilt, kommt von einem der Testanten oder einem der Sekundanten ein „Halt“. Dann springen die Sekundanten zwischen die Paukanten und beenden den Gang damit. Die Schlepper nehmen wieder den Fechtarm und der Testant reinigt mit einer Desinfektionslösung die Klinge, um eventuelle Metallspäne zu beseitigen, er richtet auch die Klinge, falls sie sich beim Fechten verbogen hat. Dieser Gang wird insgesamt 30 mal wiederholt, wobei der erste und letzte Gang sogenannte „Ehrengänge“ sind. Insgesamt dauern solche Mensuren etwa eine Viertelstunde. Das Ziel einer Mensur ist nicht, den anderen zu verletzen oder zu gewinnen, sondern unverletzt zu bleiben.</p>
<p>Die Burschenschaft Berolina-Mittweida ist eine fakultativ schlagende Verbindung. Das bedeutet, jedes der Mitglieder darf die Fechtkunst erlernen, aber muss keine Mensuren schlagen. Die Lübecker Burschen werden von einem Fechtmeister, der aus einer anderen Verbindung kommt, unterrichtet. In Lübeck wurde die letzte Mensur im Jahre 1963 geschlagen. Aktuell erlernen die Hälfte der Aktiven Lübecker Burschen die Kunst des Fechtens, aber keiner von Ihnen wird in der nächsten Zeit eine Mensur schlagen. „Wir lernen das, um die Tradition zu pflegen“, erklärt Tamás Molnár.</p>
<h3>Alltag einer Studentenverbindung</h3>
<p>In einer Studentenverbindung treffen Menschen aus den unterschiedlichen Generationen aufeinander. Die jungen Aktiven werden von den „Alten Herren“ bei ihren Veranstaltungen finanziell unterstützt. Die Organisation der Veranstaltungen obliegt allerdings den Aktiven. So sollen die meistens noch sehr jungen Studenten auf das Berufsleben vorbereitet werden, indem sie wissen, wie eine Veranstaltung zu organisieren und zu finanzieren ist. Die Alten Herren unterstützen sie zwar bei schwierigen Angelegenheiten und beantworten Fragen, aber die eigentliche Verantwortung liegt auf den Schultern der Aktiven.</p>
<p>Die Burschenschaft Berolina-Mittweida ist aufgebaut wie ein normaler eingetragener Verein. Es gibt also einen 1. Vorsitzenden, einen Kassenwart und verschiedene Ämter, die unter den Burschen verteilt werden. Jedes Semester wird neu gewählt. Der erste Vorsitzende wird 1X genannt, dieses Amt wird aktuell von Marco Kinder ausgeführt. Marco sagt zwar, dass es viel Arbeit ist, aber gerade weil er das Gefühl hat, dass es ihm für seine Zukunft helfen kann, macht er es sehr gerne. Patrick Schacht ist momentan der Kassenwart der Burschenschaft. Bevor er dieses Amt antrat, hatte er sich noch nicht viel mit der Finanzierung von Veranstaltungen oder mit Buchhaltung beschäftigt. Mittlerweile versteht er sehr genau, was dahinter steckt, ein Seminar oder eine Gruppenfahrt zu organisieren und zu finanzieren. Das letzte Seminar, das die Berolina-Mittweida für ihre Aktiven organisiert haben, befasste sich mit dem Thema Rhetorik. Unter dem Titel „Reden schreiben – Reden halten“ trafen sich die Aktiven mit dem Seminarleiter auf dem Museumsschiff „Passat“ in Travemünde. Bei diesen Seminaren geht es darum, dass die Aktiven immer neue „Soft Skills“ erlernen, um für ihr Berufsleben vorbereitet zu sein. Die „Alten Herren“ unterstützen sie mit ihrer Erfahrung aus ihrem alltäglichen Berufsleben und erwarten, dass die Aktiven im Gegenzug ihr Bestes geben, interessiert und engagiert sind.</p>
<p>Jedes Semester stellen die Burschen ein festes Programm zusammen, das aus verschiedenen Veranstaltungen besteht. Zwei bis drei Mal im Semester treffen sie sich auf einem Samstagabend in ihren Räumen im Korporationshaus Lübeck zur Kneipe. Jede Woche am Donnerstagabend treffen sich die Aktiven zum Stammtisch. Da wird dann gemeinsam Essen gekocht und die anstehenden Fahrten, Seminare und Veranstaltungen geplant. Zu den Veranstaltungen zählen auch die Partys, die jedes Semester von der Burschenschaft ausgerichtet werden. Zusätzlich machen die Aktiven im Jahr acht bis zehn Fahrten, auf denen sie andere befreundete Studentenverbindungen besuchen. Diese Fahrten gehen durch ganz Deutschland. Oder die Lübecker empfangen selbst Besucher in der Hansestadt. Auf den letzten Fahrten ging es nach Schweinfurt, Nürnberg, Duisburg und Landau. „Neben dem Kennenlernen von Studenten in anderen Städten und an anderen Hochschulen, machen diese Fahrten sehr viel Spaß“, erzählt Matthias Rothe. Der Medizinstudent ist momentan einer der wenigen Studenten der Universität zu Lübeck, der in der Burschenschaft aktiv ist. „Wir arbeiten sehr eng mit den Fachschaften der Fachhochschule zusammen, an der Uni sind wir nicht ganz so präsent“, erklärt er. Zusätzlich zu den Fahrten gibt es noch einige Convente. Ein Convent ist so etwas wie eine Vereinssitzung. Bei der Burschenschaft Berolina-Mittweida wird allerdings ein Unterschied gemacht zwischen dem Generalconvent, dem Burschenconvent und dem Aktivenconvent. Beim Generalconvent sind alle Mitglieder der Burschenschaft eingeladen, während zum Burschenconvent nur die Burschen eingeladen werden. Der Aktivenconvent besteht sowohl aus den Aktiven, als auch aus den Füchsen.</p>
<div id="attachment_122230" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-122230" alt="Patrick Schacht beim Rhetorik-Seminar auf der Passat in Travemünde." src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/9-Rethorik-Seminar-auf-der-Passat-in-Travemünde-645x430.jpg" width="645" height="430" /><p class="wp-caption-text"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><span class="media-credit">Burschenschaft Berolina-Mittweida zu Lübeck</span></div> Patrick Schacht beim Rhetorik-Seminar auf der Passat in Travemünde.</p></div>
<h3>Feindseligkeiten wegen Vorurteilen</h3>
<p>Probleme mit Feindseligkeiten hatten die Burschen bis jetzt noch nicht allzu stark. „Es gibt viele, die erst mal skeptisch nachfragen. Wenn man dann aber die Zeit hat, kurz zu erklären, worum es hier eigentlich geht, legt sich die Skepsis relativ schnell“ berichtet Marco Kinder. Über Burschenschaften kursieren gerade im Internet viele Gerüchte und Berichte, die behaupten, dass in den Studentenverbindungen nationalistisches Gedankengut verbreitet wird und die Aufnahme von ausländisch stämmigen Studenten verweigert wird. Gerade die „Deutsche Burschenschaft“, einer der größten Dachverbände der Burschenschaften in Deutschland, bestimmt in der letzten Zeit die Berichterstattungen über Studentenverbindungen. Die Burschenschaften organisieren sich in solchen Dachverbänden um andere Verbindungen kennenzulernen und Besuche zu planen. Die Deutsche Burschenschaft ist der größte dieser Dachverbände. In den letzten Jahren ist die Deutsche Burschenschaft immer mehr in Verruf geraten, da einigen Mitgliedsverbindungen die Verbreitung von nationalistischen Material nachgewiesen werden konnte. Mittlerweile sind einige Burschenschaften aus der Deutschen Burschenschaft ausgetreten und distanzieren sich von diesem Verhalten.</p>
<p>„Es gibt überall schwarze Schafe, bei uns darf definitiv jeder eintreten, der es gerne möchte, er muss nur männlich sein und momentan an einer Lübecker Hochschule studieren“, betont Marco Kinder. Die Burschenschaft Berolina-Mittweida war nie Mitglied in der Deutschen Burschenschaft und wird auch kein Mitglied werden. „Momentan sind wir auf der Suche nach einem neuen Dachverband“, berichten die Burschen. Doch diese Suche gestaltet sich schwierig.</p>
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		<title>Spiel ohne Schiedsrichter</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Apr 2013 08:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annika Munko</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Frisbee]]></category>
		<category><![CDATA[Ultimate]]></category>

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		<description><![CDATA[„Frisbee? Das ist doch Hundesport!“ Mit Vorurteilen wie diesem werden Ultimate-Spieler – ja, Ultimate, „Frisbee“ ist ein geschützter Markenname und [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_122183" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-122183" alt="Lübecker Ultimate-Team beim WinterLUFT-Turnier." src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/04/WinterLUFT011212_168-645x430.jpg" width="645" height="430" /><p class="wp-caption-text"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><span class="media-credit">Peter Transfeld</span></div> Lübecker Ultimate-Team beim WinterLUFT-Turnier.</p></div>„Frisbee? Das ist doch Hundesport!“ Mit Vorurteilen wie diesem werden Ultimate-Spieler – ja, Ultimate, „Frisbee“ ist ein geschützter Markenname und kommt deswegen in der offiziellen Bezeichnung des Sports nicht vor – immer wieder konfrontiert. Dabei ist Ultimate nicht das entspannte Freestyle-Werfen einer Scheibe am Strand, das einem Laien als erstes durch den Kopf schießt.</p>
<p>Was ist Ultimate dann? Ein ziemlich laufintensiver Teamsport mit überraschend viel Taktik und einer langjährigen Spielerin zufolge „das Beste, was man einem Linkshänder erklären kann“. Denn zu erklären gibt es im Anschluss an die recht eingängigen Grundlagen, vor allem die Wurftechniken betreffend, genug.</p>
<p>Im Prinzip geht es bei Ultimate wie bei fast jedem Spiel darum, zum Schluss die meisten Punkte zu haben – bei offiziellen Spielen genau 17, bei anderen Turnieren wird häufig aus organisatorischen Gründen eine festgelegte Zeit gespielt. Weil mit der Scheibe nicht gelaufen werden darf, muss durch geschicktes Zupassen erreicht werden, dass ein Mitspieler die Scheibe in der gegnerischen Endzone fängt – das gibt einen Punkt. Die verteidigende Mannschaft versucht, genau das ohne jeden Körperkontakt zu verhindern, kommt es trotzdem zu einer das Spielgeschehen beeinflussenden Berührung, so ist diese ein Foul.</p>
<p>Angezeigt werden Fouls beim Ultimate allerdings nicht vom Schiedsrichter, sondern vom Gefoulten: Einen Schiedsrichter gibt es selbst bei Europa- oder Weltmeisterschaften nicht. In diesem Vertrauen darauf, dass niemand absichtlich die Regeln verletzt, um sich einen Vorteil zu verschaffen, liegt die Besonderheit des Ultimate. Wenn ein Spieler sich gefoult fühlt, sagt er „Foul“ und entweder sein Gegenspieler akzeptiert das und das Spiel wird an dem Ort, wo es zum Foul kam, fortgesetzt oder aber es kommt zum sogenannten „Contest“: In dem Fall wird versucht, die vorherige Spielsituation wiederherzustellen. Der Spieler, der vor dem Foul als letztes geworfen hat, bekommt die Scheibe zurück und das Spiel geht weiter. Längere Diskussionen gibt es durch diese Regelung nicht, sodass ein Schiedsrichter schlichtweg nicht benötigt wird.</p>
<p>In den USA, wo Ultimate deutlich professioneller als hier gespielt wird, sind sogenannte Observer, die das Spiel kommentieren und auch eine Schiedsrichterfunktion übernehmen, fest etabliert. Seit einer Weile wird auch in Deutschland der Einsatz solcher Spielbeobachter diskutiert, von der Mehrheit der Spieler allerdings mit Verweis auf den gerade durch die Selbstverantwortung einzigartigen „Spirit of the Game“ abgelehnt.</p>
<p>Alle über diese Grundprinzipien hinausgehenden Fragen, die sich dann beim Spielen stellen – Was hat es zu bedeuten, dass die ‚Tribüne auf‘ ist? Warum zählt mein Gegenspieler, wenn ich die Scheibe habe? Und was ist das für ein Aus, dass ein Spieler außerhalb des Spielfelds ganz legal die Scheibe fangen kann? –, lassen sich auch dabei am besten beantworten, Verwirrung zu Beginn ist vorprogrammiert. „Man braucht am Anfang Zeit um reinzukommen“, gibt Trainer Mathis Graw zu, doch die Quote derer, die Ultimate im Hochschulsport ausprobieren und dabeibleiben, kann sich sehen lassen. Wer bis zum ersten Turnier nicht die Lust verliert, kommt von der 175g schweren Plastikscheibe nur schwer wieder los: Dadurch, dass Ultimate in Deutschland noch immer kein Massensport ist und sowohl der Liga- als auch der Spaß-Spielbetrieb in Form von Wochenend-Turnieren organisiert sind, lernt man sehr schnell andere Spieler besser kennen. „Ich habe dadurch Freunde in ganz Deutschland“, sagt Alexandra Andres und erzählt begeistert weiter von den zum Turnierwochenende dazugehörenden Partys, „Teambabys“, die immer mit von der Partie sind und dem einen Turnier, bei dem Sonntagmorgen der Aufschnitt knapp wurde. Ultimate ist kein Sport für einen Abend in der Woche, Ultimate lebt man.</p>
<p>Seit diesem Monat ist die von in die USA gereisten Studenten mit nach Lübeck gebrachte Sportart auch nicht mehr nur im Hochschulsport vertreten, sondern bildet eine eigene Sparte im LBV Phönix: Die Integration in einen Verein ist nötig, um nicht nur an Spaßturnieren, sondern auch über den Deutschen Frisbeesport-Verband an offiziellen Turnieren teilnehmen zu können. Schon Anfang Mai geht es in Köln mit der Qualifikation für die Deutschen Mixed-Meisterschaften los, spätestens für das nächste Jahr peilt das Team auch die Teilnahme an der Endrunde an. Die Chancen stehen auf jeden Fall nicht schlecht, immerhin wird in Lübeck schon seit weit über zehn Jahren Ultimate gespielt und mit Malte Schierenberg trainiert sogar ein Teilnehmer der diesjährigen Strand-EM in Lübeck. An den bisherigen Trainingsmodalitäten – Basic-, Fortgeschrittenen- und Spieltraining ohne eine weitere Einteilung – soll sich zunächst durch die Eingliederung in den Verein nichts ändern.</p>
<p>Wer also Lust auf Ultimate bekommen hat, kann sich im Internet informieren (www.baltimate.de) oder gleich über den Hochschulsport reinschnuppern: Trainiert wird immer mittwochs von 19:00 bis 21:00 Uhr, die Teilnahme an Spaß-Turnieren ist ebenfalls möglich!</p>
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		<title>„kleiner Bruder des Krieges“ wird jetzt auch in Lübeck gespielt</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jan 2013 23:00:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frederike Sannmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Lacrosse]]></category>

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		<description><![CDATA[Lacrosse? Hat das was mit Kreuzen zu tun? Kann man das vielleicht essen? Oder ist das vielleicht eine dieser neuen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_93483" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-93483" title="IMG_0062" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/01/IMG_0062-645x430.jpg" alt="" width="645" height="430" /><span class="media-credit">Lübeck Waves</span></div><p class="wp-caption-text">Die Lübeck Waves nach ihrem ersten Ligaspiel in Kiel.</p></div>Lacrosse? Hat das was mit Kreuzen zu tun? Kann man das vielleicht essen? Oder ist das vielleicht eine dieser neuen komischen Musikrichtungen?</p>
<p>Nein, nein und nein.</p>
<p>Lacrosse ist eine Sportart, die von den amerikanischen Ureinwohnern als „kleiner Bruder des Krieges“ gespielt und ist noch heute neben Eishockey kanadischer Nationalsport. Die Ureinwohner spielten mit Holzschlägern und fast ohne feste Spielfeldbegrenzungen. Sie entschieden durch ihre Spiele Stammesfehden und andere Uneinigkeiten, häufig endeten diese Spiele tödlich. Als Tor diente damals ein Baum oder ein Stein. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts spielten Männer und Frauen noch nach denselben Regeln und ohne schützende Ausrüstung.</p>
<p>Bis heute haben sich die Regeln grundlegend geändert. Während die Männer zwar in ihren Bewegungen wenig eingeschränkt sind und Schutzausrüstung, wie Helme, Rippen-, Schulter und Ellenbogenschutz und Handschuhe tragen, spielen die Frauen lediglich mit Mundschutz und optional Schutzbrillen oder Handschuhen, allerdings erlauben die Regeln nur geringen Körperkontakt.</p>
<h3>Lacrosse in Deutschland</h3>
<p>In Deutschland gibt es schon sehr lange einige Lacrosse Clubs und es kommen stetig neue hinzu. In Lübeck wurden Anfang letzten Jahres die Männermannschaft „Bulwark“ und die Frauenmannschaft „Waves“ gegründet. Andrea und Martin Gruner sind beide seit mehreren Jahren begeisterte Lacrossespieler und riefen das Projekt in Lübeck ins Leben. Mit viel Herzblut und Engagement haben sie es geschafft, dass die den meisten völlig unbekannte Sportart jetzt viele Lübeckerinnen und Lübecker begeistert.</p>
<p>Nach einigen Wochen intensivem Training konnte die Teamleitung um Andrea Gruner ein erstes Freundschaftsspiel in Kiel organisieren. Für viele der Spielerinnen war es das erste Lacrossespiel überhaupt und für die meisten auch das erste Mal, dass sie eines sahen. Dementsprechend wurde viel erklärt, gezeigt und vorgeführt. Kurz vor Ende der Spielzeit, gelang es den jungen Laxern aus Lübeck dann doch noch, ein Tor zu schießen.</p>
<p>Im August bestritten die Lübecker Mannschaften ihr erstes Turnier. Der Lacrosse Club Kiel richtet in jedem Jahr das „Kieler Lacrosse Meeting“ aus, wo sich Laxer aus ganz Deutschland und sogar den Niederlanden treffen. So kam es dann auch dazu, dass die „Waves“ ihr erstes Spiel gegen ein niederländisches Team begingen. Am Abend zuvor hatten die Spielerinnen von der Torhüterin der Niederländerinnen erfahren, dass ein Großteil der Spielerinnen auch im niederländischen Lacrosse Nationalteam spielen. Die Waves ließen sich nicht entmutigen und kassierten somit ihre erste Niederlage. „Die Waves spielen schon richtig gut!“ freut sich Coach und Spielerin Andrea Gruner. „Wir freuen uns schon so richtig auf unsere Ligaspiele“.</p>
<p>Ende Oktober war es dann endlich soweit: Die Waves fuhren nach Kiel zu ihrem ersten Spiel in der 2. Bundesliga Nord. Am Ende verloren die Lübeckerinnen zwar mit 14:3 Toren, aber das störte niemanden. Die folgenden Liga Spiele gegen Hannover, Bremen und Hamburg, gingen ebenfalls zu Ungunsten der Waves aus, doch der Teamgeist der jungen Mannschaft blieb beständig. So wird sich eben über die kleinen Dinge gefreut. „Wir finden das schon super, wenn wir im Spiel den Ball mit unserem Schläger richtig fangen oder vom Boden auflesen können. Dann freuen wir uns schon; wenn mal jemand ein Tor schießt, können wir das meistens gar nicht glauben!“ erzählt Andrea Gruner weiter.</p>
<p>Die Lübecker Lacrosse Abteilung kooperiert auch mit dem Hochschulsport. Wenn man die Grundgebühr gezahlt hat, kann man in die Welt des Lacrosse hereinschnuppern und schauen, ob es einem gefällt. Die Laxer jedenfalls freuen sich über jeden Neuzugang.</p>
<p>„Man kommt viel herum in Deutschland“, erzählt Gruner weiter, „dadurch dass es nur so wenige Lacrosse Mannschaften gibt, muss man zu den Spielen auch weiter fahren. Man lernt aber auch viele Leute kennen und findet schnell Freunde, einfach weil man auf vielen Veranstaltungen die gleichen Leute trifft.“</p>
<p>Im März beginnt die Rückrunde der Liga und die Waves trainieren bereits jetzt ihre Angriffstaktiken und Verteidigungsstrategien. Drei von vier Spielen finden in Lübeck statt. Die perfekte Chance, vorbeizukommen und sich selbst ein Bild von Lacrosse zu machen. Die Spieltage und Trainingszeiten werden über die Internetseite vom TUS-Lübeck 93 e.V. (www.tus-luebeck.de) bekannt gegeben.</p>
<p>Also, kommt vorbei, geht zum Training, spielt Lacrosse!!</p>
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		<title>Aktion Weihnachtsengel</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Jan 2013 23:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annika Munko</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gremien und Gruppen]]></category>
		<category><![CDATA[Lübeck]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>

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		<description><![CDATA[Weihnachten, da tut man gerne Gutes und macht Geschenke – ihr seid der beste Beweis dafür! Bei der diesjährigen Weihnachtsengel-Aktion [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_93501" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-93501" title="13-01 W-Engel IMG_5283" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/01/13-01-W-Engel-IMG_5283-645x430.jpg" alt="" width="645" height="430" /><span class="media-credit">Lübecker Tafel e.V.</span></div><p class="wp-caption-text">Birte Stöter und Mitarbeiterinnen der Ausgabestelle Innenstadt präsentieren die Geschenke.</p></div>Weihnachten, da tut man gerne Gutes und macht Geschenke – ihr seid der beste Beweis dafür! Bei der diesjährigen Weihnachtsengel-Aktion konnten dank euch 137 Kinder aus bedürftigen Familien mit einem zusätzlichen Weihnachtsgeschenk glücklich gemacht werden, deswegen: Ein riesiges Dankeschön an all die fleißigen Weihnachtsengel, die sich auch dieses Mal wieder Gedanken gemacht haben, wie sich die vielen Wünsche realisieren lassen, auch wenn diese teilweise recht unkonkret waren oder den Preisrahmen von etwa 15 Euro sprengten.</p>
<p>Erstmals richtete sich die vom PAS (AStA-Referat für Politik, Ausland und Soziales) organisierte Aktion nicht nur an die Kinder, deren Familien bei der Ausgabestelle in der Innenstadt Lebensmittel von der Lübecker Tafel beziehen, sondern es wurde außerdem die Ausgabestelle in Moisling einbezogen. Wie schon in den vergangenen Jahren stieß die Aktion auf durchweg positive Resonanz, wenn auch nur knapp ein Drittel der formal neu erreichten Kinder aus Moisling wirklich einen Wunschzettel abgaben.</p>
<p>Eine traurige Erkenntnis war dieses Jahr, dass die Zahl der bei der Tafel registrierten Familien gestiegen ist. Erschütternd war auch, wie viele Kinder beziehungsweise Eltern sich für ihre Jüngsten Schuhe, Kleidung oder Gutscheine dafür wünschten. Doch auch diese Wünsche konnten von euch erfüllt und die Geschenke bei der Packparty im AStA, die von den ersten Einpackwütigen schon eröffnet wurde, bevor der Glühwein heiß war, verpackt werden. Am Heiligabend strahlten dann sicher 137 Kindergesichter mit den Christbaumkerzen um die Wette!</p>
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		<title>Aktion Weihnachtsengel</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Dec 2012 21:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StudentenPACK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gremien und Gruppen]]></category>
		<category><![CDATA[Lübeck]]></category>
		<category><![CDATA[Geschenke]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>

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		<description><![CDATA[Dass Weihnachten ein schöner Anlass ist, mal wieder an andere Menschen zu denken, denen es nicht so gut geht, und [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_81389" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-81389" title="Weihnachtsengel" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/12/Weihnachtsengel-645x421.jpg" alt="" width="645" height="421" /><span class="media-credit">Lübecker Tafel e.V.</span></div><p class="wp-caption-text">Fleißige Weihnachtsengel beim Aufbau der Geschenke</p></div>Dass Weihnachten ein schöner Anlass ist, mal wieder an andere Menschen zu denken, denen es nicht so gut geht, und ihnen eine Freude zu machen, ist nicht neu. Auch, dass dieser Gedanke an unserer Universität mit Aktionen wie dem Adventssingen im Krankenhaus oder der Weihnachtsengel-Aktion aufgegriffen wird, ist nicht erst seit diesem Jahr so.</p>
<p>Neu ist hierbei allerdings das Ausmaß: Bei der Weihnachtsengel-Aktion, mit der Kindern aus bedürftigen Familien ein zusätzlicher Weihnachtswunsch erfüllt wird, waren im vergangenen Jahr schon am zweiten Tag alle 62 Wunschzettel verteilt. Später kommende Interessenten konnten so keinen konkreten Wunsch mehr erfüllen, sondern stattdessen „Frei-Geschenke“ für ein selbstgewähltes Alter und Geschlecht packen. Damit dieses Jahr noch mehr Studenten, Universitätsmitarbeiter und sonstige Interessenten die Möglichkeit haben, einem Kind genau das zu schenken, was es haben möchte, wurde dieses Jahr neben der Ausgabestelle in der Innenstadt noch eine weitere in Moisling in die Aktion einbezogen, was den Kreis der erreichten Kinder deutlich erweitert hat. Sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern stieß die erstmalig in der Ausgabestelle aufgestellte „Wunschbox“, in welche die Kinder ihre Wunschzettel einwerfen konnten, auf durchweg positive Resonanz. Anfang Dezember hatten in der Ausgabestelle in Moisling mehr als 30 Kinder einen Wunsch im Wert von etwa 15 Euro aufgeschrieben und abgegeben, in der Innenstadt waren es dieses Jahr 76. Gewünscht wird dabei alles, was man sich nur vorstellen kann: Von Stiften und Schlafanzügen über Spiele und DVDs bis hin zum Skateboard war in den vergangenen Jahren schon alles dabei und auch dieses Jahr ist die Wunschliste vielfältig. Denn: Noch habt ihr die Chance, auch Weihnachtsengel zu werden! Etwa ein Drittel der über 100 Wunschzettel ist zwar schon verteilt, aber am Donnerstag, dem 6.12., und Freitag, dem 7.12., habt ihr jeweils zwischen 12 und 14 Uhr im Mensa-Foyer und am Donnerstag auch im Zentralklinikum die Möglichkeit, einen Wunschzettel zu ergattern und einem Kind aus einer Familie, die bei der Tafel Lebensmittel bezieht, ein zusätzliches Weihnachtsgeschenk zu machen.</p>
<p>Organisiert wird die Weihnachtsengel-Aktion als Nachfolgeaktion von „Weihnachten im Schuhkarton“ von Mitgliedern des PAS (AStA-Referat für Politik, Ausland und Soziales) und weiteren Freiwilligen, die nicht nur das Einsammeln der Wunschzettel und den Transport der Geschenke zu den Ausgabestellen koordinieren, sondern auch für die im AStA stattfindende Packparty verantwortlich sind. Dieses Jahr findet die Packparty, zu der alle Weihnachtsengel herzlich eingeladen sind, am 14. Dezember von 13 bis 18 Uhr statt. Wenn es euch also zuhause an Kräuselband oder Geschenkpapier mangelt und ihr außerdem Lust auf einen entspannten glühwein- und keksreichen Nachmittag habt, schaut doch vorbei!</p>
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		<title>Ich bin nicht „Hulk“</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Nov 2012 09:00:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia Füger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Football]]></category>

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		<description><![CDATA[American Football für Frauen in Lübeck Da war er wieder – dieser Blick. Eine Augenbraue höher als die andere, leicht [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_73893" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-73893" title="IMG_8573_verkleinert" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/11/IMG_8573_verkleinert-645x430.jpg" alt="" width="645" height="430" /><span class="media-credit">Seals Waves</span></div><p class="wp-caption-text">Die Seals Waves suchen Verstärkung.</p></div>
<h3>American Football für Frauen in Lübeck</h3>
<p>Da war er wieder – dieser Blick. Eine Augenbraue höher als die andere, leicht irritiert und fragend. Und sofort spielt sich in meinem Kopf das Standardritual ab. Wimperntusche vergessen? Passen die Stiefel auch wirklich zur Handtasche? Mein Blick fällt auf meinen Nebenplatz im Bus und da liegen sie – meine schönsten Accessoires. Mein Pad, mein Helm und die große Trainingstasche. Erleichtert und mit erstarktem Selbstbewusstsein werfe ich der Ungläubigen ein strahlendes Lächeln zu und unterdrücke den Wunsch ihr lauthals ein tiefes „Set hut“ zu zurufen.</p>
<p>Ich bin halt eine echte „Wave“ und damit alles andere als ein typisches Weibchen.</p>
<p>Rückblende! Travemünder Woche 2010 – Teamparty der „Lübeck Seals Herren“. Vom Zuschauen müde, beschlossen zwei Spielerfrauen, dass es Zeit wäre sich doch auch mal selbst auf das Feld zu wagen und sich im American Football zu versuchen. Und fanden tatsächlich bei den Herren sofort die Unterstützung, die jede verrückte Idee braucht. So stand man bereits eine Woche später zusammen im Park und musste mit Erschrecken feststellen, dass die durch jahrelanges Shoppen erlangte Kondition nun nicht ganz so ausreicht. Doch es wurde gekämpft, geschwitzt, gelacht und weiter an einem Traum gearbeitet. Schnell wuchs das Team und schon bald war klar, dass das Experiment funktionierte. Und so wurden die Damen fest als Frauenteam der „Lübeck Seals“ integriert. Ein Name war schnell gefunden – „Waves“, benannt nach den weiblichen Angestellten der „Navy Seals“. Training, gute Pressearbeit, einen tollen Verein im Rücken, fantastische Sponsoren, da fehlte nur noch eins&#8230; Spielerfahrung.</p>
<p>Und so ging es 2011 gemeinsam mit den Kiel Baltic Hurricanes Ladies zum ersten Mal auf das Feld. Erfolgreich und mit heilen Knochen wurde die 2. Bundesliga gerockt. Doch 2012, erneut in Kooperation mit Kiel, konnten all die hart erarbeiteten Erfolge noch getoppt werden. Nach einer Saison voller Höhen und Tiefen gelang tatsächlich der dritte Platz in der 1. Bundesliga Nord, nur knapp hinter den Profiteams Berlin Kobras und Düsseldorf Blades.</p>
<p>Und für 2013 stehen die Sterne auf Weiterentwicklung. Auch wenn momentan noch Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern in vollem Gange sind, so steht doch fest, dass die Nordlichter erneut in der 1. Bundesliga Nord starten werden. Das bedeutet erneut Adrenalin, erneut jede Menge Spaß und vor allem auch erneut ein tolles Spiel auf dem eigenen Homefield der „Lübeck Seals“ in der Heimatstadt.</p>
<h3>Hingeschleift und sofort geblieben</h3>
<p>Achja, so ein bisschen Sport tut neben dem Studium schon gut! Und in Lübeck wird man fast schon mit den verschiedensten Möglichkeiten überschüttet, zumindest wenn man aus einem kleinen Dorf stammt. Was ist also das Richtige für mich?</p>
<p>Da brauchte ich schon eine Sportart, in der ich mit Masse punkten kann. Und durch eine Kommilitonin musste ich zu einem ausgefallenen Training&#8230; und zwar zum American Football. Etwas seltsam war es schon, da ich diesen Sport höchstens aus amerikanischen Filmen kannte und somit keinen großen Einblick hatte. Außerdem war das doch ein Männersport&#8230; oder? Ich tat Ihr dennoch den Gefallen und siehe da: eine Sportart ganz nach meinem Geschmack und auch für Frauen wunderbar geeignet!</p>
<p>Auch wenn man immer nur etwas von einem Quarterback hört und derjenige gefeiert wird, der irgendwelche Touchdowns macht: es ist eine der stärksten Teamsportarten, wenn ich das in aller Bescheidenheit behaupten darf. Denn wenn eine auf ihrer Position nicht alles gibt, dann kann es auch keine Punkte für das gesamte Team geben und egoistische Alleingänge werden vom Gegner sofort bestraft. Wer das nicht glaubt, der muss sich schon selbst überzeugen.</p>
<p>Aber nicht nur der dadurch hervorgerufene Zusammenhalt des Teams und somit die Freundschaften untereinander zogen mich an. Es war auch das gute Gefühl, nach dem Training richtig ausgepowert nach Hause zu kommen und zu wissen, an diesem Tag wieder die eigenen Grenzen nach oben verschoben zu haben. Man muss aber auch erwähnen, dass das Ganze auch geistig eine kleine Herausforderung darstellt, denn wer Spielen möchte, der muss Spielzüge auswendig können und dabei trotzdem noch flexibel auf den Gegner reagieren können. Wie gut, dass keiner für alle Positionen gewappnet sein muss, dafür eine oder zwei davon perfektionieren kann. Das wäre ansonsten ein ziemlicher Lernaufwand und würde wahrscheinlich sogar die Klausurenphase am Ende des Semesters übertreffen.</p>
<h3>Neue Saison</h3>
<p>Das Alles klingt für dich nach einer guten Freizeitbeschäftigung? Wunderbar! Denn nach der Saison ist vor der Saison. Und so beginnt der Kreislauf des American Footballs erneut mit Tacklen, Sprinten, Werfen und Fangen, mit Freunden und viel Spaß. Aber wie es nun mal ist in dem typischen Frauenleben – etwas fehlt immer.</p>
<p>DU bist diejenige, die fehlt. Also, wenn du mutig genug bist und deine Lachmuskeln stark genug sind, dann komm doch einfach mal vorbei. Wir trainieren immer dienstags und donnerstags ab 17:30 Uhr auf dem Homefield der „Lübeck Seals“, in der Vorwerker Straße 84.</p>
<p>Wie, du fragst dich ob du das überhaupt schaffst? Klar, hier ist jede so wie sie nun mal ist. Dick, dünn, groß, klein, schnell oder eher standhaft, sportlich oder noch nicht so fit, genauso verschieden wie „Wellen“ es nun mal sind. Also, pack dein Sportzeug und ausreichend Wasser in die Tasche und komm einfach vorbei.</p>
<p>Und bis dahin&#8230; bis dahin male ich mir im Bus einfach weiter aus, was passieren würde, wenn ich mein Pad anziehe, mich vor den irritierten Mitmenschen aufbaue und mal frage, ob mein neuer Nagellack zu meinen Augen passt. Nur um mich danach schelmisch grinsend umzudrehen und bewiesen zu haben, dass nicht jede Footballspielerin automatisch zu „Hulk“ mutiert.</p>
<p>Wir freuen uns auch auf Dich!</p>
<p>Weitere Infos findest du auch unter <a href="http://www.seals-football.de">www.seals-football.de</a>, bei Facebook (Seals Waves – Frauenfootball aus Lübeck) oder du rufst einfach an 0176 / 7180 5523.</p>
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		<title>Kneipencheck</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jul 2012 16:00:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StudentenPACK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kneipen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Semesterferien nahen und wenn dann die Klausuren endlich mal vorbei sind, kann man sich auch wieder den schönen Dingen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Semesterferien nahen und wenn dann die Klausuren endlich mal vorbei sind, kann man sich auch wieder den schönen Dingen des Lebens widmen: Einem Tag am Strand oder einer Nacht in der Kneipe. Doch wer sich in Lübeck etwas genauer umsieht, wird feststellen, dass man sich hier nicht auf eine Kneipe pro Nacht beschränken muss. Die Redaktion empfiehlt, einfach mal einen ausgedehnten Kneipenbummel zu machen. Wir haben für euch Kneipen und Gaststätten &#8211; ohne Anspruch auf Vollständigkeit &#8211; besucht. Wer unseren Plan befolgt, muss im Süden der Altstadt beginnen und dann gegen den Uhrzeigersinn über die Insel wandern, um möglichst alle Etablissements mitnehmen zu können. Wir wünschen viel Erfolg, viel Vergnügen und: Geht Trinken!</p>
<h3><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 707px"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/07/LuebeckKneipen.jpg" rel="shadowbox[sbpost-36330];player=img;"><img class="size-large wp-image-36331" title="LuebeckKneipen" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/07/LuebeckKneipen-697x1024.jpg" alt="" width="697" height="1024" /></a><span class="media-credit">Kartenmaterial von OpenStreetMap (CC-BY-SA)</span></div></h3>
<h3><strong>Im alten Zolln</strong> (A: Mühlenstraße 93-95)</h3>
<p>Jeder Student sollte das Alte Zolln noch aus seiner Vorwoche kennen, wo man doch genau da zur Stadtrallye die lang erwartete Erbsensuppe bekam. Aber auch davon unabhängig ist das Zolln eine gute Adresse. Egal zu welchen Anlass man im Zolln ist, man wird nie schief angeschaut, auch wenn es beim Skatspielen mal etwas lauter wird. In der oberen Etage finden auch ohne Probleme größere Gruppen platz. Besonders zu empfehlen sind dabei die Live-Auftritte von internationalen Big Bands, zu denen man möglichst früh kommen sollte, um einen Platz zu ergattern. Auch als Kultur-Highlight des elterlichen Besuchs empfiehlt sich das Zolln aufgrund seiner langen Historie.</p>
<p>Kurze Info zum Glänzen vor den Eltern: Das Gebäude des Alten Zolln wurde Ende des 16. Jahrhunderst gebaut, anstelle des ehemaligen alten Zolln. Obwohl es damals direkt am Tor der Stadt lag, war es nie das Haus, in dem Zölle bezahlt wurden, sondern vermutlich das Wohnhaus eines Zöllners. Eine Gaststätte ist das Zolln seit 1972.</p>
<p>Fazit: Historisches Lokal, welches mit guter Küche und großer Auswahl punktet.</p>
<h3><strong>Friends</strong> (B: Mühlenstraße 75)</h3>
<p>Mit großem Angebot und vielen Aktionen, die das studentische Budget nur wenig belasten, lockt das ebenfalls in der Mühlenstraße gelegene Friends. Der Schankraum geht über zwei Ebenen und bietet dadurch Raum sowohl für Tresen-Besucher als auch für mittelgroße Gruppen, die Cocktails trinken oder gemütlich essen wollen. Leider gestalten sich Unterhaltungen auf Grund der meist zu lauten Musik eher schwierig und die häufig wechselnden Bedienungen sind eher zu unfreundlich, als dass man im Friends einen wirklich gemütlichen Abend verbringen könnte.</p>
<h3><strong>Café Art</strong> (C: Kapitelstraße 4-8)</h3>
<p>Das Café Art in der Kapitelstraße neben C&amp;A ist eine der Anlaufstellen für Fußballfreunde in Lübeck. Zu Bundesligazeiten und bei Deutschlandspielen ist es immer rappel- und stimmungsvoll und wer nicht rechtzeitig da ist oder sich einen Platz reservieren lässt, hat oft das Nachsehen. Doch auch ohne Fußball kann das Café Art mit einem umfangreichen und leckeren Speise- und Getränkeangebot punkten. Und mit dem Frühstück, das bis in den Nachmittag hinein serviert wird, wird fast jeder studentische Schlafrhythmus bedient. Bei schönem Wetter lädt ein Biergarten zum Verweilen ein.</p>
<div id="attachment_36333" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-36333" title="Cafe Art 1" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/07/Caffe-Art-1-645x483.jpg" alt="" width="645" height="483" /><span class="media-credit"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/author/piek/">Albert Piek</a> | StudentenPACK.</span></div><p class="wp-caption-text">Cocktails und Milkshakes im Café Art</p></div>
<h3><strong>Kürbis</strong> (D: Mühlenstraße 9)</h3>
<p>Der eine oder andere mag den „Kürbis“ am Anfang der Mühlenstraße als gute Küche kennen. Weniger bekannt dürfte hingegen sein, das dort gelegentlich ein Schild vor die Tür gestellt wird, welches ab 19 Uhr eine Happy Hour mit Cocktails und Longdrinks für 3,90 Euro verspricht. Wer der Verlockung folgt und ein wenig Geduld für die Bedienung übrig hat, dem wird das an sich etwas dunkle Ambiente rasch mit Kerzenschein erhellt. Seine Cocktails darf man hier aus knuffigen Granini-Gläsern schlürfen. Auch die Bierkarte bietet Auswahl und so kann man unter anderem ein Budweiser Budvar bestellen. Mit etwas Glück sorgen sogar noch die singenden und schunkelnden Tischnachbarn für Unterhaltung.</p>
<div id="attachment_36335" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-36335" title="Kürbis3" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/07/Kürbis3-645x483.jpg" alt="" width="645" height="483" /><span class="media-credit"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/author/piek/">Albert Piek</a> | StudentenPACK.</span></div><p class="wp-caption-text">Knuffige Granini-Gläser</p></div>
<h3><strong>Sternschnuppe</strong> (E:Fleischhauerstraße 78)</h3>
<p>Bedingt durch die sanfte Beleuchtung des Schankraums wirkt die Sternschnuppe von außen oft geschlossen. Dabei ist die Sternschnuppe gerade durch diese Beleuchtung sehr gemütlich. Am frühen Abend lohnt es sich, sie auf einen Kaffee zu besuchen oder auch mal um ein Buch zu lesen. Später wird es dann doch mal etwas voller, was vor allem dem kleinen Schankraum zuzuschreiben ist. Dafür hat man es dann aber auch gemütlich. Sonntags ist die Schnuppe eine der wenigen Kneipen, in der man den Tatort schauen kann. Und: Bis eine halbe Stunde nach Krimi-Beginn kann man auf den Mörder tippen und mit etwas Glück und Geschick eine Flasche Wein gewinnen. An den anderen Abenden der Woche kann man sich die Zeit auch mit dem Kicker-Tisch im Hinterzimmer vertreiben. Fazit: Sehr gemütlich und mit studentisch fairen Preisen.</p>
<h3><strong>Schmidt’s</strong> (F: Dr. Julius-Leber-Straße 60)</h3>
<p>In alten Ersti-Heften wurde diese Adresse noch erwähnt, bevor sie lange geschlossen war und für die Wiedereröffnung warb. Seit Jahresbeginn findet man hier eine großräumige Bar im Loungestil, mit schönem Ambiente und… Platz! Zumindest bei unserem Besuch waren wir fast die einzigen Gäste. Entsprechend schnell wurden wir bedient. Mit den Getränken und den Preisen waren auch alle zufrieden, bis auf den Resident-Caipi-Experten, der jedoch später von der Bar mit einer versehentlich zu viel gemixten Piña Colada beschenkt wurde. Bierfreunde können hier unter Anderem vom König Ludwig Weissbier kosten, welches immerhin schon einmal den World Beer Award gewonnen hat. Großgewachsenen Kommilitonen, die sich in Lübecker-Altstadt-Treppenaufgängen oft speziellen Gefahren ausgesetzt sehen, sei gesagt: Hier hat man gepolstert! Warum über dem Eingang güldene Lettern für Goldankauf werben, blieb allerdings ein Rätsel…</p>
<div id="attachment_36337" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-36337" title="Schmidts 1" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/07/Schmidts-1-645x483.jpg" alt="" width="645" height="483" /><span class="media-credit"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/author/piek/">Albert Piek</a> | StudentenPACK.</span></div><p class="wp-caption-text">Cocktails und ein prämiertes Bier</p></div>
<h3><strong>Weltwirtschaft</strong> (G: Königstraße 16)</h3>
<p>Mit unter Klaustrophobie leidenden Menschen sollte man hier nicht einkehren, denn die Weltwirtschaft ist klein und eng. Dennoch wurde hier eine ganze Portion Gemütlichkeit nebst zweier Kickertische neben den Tresen gestopft. Das Bier ist günstig, die Musik ist unaufdringlich und das Personal ist gut gelaunt. Hier kann man sich von den Cracks, die schon die ganze Nacht kickern, versenken lassen oder einfach nur im Fenster sitzen, über Musik und die Welt quatschen und dem Sonnenaufgang entgegenchillen.</p>
<h3><strong>Bolero</strong> (H: Breite Str. 1-5)</h3>
<p>Um wieder einmal in eine größere Bar zu kommen, ist das Bolero in der nördlicheren Hälfte der Altstadt zu empfehlen. Hier können sich in freundlicher Atmosphäre Angebot und Qualität sehen lassen. Dabei sind die Preise nicht immer für das studentische Portemonnaie geeignet, wer aber eine der vielen Happy-Hours abpasst, die täglich von 17 bis 1 Uhr stattfinden, kann tatsächlich etwas sparen. Das Personal ist zwar manchmal etwas langsam, insbesondere wenn man an einem der Außentische sitzt. Wer aber etwas Geduld mitbringt, wird dafür belohnt. Fazit: Für entspannte Abende mit guten Gesprächen und dem Bedürfnis nach Qualität sehr zu empfehlen.</p>
<h3><strong>IF</strong> (I: Engelsgrube 41) &#8211; ein historischer Exkurs</h3>
<p>Am 28. Mai 1929 wird Horst Bernhard Wilhelm Frank in Lübeck geboren. Nach einer Ausbildung muss er im 2. Weltkrieg als Soldat kämpfen, danach entscheidet er sich nach seinem ersten Theaterbesuch Schauspieler zu werden. Er arbeitet eine Zeit lang in Lübeck, dann in Bonn, Basel und Zürich. Er wird TV-Star, an den sich die meisten heute allerdings kaum noch erinnern können. Bleibende Bekanntheit ist ihm dank seiner Rolle als Kommissar Reynolds bei den Drei Fragezeichen sicher.</p>
<p>Horst Frank war vier mal verheiratet. Aus der ersten Ehe ging ein Sohn, aus der zweiten eine Tochter hervor. Diese beiden Ehen, wie auch die dritte, scheitern an seinem exzessiven Lebensstil.</p>
<p>Warum das wissenswert ist? Weil das IF eben nicht IF heißt, wie die Abfrage in Programmiersprachen, sondern IF wie die Anfangsbuchstaben in Ilse Frank. Ilse Frank war eine der Frauen des Horst Frank und sie eröffnete in Lübeck in der Engelsgrube 41 eine Bar.</p>
<p>Heute heißt der Wirt Uwe, offensichtlich ein Unikat, mit wallender grauer Mähne und grauem Rauschebart, der einem in der urigsten Atmosphäre die es in einer Kneipe überhaupt geben kann, gern von Ilse und Horst Frank erzählt. Dazu kann man zu sehr fairen Preisen ein irisches Bier trinken und die wild an die Wand gehängten Bilder bestaunen.</p>
<p>Die Toilette ist sicher nichts für zartbesaitete aber das IF ist authentisch, gut und immer einen Besuch wert.</p>
<div id="attachment_36339" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-36339" title="if 2" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/07/if-2-645x483.jpg" alt="" width="645" height="483" /><span class="media-credit">Wirt Uwe mit Alberts Kamera</span></div><p class="wp-caption-text">Auf Ilse Frank!</p></div>
<h3><strong>La Havanna</strong> (J: Engelsgrube 41)</h3>
<p>Wer hier herein kommt, sollte kitschtolerant sein: Der Raum ist mehrheitlich rot, mit pink-grünen Kronleuchtern und die Lichtanlage tut ihr übriges. Auf die ebenerdig gelegene Bar und die Tanzfläche kann man von gemütlichen Sesseln in der Zwischenetage herabblicken. Leider klappt es hier nicht immer mit der Bedienung, die sich gerne mal auf die Tanzfläche begibt. Wer die Bestellung direkt am Tresen aufgibt, bekommt aufwendig dekorierte aber sehr gelungene Cocktails aus einer großen Auswahl und darf anschließend den Pärchen bei Salsa, Merengue, und was man sonst noch zu kubanischer Musik tanzen kann, zuschauen oder selbst Fuß anlegen.</p>
<div id="attachment_36341" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-36341" title="Havana 1" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/07/Havana-1-645x483.jpg" alt="" width="645" height="483" /><span class="media-credit"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/author/piek/">Albert Piek</a> | StudentenPACK.</span></div><p class="wp-caption-text">Cocktails im La Havanna</p></div>
<h3><strong>Strandsalon</strong> (K: Willy-Brandt-Allee 25a, Wallhalbinsel)</h3>
<p>Wen der Weg zum Strand selbst zu weit ist oder wer dem Lübschen Wetter nicht traut und dennoch gern das Strandfeeling haben möchte, ist hier an der richtigen Adresse. Der Strandsalon besticht mit Karibik-Flair und etwas Extravaganz. Preislich gesehen ist der Strandsalon für das Niveau, welches er bietet, doch schon eine der günstigeren Locations. Es sei aber jedem gesagt, dass das Baden in der Trave an dieser Stelle nachts vermieden werden sollte, dafür gibt es alternativ einen Pool zum Planschen. Fazit: Mit dem Versprechen auf Sonnenschein und guten Preisen ist der Strandsalon eine Adresse um das tägliche Grau in Grau zu vergessen.</p>
<h3><strong>COLE STREET</strong> (L: Beckergrube 18)</h3>
<p>Eins vorweg: Unser Urteil, dies sei eine Hipster-Bar, war bereits gefällt, da waren wir fast noch am anderen Ende der Stadt. Entsprechend fröhlich halblaut geäußerte Sprüche, während man den länglichen Schankraum mit keinen zwei gleichen Sitzmöbeln durchschreitet, bringen einem schon mal böse Blicke von der Seite ein. Ob es nun an unserer Platzwahl auf den Polstermöbeln in der hintersten Ecke oder an den Sprüchen lag, es dauerte jedenfalls eine Weile, bis sich die Bedienung zum ersten Mal blicken ließ. Danach ging es zwar zügig, aber die Preise sind nicht unbedingt studentenfreundlich und der betont zufällige Stil ist uns doch etwas too much.</p>
<h3><strong>Finnegan</strong> (M: Mengstraße 42)</h3>
<p>Herrlich urig, herrlich rustikal, so lautete der erste Eindruck des in der Mengstraße gelegenen Irischen Pubs. Wer sich die Zeit nimmt und des Öfteren in der Bar erscheint, wird schnell mit dem Barkeeper und Besitzer per du sein, was zu manch einem kleinen geschenkten Glas Schnaps führen kann. Wer den Pub am Mittwoch besucht, hat die Möglichkeit, am Barquiz teilzunehmen, welches Wissen in allen möglichen Kategorien abfragt. Auch Lohneswert sind die Open-Mic-Abende und andere Live-Musik-Events. Egal, was ansteht, die Preise sind annehmbar und für Studenten teilweise reduziert (Bier: 1,50€). Fazit: Trinken in familärer Atmosphäre mit urigem irish-charme.</p>
<h3><strong>Mac Thomas</strong> (N: An der Untertrave 95)</h3>
<p>Wer das Finnegan kennt, weiß, dass es öfter einfach zu voll ist. Doch wer einige Schritte weiter die Mengstraße in Richtung Untertrave herunter spaziert, wird belohnt: Direkt an der Ecke zur Untertrave liegt das Mac Thomas, einer der Geheimtipps in Sachen Irish Pubs. Es bietet über zwei Etagen Plätze, sodass man auch mit einer etwas größeren Gruppe Platz findet. Doch es ist dort keineswegs tote Hose. Live-Musik und Quiz-Abende haben ihren regelmäßigen Platz und machen den Charme des Pubs aus. Auch wenn die direkte Art der Chefin am Tresen am Anfang ungewöhnlich vorkommen mag, so passt sie gut in das rustikale Flair des Irish Pubs. Die Preise sind günstig (natürlich im Pitcherformat) und Kleinigkeiten zu Essen gibt es auch. Und mit etwas Glück kriegt man eine der vielen irischen Whiskey-Spezialitäten zum Probieren ausgegeben. Fazit: Sehr empfehlenswert!</p>
<h3><strong>Barcio</strong> (O: An der Untertrave 106)</h3>
<p>An der Untertrave direkt am Holstentor gelegen wirkt das Barcio nicht unbedingt studentenfreundlich. Doch dieser Eindruck täuscht! Mit vielen Aktionen und Happy-Hours wird das Barcio zur Adresse des feinen Cocktailgeschmacks mit einer großen Auswahl, guter Qualität und immer recht freundlicher Bedienung. Zum Barcio sei gesagt, dass es sich wunderbar eignet, um sich oder andere zu belohnen, wie zum Beispiel nach einer bestanden Klausur. Für Personen, die notorisch vergessen, vor einem langen Abend zu essen, bietet sich dabei der Montag mit Buy-one-get-two auf alle Speisen an. Auch hier gilt, dass die Portionen groß sind und die Qualität den Cocktails in nichts nachsteht. Fazit: Freundliche Bedienung und gute Qualität machen das Barcio zu einer von Lübecks besten Cocktailbars.</p>
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		<title>Das Zwickelbier mit Tradition</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jul 2012 14:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Ruge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Bier]]></category>

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		<description><![CDATA[Drei Liter Bier am Tag, gezahlt von der Stadt. Das ganze Leben lang. Klingt nach dem Traum jedes Studenten, war [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_36322" class="wp-caption aligncenter" style="width: 409px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 409px"><img class="size-medium wp-image-36322" title="DSC_4302" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/07/DSC_4302-399x600.jpg" alt="" width="399" height="600" /><span class="media-credit"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/author/bohnenstengel/">Philipp Bohnenstengel</a> | StudentenPACK.</span></div><p class="wp-caption-text">Brauen, mitten in der Schankstube</p></div>Drei Liter Bier am Tag, gezahlt von der Stadt. Das ganze Leben lang. Klingt nach dem Traum jedes Studenten, war aber die Realität im 15. Jahrhundert. Fast 200 Brauereien versorgten die gut 20.000 Bürger der Hansestadt Lübeck täglich mit Bier. Drei Liter für jeden ob jung oder alt. Wasser genießbar zu machen war eine Herausforderung, aber die Bierherstellung hatte man gemeistert und so erhielt jeder Bürger seine rationierten drei Liter. Kinder noch mit kaum Alkohol, die alten Männer, und mit Mitte dreißig war man bereits ein alter Mann, konnten Bier mit bis zu 16 Prozent Alkohol genießen.</p>
<p>Dies sind die Geschichten, die man zu hören bekommt, wenn man im Brauberger, der letzten verbliebenen Brauerei Lübecks, ein Tour mitmacht. In den 800 Jahre alten Gewölben, dort wo einmal die Stadtmauer stand, erhält man eine Einführung in die Geschichte des beliebten Getränks bevor man zu sehen bekommt, wie es gemacht wird. Denn im Brauberger macht man das Bier nicht nur selbst, man macht es mitten in der Gaststätte.</p>
<h3>Modern und Traditionsbewusst</h3>
<p>Heute hat das Bier keine 16 Prozent mehr, lediglich 4,5 Prozent. Das hat hauptsächlich gesetzliche Gründe. Natürlich ist auch die Brautechnik moderner geworden, aber davon abgesehen macht man Bier noch immer wie vor 500 Jahren, das deutsche Reinheitsgebot lässt es gar nicht anders zu. Wasser, Gerste, Hopfen, Hefe. Mehr nicht. Das gilt selbstverständlich auch im Brauberger. Das Gebäude selbst ist nicht so alt wie sein Keller, aber es hat immerhin auch schon über 100 Jahre auf dem Giebel. Von 1919 bis 1983 beherbergte es eine Eisenwarengroßhandlung namens „Vageler &amp; Christiansen“, deren Namen zur allgemeinen Verwirrung immernoch die Fasade des Hauses ziert. Seit 1989 findet sich hinter dieser Aufschrift die Gaststätte Brauberger.</p>
<p>Wer das Brauberger betritt, sieht als erstes die großen Kupferkessel, einer davon ist der Sudkessel. Der Kessel fasst 1000 Liter und hier beginnt die Bierherstellung. Neben dem Wasser wird Malz hinzugefügt, eine Art Gerstenschrot. Dies wird auf 60°C erhitzt und es entstehen Stärke und Zucker, „Maischen“ nennt sich das. Weiter geht es im zweiten großen Behälter in der Gaststätte, dem im oberen Stockwerk. Im sogenannten Läuterbottich, einem großen Filter, trennen sich Malztreber (das, was von der Gerste übrig blieb) und die Flüssigkeit, die jetzt Bierwürze heißt. Der feste Teil spielt für das Bier keine Rolle mehr, taugt aber als Tierfutter, regelmäßig holt daher ein Bauer die Malztreber ab.</p>
<p>Die Bierwürze fließt wieder in den unteren Behälter, wo sie zum Kochen gebracht wird und der Hopfen beigegeben wird. Schlussendlich geht es in den Kühlraum. Dort kommt die Hefe hinzu und das Bier wird auf 10°C für eine Woche in Gärtanks gelagert. Die Hefe kann man immer wieder benutzen, sie setzt sich am Boden des Tanks ab, da es sich um eine untergärige Hefe handelt. Nach etwa sieben Tagen wechselt das werdende Bier noch einmal den Tank. In den Lagertanks verbringt es noch einmal vier Wochen bis es bereit ist, getrunken zu werden.</p>
<h3>Nur im Brauberger</h3>
<p>Das Resultat der Bemühungen kann man nur an einem Ort kaufen, im Brauberger selbst. Nirgends sonst steht das Bier zum Verkauf. Immerhin, 60.000 Liter gehen dort jedes Jahr über den Tisch, im Winter übrigens mehr als im Sommer. Das Bier sieht trüber aus als man es aus dem Supermarkt gewohnt ist. Das liegt mit daran, dass noch etwas Hefe im Bier verbleibt. Man nennt ein solches Bier ein Zwickelbier, ein ungefiltertes, naturtrübes Bier, welches direkt nach dem Nachgärungsprozess ausgeschenkt wird.</p>
<p>Die Herstellung ist natürlich teurer als in großen Brauereien und die Produktionskosten für einen Liter Bier liegen bei über einem Euro. Damit wird man zwar nicht Millionär, aber es reicht um das Brauberger, die letzte Brauerei der Hansestadt, am Leben zu halten.</p>
<p>Wer das Zwickelbier des Braubergers ausprobieren möchte kann dies montags bis samstags ab 17 Uhr tun, dann hat das Brauberger geöffnet. Zum Bier gibt es herzhaftes Essen und dienstags ein All you can eat-Buffet.</p>
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		<title>Wenn eine Schutzmaßnahme zur Katastrophe wird</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jun 2012 05:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sarah Sandmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lübecker Impfunglück]]></category>

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		<description><![CDATA[Lübeck vor dem zweiten Weltkrieg. Wir schreiben das Jahr 1930. Genauer gesagt den 24. Februar 1930. Es war ein Montag, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div class="mceTemp mceIEcenter"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-19112" title="3982987329_52119569a9_b" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/06/3982987329_52119569a9_b-645x461.jpg" alt="" width="645" height="461" /><span class="media-credit">Flickr-Nutzer Hellebardius</span></div>
<dl id="attachment_19112" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px;">
<dt class="wp-caption-dt"></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Lübeck vor dem zweiten Weltkrieg.</dd>
</dl>
</div>
<p>Wir schreiben das Jahr 1930. Genauer gesagt den 24. Februar 1930. Es war ein Montag, der die Lübecker Geschichte und sogar die Geschichte ganz Deutschlands nachhaltig verändern sollte – doch auf eine ganz andere Art und Weise als das eigentlich geplant war.</p>
<h3>Die Geschichte vom „kleinen Geschwulst“</h3>
<p>Es war einmal ein Homo erectus, der lebte vor 500.000 Jahren in der Türkei. Doch dies war kein gewöhnlicher Homo erectus, denn der Ärmste litt an einer Hirnhautentzündung – ausgelöst durch Tuberkulose.</p>
<p>Bis heute ist dies der erste nachgewiesene Fall von Tuberkulose überhaupt. Doch von diesem Einzelfall aus trat die Infektionskrankheit, die durch gerade einmal 2 µm große Bakterien ausgelöst wird, einen beeindruckenden Feldzug durch die verschiedenen Epochen der Geschichte an. Von dem Alten Ägypten, über das dunkle Mittelalter bis hin zur Neuzeit – die Tuberkulose machte vor keiner Kultur, vor keiner Gesellschaftsschicht, vor nichts und niemandem Halt.</p>
<p>Übertragen werden die Tuberkulose auslösenden Mykobakterien durch Tröpfcheninfektion. Dies führt unweigerlich zu dem Grundsatz: Je größer der Ballungsraum, desto größer die Infektionsgefahr. Somit ist es verständlich, dass mit dem rasanten Bevölkerungs- und Städtewachstum die Anzahl der an Tuberkulose erkrankten Menschen besonders im 18. und 19. Jahrhundert stark anstieg. Damalige Möglichkeiten den Patienten zu helfen, gab es quasi keine. Bis zu den Forschungsarbeiten von Robert Koch im Jahr 1882 kannte man noch nicht einmal die Ursache für die Krankheit, die so vielen Menschen in Europa wortwörtlich „den Atem raubte“.</p>
<p>In vielen Fällen löst eine Tuberkulose-Infektion keine Krankheit aus, da die Bakterien einfach nur eingekapselt werden und in dem Körper der infizierten Person ruhen. Daher stammt auch der Name „Tuberkulose“, der übersetzt in etwa „kleines Geschwulst“ bedeutet. Doch ist das Immunsystem erst einmal geschwächt, kann die Krankheit jederzeit ausbrechen. Das Bakterium zerstört die Lunge und teilweise auch andere Organe der Erkrankten. Für eine erfolgreiche Therapie sind Antibiotika unerlässlich, doch diese erlangten erst Mitte des 20. Jahrhunderts ihren Einzug in die Medizin.</p>
<h3>Am Anfang war die Forschung</h3>
<p>Was man also brauchte, war eine sichere und erfolgsversprechende Präventivmaßnahme. Eine Impfung musste her. Und so machten sich der französische Arzt Albert Calmette und sein Kollege, der französische Bakteriologe Camille Guérin, im Jahr 1908 gemeinsam an die Arbeit. Geforscht wurde an Mycobacterium bovis, dem Auslöser der Rindertuberkulose. Auf Grund der Ähnlichkeit zu dem humanen Erreger war dies aber kein Problem. Viel eher war die Infektiosität des bovinen Mycobacteriums für den Menschen problematisch. Daher arbeiteten die beiden Franzosen ganze 13 Jahre daran, das Bakterium durch zahlreiche Passagen soweit zu verändern, dass von ihm keine Infektionsgefahr mehr ausging.</p>
<p>Im Jahr 1921 war es dann endlich soweit. Die so genannte BCG-Schutzimpfung kam auf den Markt, wobei der Name – wie könnte es auch anders sein – natürlich auf die beiden stolzen Forscher zurückging. Mit der oralen „Bacille Calmette-Guérin-Schutzimpfung“ wurden bis 1928 schon über 150.000 Kinder geimpft. Ein bis dahin großer Erfolg.</p>
<p>Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man sich in Deutschland mit der Einführung der BCG-Impfung jedoch noch vornehm zurückgehalten. Erst als es im Jahr 1928 zu einer offiziellen Empfehlung durch den Völkerbund für diese Schutzimpfung kam, zog auch Deutschland in Sachen Tuberkuloseprophylaxe nach. Ernst Altstaedt, Leiter des Lübecker Gesundheitsamtes, und Georg Deycke, Direktor des Allgemeinen Krankenhauses, setzten sich dafür ein, dass unsere Hansestadt als erste Stadt in ganz Deutschland, die Schluckimpfung gegen Tuberkulose eingesetzt werden würde.</p>
<p>Ein Jahr nachdem die Entscheidung für die BCG-Impfung gefallen war, traf die Impf-Kultur aus Paris ein. Bevor der Impfstoff jedoch einsatzbereit war, mussten die Kulturen noch entsprechend verarbeitet werden. Eine Aufgabe, die die Krankenschwester Anna Schütze damals übernahm.</p>
<p>Am 24. Februar 1930, sieben Monate nach Eintreffen der Kultur aus Paris, war es dann soweit. Die Impfung gegen Tuberkulose wurde in Lübeck offiziell eingeführt. Innerhalb der ersten zwei Monate wurden insgesamt 256 Neugeborenen die neuartige Schluckimpfung verabreicht – ein Großteil aller Neugeborenen in Lübeck zu dieser Zeit. Die Idee dahinter war simpel. Tuberkulose galt auch in Deutschland als gefährliche und verbreitete Krankheit. Gelang es mit der neuen Impfung möglichst viele Menschen zu einem möglichst frühen Zeitpunkt zu treffen, könnte so die Verbreitung von Tuberkulose möglichst effektiv verhindert werden. Doch alles kam ganz anders, als gedacht.</p>
<h3>Das Unglück nimmt seinen Lauf</h3>
<p>Es war der 17. April 1930, als sich zum ersten Mal andeutete, dass bei der BCG-Schutzimpfung irgendetwas ganz fürchterlich falsch gegangen sein könnte. Ein Baby, das zuvor die Impfung erhalten hatte, starb an diesem Tag an Tuberkulose. Es sollte nicht das Einzige bleiben.</p>
<p>In den Folgetagen starben drei weitere Säuglinge. Alle drei hatten vorab die neuartige Impfung erhalten. Alle drei starben an Tuberkulose. Am 26. April sah sich Georg Deycke daher zum Handeln gezwungen. Umgehend stellte er die Impfung von Neugeborenen ein. Doch für 73 weiter Neugeborene kam diese Entscheidung zu spät. Von den insgesamt 256 Impflingen erkrankten ganze 208 an Tuberkulose.</p>
<p>Doch was war geschehen? An der BCG-Kultur selbst konnte es nicht gelegen haben – schließlich belegte eine mehrjährige positive Erfahrung mit dem attenuierten Impfstoff in ganz Europa dessen Ungefährlichkeit für die Impflinge. So verblieb nur eine einzige alternative Erklärung: Es musste zu einer Verunreinigung des Impfstoffes gekommen sein. Und zwar in Lübeck. Genauer gesagt in dem Labor Georg Deyckes, in dem die BCG-Kultur von Anna Schütze zu Impfstoff verarbeitet worden war.</p>
<p>Damals, im Jahr 1929, arbeitete man in Lübeck nicht nur mit der BCG-Kultur, sondern ebenfalls mit infektiösen Tuberkuloseerregern – in demselben Labor. Spezielle Sicherheitsmaßnahmen? Räumliche Trennung der beiden Arbeitsbereiche? Fehlanzeige. Die Gefahr einer möglichen Verunreinigung der Impf-Kultur wurde vollkommen unterschätzt.</p>
<p>Doch wieso kam die Verunreinigung erst so spät ans Licht? Hätten vor der tatsächlichen Einführung des Impfstoffes in Lübeck nicht umfassende Tests durchgeführt werden müssen, die die Unbedenklichkeit der Impfung belegt hätten? Theoretisch schon. Ein Tierversuch wäre in diesem Fall eigentlich ein Muss gewesen. Doch Deycke und Altstaedt, die beiden Verantwortlichen für die Einführung der Schutzimpfung in Lübeck, verzichteten darauf. Sie vertrauten dem Impfstoff. Sie vertrauten ihm sogar so sehr, dass sie auch auf die obligatorische Kontrolluntersuchung nach der Impfung verzichteten. Einzig und allein ein Test, der die Wirksamkeit der Schutzimpfung nachweisen sollte, war geplant – jeweils sechs Monate nach der Impfung.</p>
<h3>Der Calmette-Prozess</h3>
<p>Jedes große Unglück verlangt nach Menschen, die dafür zur Verantwortung gezogen werden. Das „Lübecker Impfunglück“ stellt da keine Ausnahme dar. So kam es im Oktober 1931 zur Eröffnung des sogenannten Calmette-Prozesses. Verhandelt wurde vor dem Lübecker Landgericht. Auf der Anklagebank saßen niemand Geringeres als Georg Deycke und Ernst Altstaedt. Schließlich war es Deycke, der das Labor zur Herstellung des Impfstoffes zur Verfügung gestellt hatte. Und es war Altsteadt, der auf die Kontrolluntersuchungen der Impflinge verzichtete und sich gemeinsam mit Deycke gegen einen Tierversuch entschieden hatte.</p>
<p>Das Urteil fiel nach 76 Verhandlungstagen. Mit einer Gefängnisstrafe von 24 Monaten für Krankenhaus-Direktor Georg Deycke und 15 Monaten für den Leiter des Lübecker Gesundheitsamtes, Ernst Altstaedt, endete der Calmette-Prozess. Die Ereignisse aus dem Jahr 1930 gingen als das „Lübecker Impfunglück“ in die Geschichte ein. Doch das Thema der Tuberkulose-Schutzimpfung endete damit noch lange nicht.</p>
<p>In Deutschland vergingen viele Jahre – es war schon nach dem zweiten Weltkrieg – bis die BCG-Impfung schließlich großflächig eingeführt wurde. Doch 1998 war es damit auch schon wieder vorbei. Heutzutage gehört die Präventivmaßnahme gegen Tuberkulose nicht länger zum Standard in Deutschland. Der Grund dafür? Einerseits macht es die geringe Prävalenz von Tuberkulose in Deutschland nicht länger notwendig, alle Säuglinge systematisch gegen Tuberkulose zu impfen. Doch andererseits ist der Impfstoff, wie man jetzt weiß, nur sehr eingeschränkt dazu geeignet, eine Tuberkulose-Erkrankung tatsächlich zu verhindern. Vielmehr bietet die Impfung einen Schutz vor den gefährlichen Nebenwirkungen der Erkrankung – wie zum Beispiel einer Hirnhautentzündung, wie sie unser Homo Erectus hatte. Da die BCG-Impfung jedoch auch heute immer noch gewisse Nebenwirkungen mit sich bringt, wird nun in den meisten Fällen auf eine Impfung verzichtet.</p>
<p>Doch das war nicht die einzige Auswirkung, die man in Deutschland aufgrund des „Lübecker Impfunglücks“ spüren konnte. Von ganz entscheidender Bedeutung war die Katastrophe für das heutige Medizinrecht, in dem unter anderem die Arzthaftung geregelt wird. Weiterhin hatten die Ereignisse 1930 auch Auswirkungen auf die alltägliche Arbeit im Labor. Neue Sicherheitsstandards wurden eingeführt, die eine Wiederholung des „Lübecker Impfunglücks“ unmöglich machen sollen.</p>
<div class="mceTemp mceIEcenter"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-19114" title="nadeln" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/06/nadeln-645x388.png" alt="" width="645" height="388" /><span class="media-credit"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/author/ruge/">Lukas Ruge</a> | StudentenPACK.</span></div>
<dl id="attachment_19114" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px;">
<dt class="wp-caption-dt"></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Am Anfang war ein kleiner Stich, am Ende eine riesige Katastrophe.</dd>
</dl>
</div>
<h3>Ein Sprung ins Jahr 2012</h3>
<p>Doch wo stehen wir heute? Mittlerweile sind über 80 Jahre vergangen, seitdem es in Lübeck zu dem größten Impfskandal des 20. Jahrhunderts gekommen war. In Vergessenheit geraten sind die Ereignisse von 1930 bis heute jedoch nicht. Vorträge und Berichte erinnern regelmäßig an das Unglück. Aber wie sieht es mit der Tuberkulose selbst aus? In Deutschland ist die Gefahr größtenteils gebannt, aber was ist mit dem Rest der Welt? Wie steht es um Therapieansätze? Oder um die Entwicklung einer alternativen, tatsächlich hochwirksamen Schutzimpfung gegen Tuberkulose?</p>
<p>Seit einigen Jahren ist Tuberkulose wieder auf dem Vormarsch. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass gegenwärtig ein Drittel der Weltbevölkerung infiziert ist. Auch wenn der Ausbruch der Krankheit nur bei wenigen Prozent der Infizierten tatsächlich stattfindet, starben im Jahr 2008 schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen an Tuberkulose. Besonders in Asien und in Afrika ist die Zahl der Neuinfektionen hoch. Und von dort aus reist das Bakterium um die ganze Welt. Per Flugzeug. Doch wie kommt es zu diesen Zahlen, wo seit Mitte des 20. Jahrhunderts doch Antibiotika zur Therapie eingesetzt werden können?</p>
<p><div id="attachment_19116" class="wp-caption aligncenter" style="width: 650px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 650px"><img class="size-full wp-image-19116" title="bakterien" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/06/bakterien.jpg" alt="" width="640" height="548" /><span class="media-credit">Flickr-Nutzer Microbe World</span></div><p class="wp-caption-text">Ein Haufen Stäbchen, die es in sich haben - Mykobacterium tuberculosis.</p></div>Das eigentliche Problem, wie bei so vielen Krankheiten in letzter Zeit, liegt in der weit verbreiteten Resistenz der Mykobakterien. Die Teilung der Bakterien erfolgt verhältnismäßig langsam. Außerdem ermöglicht ihnen eine Ruheform das lange Überleben in dem befallenen Organismus. Damit sich ein Therapie-Erfolg einstellt, ist es daher bedeutsam, dass entsprechende Antibiotika besonders lange und sorgfältig eingenommen werden. Eine denkbar schlechte Ausgangsposition, wenn es darum geht, Resistenzen lange zu verhindern.</p>
<p>Insgesamt gibt es fünf verschiedene Antibiotika, die bei einer Tuberkulose-Infektion zum Einsatz kommen. Gegen alle Fünf haben die Mykobakterien mittlerweile Resistenzen entwickelt. Und auch multiresistente Keime sind bisher schon aufgetreten. Zuletzt sogar eine Form mit gleich fünffacher Resistenz.</p>
<p>Die hohen Zahlen jährlicher Neuinfektionen und die zunehmend auftretende Antibiotika-Resistenz der Tuberkulose-Erreger ist mehr als nur ein einfaches Argument für die Forschung an einem hochwirksamen Impfstoff. Selbst bei uns, an der Uni und am Forschungszentrum Borstel, forscht man momentan an den Mykobakterien. Doch bisher hat noch kein neuer effektiverer Impfstoff gegen Tuberkulose seinen Einzug in den klinischen Alltag geschafft.</p>
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		<title>Planspiele</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jun 2012 05:00:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Ruge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[ÖPNV]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtverkehr]]></category>

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		<description><![CDATA[Das neue Liniennetz. In Jahrelanger Arbeit entworfen, im November beschlossen und seitdem geplant: Am 10 Juni ist es soweit, der [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div class="mceTemp mceIEcenter"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/06/Unbenannt.png" rel="shadowbox[sbpost-19106];player=img;"><img class="size-medium wp-image-19107" title="Unbenannt" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/06/Unbenannt-645x470.png" alt="" width="645" height="470" /></a><span class="media-credit">Stadtverkehr Lübeck</span></div>
<dl id="attachment_19107" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px;">
<dt class="wp-caption-dt"></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Das neue Liniennetz.</dd>
</dl>
</div>
<p>In Jahrelanger Arbeit entworfen, im November beschlossen und seitdem geplant: Am 10 Juni ist es soweit, der neue Busfahrplan für Lübeck, der aus Fahrgastzählungen im letzten Winter, Bürgervorschlägen und Expertenmeinung entstanden ist, wird eingeführt. Was sich ändert sind weitgehend Details. Die grundlegende Struktur des sternförmigen Lübecker Netzes, in dem fast alle Linien über den ZOB verkehren, bleibt.</p>
<p>Busfahrende Studenten werden insbesondere eine Änderung bemerken: Es gibt keine 19 mehr. Die Strecke aus der Innenstadt an der Uni, parallel zur unveränderten Linie 9 über den Mönkhofer Weg zu Universität und Fachhochschule übernimmt dann die Linie 1.</p>
<p>Als Verstärkung für die morgendliche Linie 17 auf dem Weg zur Uni kommt die Buslinie 32 hinzu. Sie soll als Schnellbus ab ZOB zu den Hochschulen fahren und dabei die meisten Haltestellen dazwischen überspringen. Mit der 32 geht es in 16 Minuten vom Hauptbahnhof zur Stephensonstraße an der FH. Auf der Ratzeburger Alle hingegen bleibt alles beim alten: mit der 6 und der 4 kann man bis zur Universität fahren. Ebenfalls unverändert bleiben die Linien 5,17,18,21,30,35 und 38.</p>
<p>Für Studenten klingt das also nach zukünftig mehr Bussen und direkteren Verbindungen aus der Innenstadt. Eines der Ergebnisse der Mitarbeit des Referats für Öffentlichkeitsarbeit des AStA in den vom Stadtverkehr und der Stadt Lübeck organisierten Bürgerwerkstatt „Vorfahrt für Ideen“. Dort konnten in den letzten Jahren alle interessierten Bürger Vorschläge einbringen die in die Planung von Hansestadt, Stadtverkehr, LVG sowie einem Gutachterbüro aus Karlsruhe eingeflossen sind.</p>
<p>Ansonsten ändert sich bei den meisten Linien nur Details und meist nur, wenn man den Bereich der Innenstadt verlässt. So kommen Beschwerden aus Dörfern wie Vorrade, Wulfsdorf und Beidendorf. Bisher wahren die Randbereiche der Stadt stündlich erreichbar gewesen, zukünftig wird dort auch Wochentags die Dauer zwischen den Bussen größer. Während sich deswegen bereits Bürgerproteste formen, dürfte es die meisten Studenten kaum betreffen.</p>
<p>Bei all den Veränderungen darf eines allerdings bezweifelt werden: Dass die Busse sich zukünftig besser an den Fahrplan halten als bisher. Dennoch, der Stadtverkehr ändert auch sein Timing. Üblicherweise werden nun alle Buslinien im 30 Minuten Takt fahren. Dort wo zwei Linien verkehren sollen diese so versetzt sein, dass ein 15 Minuten Takt entsteht. In Hauptverkehrszeiten an Wochentagen zwischen 07:00 Uhr Morgens und 17:00 Uhr fahren die Linien 1, 9 und 6 alle 15 Minuten. Die Linie 4 bleibt halbstündlich.</p>
<p>Am Abend ändert sich wenig: Busse werden wie immer rar. Ab 20:30 Uhr wechseln alle Linien auf ein einen stündlichen Rhythmus. Die letzten Busse des Abends fahren um 0:30 Uhr vom ZOB zur bekannten Sternfahrt. Der nächste Bus fährt dann erst morgens, je nachdem wo man ist, zwischen 4:00 und 5:00 Uhr. Am Wochenende bietet der Stadtverkehr ebenfalls ein bekanntes Bild und schraubt die Taktung zurück: Alle Linien fahren entweder 30 oder 60 minütig. Es gilt also auch weiterhin, was heute schon gilt: Abends und am Wochenende setzt der geneigte Student besser aufs Fahrrad oder präzise Planung.</p>
<p>Zum Strand kommt man neben der Bahn mit den Linien 30 und 40, die einen direkt zur Priwallfähre bringen. Natürlich gilt auch mit dem neuen Fahrplan: Die Busse in Lübeck, die Bahn nach Travemünde und Timmendorf und auch die Priwallfähre können Studenten mit ihrem Studierendenausweis kostenlos nutzen. Wer jedoch Zahlen muss: Weiterhin gibt es 3 Preisstufen im Lübecker Liniennetz. Wer in der Kernzone bleibt fährt in Preisstufe 1, das heißt eine Tageskarte kostet 4,9 Euro (und 3,5 Euro mehr, wenn man ein Fahrrad mitnimmt). Die Kernzone beinhaltet die Innenstadt, die Uni und reicht bis hinaus zum CITTI-Park. Wer die Kernzone Verlässt muss, je nachdem wie viele Außenbereich er bereisen möchte, zwischen 7,7 Euro bis zu 9,7 Euro für eine Tageskarte zahlen.</p>
<p>So sieht sie aus die Überarbeitung des &#8220;historisch gewachsene&#8221; Liniennetzes, wie sie der Stadtverkehr in Broschüren und Magazinen nun den Lübeckern nahebringt. Wer mehr über das neue Liniennetz erfahren möchte kann dies unter<a href="www.sv-lübeck.de"> www.sv-lübeck.de </a>tun, wo auch schon die Pläne für jede einzelne Haltestelle zu finden sind oder die Servicenummer unter 0451/888-2727 anrufen.</p>
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		<title>„Ich war bereit, zu töten!“</title>
		<link>http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/2012/02/ich-war-bereit-zu-toten/</link>
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		<pubDate>Fri, 10 Feb 2012 17:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanne Himmelsbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Events]]></category>
		<category><![CDATA[Einblick schafft Durchblick]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Vortrag]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor dem Audimax stehen Polizeiwagen, im Foyer herrscht reges Treiben und langsam füllt sich der große Hörsaal. Die Zuhörer sind [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_2440" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-2440" title="6765516627_23aca2f2d9_o" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/6765516627_23aca2f2d9_o-645x430.jpg" alt="" width="645" height="430" /><span class="media-credit"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/author/ruge/">Lukas Ruge</a> | StudentenPACK.</span></div><p class="wp-caption-text">Aussteiger Manuel Bauer und taz-Journalist Andreas Speit.</p></div>Vor dem Audimax stehen Polizeiwagen, im Foyer herrscht reges Treiben  und langsam füllt sich der große Hörsaal. Die Zuhörer sind gekommen, um  einen Aussteiger zu sehen, um zu hören, was einer, der in der rechten  Szene unterwegs war, zu erzählen hat. Veranstaltet wird der Abend von  der Lübecker Studierendenschaft: dem AStA und dem StuPa der Uni zusammen  mit AStA und StuPa der FH, organisatorisch und finanziell unterstützt  von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES).</p>
<p>Und so war es auch ein Vertreter der FES, der nach der Begrüßung  durch Benjamin Eurich, dem federführenden AStA-Referenten, die Bühne  betrat. Frederic Werner betonte den Auftrag der Stiftung, die Demokratie  zu stärken. Rechte gefährdeten diese und Studien zeigten, dass diese  kein Randphänomen, sondern inmitten unserer Gesellschaft zu finden  seien. Aus diesem Grund hatte die FES auch eine eigene Ausstellung und  viel Infomaterial über Rechtsextremismus und Neofaschismus mitgebracht,  die vor und nach dem Vortrag im Foyer des Hörsaalgebäudes betrachtet  werden konnte.</p>
<p>Es folgte ein kurzer Exkurs vor die eigene Haustür: Joachim  Nolte, Vertreter des Aktionsbündnisses „Wir können sie stoppen“ und  Beauftragter der Kirchen gegen Rechtsextremismus, berichtete von  jüngsten Geschehnissen in Ratzeburg, wo rechte Morddrohungen auf Wände  geschrieben und Gegner der Neonazis persönlich bedroht wurden. Nolte  rief dazu auf, am 31. März in Lübeck auf die Straße zu gehen, friedlich  zu blockieren und „in Sicht- und Hörweite der Nazis“ ein Zeichen zu  setzen, was nur gelinge, wenn Tausende sich an der Gegendemo beteiligen.</p>
<p>Dann kam Manuel Bauer auf die Bühne, groß, bullig, schwarz  gekleidet. An seiner Seite Andreas Speit, freier Journalist und  Publizist, der unter anderem für die taz schreibt und sich vor allem mit  Rechtsextremismus und Neofaschismus befasst. In einigen einführenden  Worten beschreibt Bauer seinen Ausstieg aus der rechten Szene, den er  während einer Haftstrafe mit Hilfe der Organisation EXIT geschafft habe.  Vorher habe er im Untergrund gearbeitet, habe geprügelt, erpresst und  sei bereit gewesen, zu töten. Darüber habe er den Kontakt zu seiner  Familie verloren und muss nun, nach seinem Ausstieg, erst alles wieder  aufbauen. „Mein Leben war ziemlich kaputt“, fasst er die Zeit vor der  Haftstrafe zusammen. Seither habe er sich der Aufklärung und dem Kampf  gegen Rechts verschrieben, gebe Interviews, besuche Schulklassen. Eine  dieser Klassen hat als Projektarbeit einen Film über die rechte Szene  gemacht, der nun als Einleitung vorgespielt wurde.</p>
<p>Was folgte, waren einige Fragen von Speit, zunächst die eine, die  wohl das Publikum am brennendsten interessierte: Wie ist das Phänomen  zu erklären, dass einer erst Nazi ist und dann nicht mehr? Bauers  Antwort schweift aus, er berichtet, wie es überhaupt dazu gekommen sei,  dass er sich der rechten Szene angeschlossen hat. Er berichtet wie er  seine Jugend in einem Ostdeutschland nach der Wende erlebt hat, in dem  jede soziale Sicherheit weggefallen war, wo die Stabilität mit dem  Rückzug der Russen abnahm und Gastarbeiter als Störenfriede wahrgenommen  wurden und als erheblichen Grund für die massive Arbeitslosigkeit, die  auch Bauers Familie traf. Er berichtete von einem Ostdeutschland, wo  Schüler auf dem Pausenhof mit rechtem Gedankengut konfrontiert wurden,  wo CDs, Comics und weiteres Infomaterial verbreitet wurden. Mit elf  Jahren habe er erstmals Kontakt zur rechten Szene gehabt, mit zwölf sei  er ein Teil davon geworden. Hier gab es Slogans wie „Arbeit zuerst den  Deutschen“, hier waren die Wessis die Imperialisten und Kapitalisten,  Ossis waren Pioniere. Die Glatze wurde zum Modetrend, Stammtischparolen  waren allgegenwärtig.</p>
<p>Bauer bezeichnet sich selbst als „Mitläufer“, denn etwa 85  Prozent seiner Mitschüler bezeichneten sich als „rechts“. Zwar hätte es  auch ein paar wenige Punks gegeben, doch „denen ging es schlecht“. Er  habe es schön empfunden, Teil einer Gruppe zu sein, das Gefühl kannte er  bereits aus den Pionierlagern. Auch wollte er sich etwas beweisen und  dafür war Gewalt legitim, denn die Ossis waren die Opfer.</p>
<p>Mit 14 habe er erstmals einen Jugendclub gestürmt. Er berichtet  von dem Gefühl der starken Gruppe, dem Wissen, „wenn ich zuschlage,  schlagen auch die anderen“. Dabei seien Parolen wie „Taten statt Worte“  und „Gewalt ist ein gutes Argument“ durchaus gängig. Es habe Spaß  gemacht, über die vermeintlichen Gegner zu triumphieren und ab da habe  er sich mit Überzeugung hochgearbeitet.</p>
<p>Bauer bezeichnet sich dabei selbst als Teil eines militanten  Milieus, denn in der Partei wäre er immer abhängig gewesen. So wurde er  in seinen Handlungen aber bestärkt und lernte, wie er zuschlagen müsse,  um schnell und effektiv zum Ziel zu gelangen. Er erzählt von  Beschaffungskriminalität „gegen das Deutsche Volk“, da diese die Würde  der Neonazis nicht anerkannten. Seine frühere Gesinnung wird unter  anderem deutlich, als er berichtet, dass sie einen Homosexuellen  erpresst hätten, da er für sie „Abfall“ war, sie verschleppten ihn in  den Wald und nahmen seinen möglichen Tod in Kauf. Das war auch die Zeit,  in der der Kontakt zur Familie zerbrach, er habe von dort also keine  soziale Erziehung mehr genossen. Dies übernahm die Bewegung nun für ihn.</p>
<p>Ein Umdenken habe erst stattgefunden, als er wegen  Körperverletzung und Erpressung ins Gefängnis musste. Dort sah er  vermeintliche Kameraden beim Kiffen, was ihn an deren Linientreue  zweifeln ließ. Er konfrontierte sie damit und als sie ihn körperlich  angriffen, wurde er von zwei Türken verteidigt. Er stellte fest, dass er  sich auch mit „normalen“ Menschen gut unterhalten konnte und vor allem  musste er erleben, dass seine früheren Kameraden ihm nicht schrieben,  ihn nicht besuchten. Er verbrachte alle Feiertage alleine, bis die  Aussteigerorganisation EXIT auf ihn aufmerksam wurde. Diese hätten ihn  besucht, hätten ihm zugehört und ihm schließlich angeboten, ihn beim  Ausstieg zu unterstützen. Und nicht nur dabei: Er konnte seine  Schulausbildung abschließen und stellte fest, dass er nicht arbeitslos  war, weil Ausländer die Arbeitsplätze wegnahmen, sondern schlicht, weil  er bislang einfach keine Lust zum Arbeiten hatte. Dies sei ein  „langsamer, krass schwieriger“ Lernprozess gewesen.</p>
<p>Diese Erzählungen wurden nur von kurzen Zwischenfragen Speits  unterbrochen, der sich offensichtlich in Bauers Lebensgeschichte gut  auskannte und ihm so auch die nötigen Details entlockte.</p>
<p>Nun wurde die Runde geöffnet und dem Publikum die Möglichkeit  gegeben, Fragen zu stellen. Die rund 300 Zuhörer nutzten diese Chance  und fragten in alle Richtungen. Sie fragten nach seinem Elternhaus, wo  er ursprünglich gelernt hatte, niemanden vorzuverurteilen und den  Menschen zu ehren. Seinen Gesinnungswandel hatten diese nicht gut  geheißen und zerbrochen war die Beziehung, als er seine Mutter als  „Judenschlampe“ bezeichnete und Gewalt gegen sie anwandte. Auch habe er  versucht, seiner 8-jährigen Schwester rechtes Gedankengut einzuimpfen,  was diese zunächst auch brav nachplapperte. Dabei habe er sich nie  hinterfragt. Kamen dennoch Zweifel an seinem Handeln und seinem Denken  auf, wurden diese weg gewischt, da er nicht wusste, wie er dann seinen  Freunden gegenüber da stehen würde. Diese Freunde habe er nun abgelegt,  von ihnen wurde er seit seinem Ausstieg beleidigt und bedroht.</p>
<p>Wie er nun mit der Vergangenheit umgehe, ob er bedroht werde,  wollte ein Zuhörer wissen. Er habe ein Amtsschreiben, das er immer bei  sich trage, falls er einmal unplanmäßig verschwinden oder irgendwo  unterkommen müsse. Zudem gebe es eine bundesweite Meldesperre. Drohungen  gäbe es trotzdem immer wieder und auch seine Frau habe darunter zu  leiden. Den Kontakt zu früheren Freunden habe er gänzlich abgebrochen,  auch wenn ihm das nicht in allen Fällen leicht gefallen sei. Zwar  distanziere er sich deutlich von den Rechten und arbeite auch gezielt  gegen sie an, doch würde er gerne einmal zu einem Klassentreffen gehen,  was es für ihn leider nicht gibt.</p>
<p>Seine mit dem Ausstieg gewonnene Freiheit könne er aber auch  genießen. Es sei ein neues Gefühl, jede Musik hören zu können, die er  mag, seine Kleidung frei zu wählen und alles zu essen. Seinen ersten  Döner habe er mit 26 Jahren gegessen und der habe ihm sogar geschmeckt.  Zudem sei er auch schon einmal in einer Schwulenkneipe gewesen und habe  dort festgestellt, dass auch die Schwulen „ganz normale Menschen sind“.  Von diesem Besuch erzählt er mit einem gewissen Stolz, war es doch die  Erpressung eines Homosexuellen, die ihn unter anderem ins Gefängnis  gebracht hatte.</p>
<p>Auf die Frage, ob er ein NPD-Verbot für sinnvoll erachte,  antwortet Bauer zwiegespalten: Zwar sei es richtig, eine rechtsextreme  Partei nicht mit Steuergeldern zu finanzieren, doch sehe er im Verbot  auch eine gewisse Gefahr: „Das rechte Gedankengut lässt sich nicht  verbieten und wenn dann die Partei verboten wird, formieren sich die  Gruppen irgendwo anders neu.“ Viel wichtiger sei es, Präsenz gegen die  Rechten zu zeigen, ihnen keinen Spielraum zu geben. Denn: „Die Macht der  rechten Szene ist die Angst der anderen.“ Damals hätte es diese  Gegenbewegung nicht gegeben: Wer für die Jugendlichen da war, waren die  Rechten. „Hätte der Staat gezeigt: ‚Wir sind für euch da’, wäre es  sicher anders gekommen“, sagt Bauer. Man müsse Jugendliche beschäftigen,  sei es mit Musik, mit Kunst. Man müsse ihnen in erster Linie das Gefühl  geben, dass man sie nicht fallen lasse.</p>
<p>Die größte und wichtigste Frage, die immer wieder durchklingt,  aber erst gegen Ende konkret gestellt wird, ist die nach der Reue. Bauer  habe versucht, Kontakt zu seinen Opfern aufzunehmen und um Verzeihung  zu bitten. Einige hätten mit im gesprochen, verzeihen konnten ihm nur  wenige. Die Wege seien jedes Mal extrem schwierig für ihn gewesen. Er  sei in psychologischer Betreuung, wo er seine Taten reflektiere. Und  auch die Aufklärungsarbeit helfe ihm, seine Vergangenheit zu  verarbeiten. Verzeihen könnte er sich dennoch nicht, insbesondere nicht,  dass er sich an Frauen und Kindern vergriffen habe. „Damit habe ich mir  selbst den Stolz genommen“, fasst er es zusammen und es fällt ihm  sichtlich schwer, im Detail von den Übergriffen zu erzählen.</p>
<p>Die Fragerunde könnte wohl noch unendlich weitergeführt werden.  Während Bauer die vielen persönlichen Einblicke gab, sorgte der Fachmann  Andreas Speit für den Überblick über die rechte Szene und lieferte  Detailwissen. Zwar mussten die Fragen dann irgendwann abgebrochen  werden, doch waren alle Veranstalter zufrieden mit dem Ergebnis.  Benjamin Eurich vom AStA hatte im Vorfeld gehofft, neben der politischen  Bildung den Besuchern zeigen zu können, wie man sich gegen Rechts  engagieren könne und damit auch dem Rückgang der studentischen  Beteiligung bei der Gegendemo entgegen zu wirken. Er freute sich, dass  nicht nur Studenten zu den rund 300 Zuhörern gehört hatten, sondern auch  ältere Bürger aus Lübeck und Umgebung, und sich alle rege an der  Diskussionsrunde beteiligt hatten. Diese fand er sehr informativ und sie  habe „für viele neue Einblicke in die rechte Szene gesorgt“. Die  zweieinhalb Stunden zeigten, dass es eine aktive Auseinandersetzung mit  diesem Thema gebe.</p>
<p>Auch Andreas Speit gab sich positiv. Zwar habe er schon viele  Aussteiger erlebt, doch hatte dies in kleineren Rahmen oder auf  Fachtagungen statt gefunden. Diese Runde war also neu für ihn. „Bauer  kam mit seinen Anekdoten beim Publikum nicht an“ und die Frage nach der  Reue habe ihn unter Druck gesetzt, doch zeigt sich Speit froh, dass es  diese kritischen Nachfragen gab.</p>
<p>Ein Ziel des Abends wurde in jedem Fall erreicht: Im Foyer und  draußen auf der Straße entwickelten sich noch rege Diskussionen, der  Vortrag und die Antworten des Aussteigers hatten zum Nachdenken  angeregt. Ob das die Zuhörer auch gegen Rechts auf die Straße bringt,  wird sich erst Ende März zeigen.</p>
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		<title>Ein Monat der Wissenschaft</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Feb 2012 14:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lukas Ruge</dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2445" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-2445" title="6691334765_020aaa8c7a_o" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/6691334765_020aaa8c7a_o-645x429.jpg" alt="" width="645" height="429" /><span class="media-credit"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/author/ruge/">Lukas Ruge</a> | StudentenPACK.</span></div><p class="wp-caption-text">Ministerin Schavan spricht in der Marienkirche zur Eröffnung des Wissenschaftsjahres.</p></div>
<p>Es wird dunkel in der Marienkirche. Mit Musik und Tanz wird in der  völlig überfüllten Kirche am 13. Januar das Jahr der Wissenschaft  eröffnet. Polit-Prominenz – die Bildungsministerin Anette Schavan (CDU)  ist aus Berlin angereist – Leitung von Uni, Musik- und Fachhochschule,  der Bürgermeister und hunderte Lübecker sind zur Marienkirche gekommen,  bis niemand mehr hinein gelassen werden konnte. Insgesamt, so die  Veranstalter, 1700 Besucher. Nun stehen sie in den Gängen und lauschen  der Musik während Mitglieder des Schüler-Tanzensembles der Musik- und  Kunstschule auf der Bühne ein Ballett der Geometrie aufführen.</p>
<p>Mit diesem Ansturm hatten die Veranstalter offensichtlich nicht  gerechnet, doch es ist ein gutes Zeichen. Lübecks Begeisterung für  Wissenschaft, deren Demonstration im Sommer 2010 unter dem Banner  „Lübeck kämpft für seine Uni“ bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte und  die zu erheblichen Teilen der Grund dafür war, dass sich Lübeck nun  Stadt der Wissenschaft nennen kann, ist geblieben. Jeder Redner – der  Hausherr Pastor Schwarze, die Ministerin, der Bürgermeister – sie alle  sprechen an diesem Abend vom beeindruckenden Kampf einer Stadt für ihre  Universität. „Bürgerinnen und Bürger, die für die Wissenschaft auf die  Straße gehen – das war das Signal, das von Lübeck ausgegangen ist.“,  sagt Annette Schavan.</p>
<p>Ein weiteres Element des Abends ist ein Widerspruch: Das Jahr der  Wissenschaft wird in einer Kirche zu eröffnet? „Lübeck feiert die  Wissenschaft. In einer Kirche.“, stellt Pastor Schwarze fest, der sich  des scheinbaren Bruches zwischen dem Religiösen und dem Faktischen wohl  bewusst ist. Doch er sieht Vereinbarkeit, denn die Marienkirche war nie  nur eine Kirche. Sie ist Symbol der lübschen Bürger, ihres Reichtums.  Lübecks Reichtum des einundzwanzigsten Jahrhunderts ist Wissenschaft und  Lübecks Bürger sind in ihren Prunkbau gekommen, um ihren Reichtum zu  feiern. Auch Schavan versucht die Brücke zwischen Religion und  Wissenschaft zu schlagen, doch der konservativen Politikerin, die  versucht, aus der christlichen Tradition selbst die modernen  wissenschaftlichen Leitlinien herzuleiten, scheitert an diesem  unmöglichen Kunststück. Achselzucken im Publikum.</p>
<h3>BioMedTech-Campus wird eröffnet</h3>
<p>Der Abend schließt mit der Gründung des Wissenschaftscampus.  Universität, Fachhochschule, Fraunhofer-Zentren, EUROIMMUN und andere  Institute der Region gründen den BioMedTec-Wissenschaftscampus. Ein  sperriges Wort, aber ein wichtiger Schritt für den langfristigen Plan  der Universität, bekannt unter dem Begriff Univision2020. Der  Wissenschaftscampus soll zu einer verbesserten Kooperation zwischen den  Gruppen und Institutionen führen, die Kompetenzen am Standort bündeln  und einen Ansprechpartner im Bereich Medizintechnik schaffen, der  weltweit Ansehen genießt.</p>
<p>Auf dem neuen BioMedTec-Campus zu studieren, fühlt sich  allerdings überhaupt nicht anders an, als noch die Woche zuvor auf dem  Campus der Uni Lübeck. Vorlesungen im Wissenschaftsjahr sind auch nicht  anders als zuvor, die Sitze genauso hart und der Computerpool genauso  voll. Der Wissenschaftscampus ist ein abstraktes Gebilde, eine Idee. Es  wird wohl dauern, bis die konkreten Vorteile zu spüren sind.</p>
<p>Das Wissenschaftsjahr in Lübeck nimmt aber ganz konkret Form an.  Täglich gibt es Veranstaltungen in der Stadt, die sich im weitesten  Sinne mit Wissenschaft und Forschung beschäftigen. Wahr ist: Die meisten  dieser Veranstaltungen hätten auch ohne den Titel „Jahr der  Wissenschaft“ stattgefunden, wahr ist aber auch, dass die  Veranstaltungen nun eine Öffentlichkeit erfahren, die ohne die  Auszeichnung unmöglich gewesen wäre. Dies erleben auch die Veranstalter  des FameLab.</p>
<div id="attachment_2447" class="wp-caption aligncenter" style="width: 655px"><div class="media-credit-container aligncenter" style="width: 655px"><img class="size-medium wp-image-2447" title="6713284103_abccf3f763_o" src="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/6713284103_abccf3f763_o-645x430.jpg" alt="" width="645" height="430" /><span class="media-credit"><a href="http://www.studentenpack.uni-luebeck.de/index.php/author/ruge/">Lukas Ruge</a> | StudentenPACK.</span></div><p class="wp-caption-text">Mit Regelungstechnik schafft es Christian Mallas vom Itzehoer Fraunhofer-Institut auf Platz 1.</p></div>
<p>2005 in England erfunden, ist FameLab ein Wettbewerb um die beste  Verständlichkeit. Wissenschaftler haben drei Minuten auf der Bühne, um  ihre Forschung ohne Präsentationsfolien zu präsentieren. Als Hilfsmittel  dürfen sie dabei nutzen, was sie mit auf die Bühne nehmen können. 2011  gab es das FameLab zum ersten Mal in Deutschland, mit dem Vorentscheid  für Schleswig-Holstein in Lübeck.</p>
<p>Für des zweite Jahr wollen nun vier junge Wissenschaftler ihre  Arbeit präsentieren. Das Publikum lernt, wie das Noro-Virus funktioniert  – anhand von Wäscheklammern – wie die Beamer der Zukunft funktionieren,  wie Roboter eine Nadel direkt auf ihr Ziel richten, auf der Bühne  fantasievoll durch einen Apfel in einer Tüte mit Wasser dargestellt, und  wie Mathematik hilft, eine Operation sicherer zu machen. Wie bei der  Eröffnung ist auch das FameLab mit mehr Zuschauern gesegnet, als die  Veranstalter erwartet haben. Von überall werden Stühle geholt, damit der  Saal im Multifunktionscenter im Hochschulstadtteil dem Ansturm gerecht  wird. Schlussendlich gewinnt Christian Mallas mit dem Vortrag über die  Beamer der Zukunft vom Itzehoer Fraunhofer-Institut für  Siliziumtechnologie ISIT.</p>
<h3>Ein Pfad der kleinen Experimente</h3>
<p>Auch Lübeck selbst verändert sich, um sich als Wissenschaftsstadt zu  präsentieren. Die erste Veränderung ist der Pfad der Wissenschaft, der  sich seit Mitte Januar durch die historische Altstadt zieht. Im Norden,  am Burgtor, beginnt er mit der ersten Station. Neun weitere führen auf  einer drei Kilometer langen Strecke bis zum Dom.</p>
<p>Die Stationen sind allerdings wenig beeindruckend und mit  Wissenschaft hat der Pfad wenig zu tun. Ein Kaleidoskop, ein Fernglas,  ein Abakus und ein Möbiusband. Der Pfad begeistert allerdings Kinder,  die an den meisten Stationen hängen bleiben während die Eltern  ungeduldig warten. Immerhin führt der Pfad den interessierten Touristen  ohnehin an all die Orte, die dieser besucht hätte. So ist er eine  Ergänzung zum Programm, das Lübeck seinen Gästen bietet, insbesondere  Gästen mit Kindern. Ob der Pfad der Wissenschaft etwas Bleibendes ist,  darf bezweifelt werden – oder kennt jemand den botanischen Pfad in  Lübeck?</p>
<p>Der Januar in der Stadt der Wissenschaft hat Gäste mehr zu  bieten: Insgesamt 80 Veranstaltungen in einem Monat zählt das Programm.  Wanderungen, Besichtigungen, Vorträge. Hunderte werden in den nächsten  Monaten folgen, viele sind schon jetzt auf der Website <a rel="nofollow" href="http://www.hanse-trifft-humboldt.de/">http://www.hanse-trifft-humboldt.de</a> zu finden. Darunter der Wissenschaftssommer vom 2. bis 6. Juni, der  Besuch des Segelschulschiffes „Alexander von Humboldt II“, die Mitte  September in Travemünde anlegt, und der Tag der Wissenschaft im Oktober.  Wenn die Begeisterung der Lübecker anhält, lohnt es sich, früh zu  kommen, es konnte voll werden.</p>
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